Stille Spuren

Ausstellung zu Ehren Robert Signers Geburtstags

im Kunstmuseum St. Gallen


Robert Signer, „Spur“, 2018, und „Fahrrad mit gelbem Band“, September 1982


Seit Jahren sind Roman Signers Arbeiten nicht mehr aus dem internationalen Kunstalltag wegzudenken. Anlässlich seines 80. Geburtstages hat die frühe Förderin Ursula Hauser dem St. Galler Kunstmuseum eine raumfüllende Arbeit geschenkt. Mit diesem Werk, das 1999 die Schweiz an der Biennale di Venezia vertreten hat, zeigte Roman Signer einer breiten Öffentlichkeit einen neuen Begriff der Skulptur. Immer wiederkehrende alltägliche Gegenstände – wie hier das blaue Fass – formen die Arbeit. Die niedergemähten Holzstäbe sind Zeuge der ausgeübten Kraft. Die Dynamik des herunterrollenden Fasses wird als Momentaufnahme fixiert. Sofort erschließt sich dem Betrachter der abgelaufene Prozess. Interessanterweise verflechten sich die umgeworfenen Stäbe wie zu einem Netz. Dass hinter den bekannten Aktionen eine detaillierte Planung steckt, offenbaren die eigentlichen Konstruktionszeichnungen, die selbständige Kunstwerke sind. 22 von 46 Zeichnungen aus der Schenkung von Ursula Hauser zeigen, dass Signer als Hochbauzeichner das Planen gelernt hat und für seine Zeitskulpturen anwendet. Für diese Ausstellung hat er sich wie 1982 aufs Fahrrad geschwungen und die Marmorsäulen mit dem gelben Absperrband umrundet. Damals war es deutlich gefährlicher, da im baufälligen Museum ein riesiges Loch im Boden klaffte. Wird Signer häufig mit lauten, explosiven Aktionen verbunden, sind nun im Kunstmuseum – bis auf den „Fass-Schuss“ und die Sandkrater – leise entstandene Werke aufgebaut. Allerdings kann man sich vorstellen, dass das Umfallen der aufgestellten Holzbalken eine große Geräuschkulisse erzeugte. Häufig lässt er mit solchen Objekten ein Spannungsfeld entstehen. Die Skulptur wird dann in der Vorstellung der Betrachter zu Ende geführt. Das aufgebaute Potenzial lässt eine Spannung entstehen. |hm| 


Roman Signer – Spuren

bis 12.8.

Kunstmuseum St. Gallen

Museumsstrasse 32

CH-9000 St. Gallen

Di/Do-So 10-17 h, Mi 10-20 h

www.kunstmuseumsg.ch

Kunst                    neu erfahren

Münsteraner Artlet-Studio stellt in Bonn aus


Sonja Tines, „The time is now”, Ölgemälde, 180 x 180 cm


Wohl jeder kennt die „Mona Lisa“ von Da Vinci. Stellen Sie sich diese nun einmal in einem vergoldeten Palast, dann in einer alten Fabrikhalle und nun bei Ihnen im Wohnzimmer vor. Schnell stellen Sie fest, dass jeder Raum seine eigene Atmosphäre hat und diese maßgeblich zur Erfahrung des Kunstwerkes beiträgt. Dies ist auch dem Artlet-Studio in Münster bewusst. Schon oft nutzte dieses andere Orte für seine Ausstellungsprojekte. Zu den zwei festen Standorten in Münster und Karlsruhe kamen über die Jahre – zumindest temporär – das Loods 6 in Amsterdam, die Dominikanerkirche in Münster und nun, ganz neu, der Kunstraum der Villa Friede in Bonn. Dort werden vom 13. Juli bis zum 26. August Arbeiten der deutsch-italienischen Malerin Sonja Tines und des spanischen Bildhauers Jesús Curiá ausgestellt. Auf den besonders großformatigen Ölgemälden von Tines sind surreal überzeichnete Figuren, deren Vorlage die Künstlerin aus verschiedensten Kulturbereichen entlehnt, zu sehen. Diese treten auf ihren Werken vor kontrastreich nebeneinander gestellte Motive und Strukturen in einen völlig neuen Kontext. Die neuen Arbeiten des Bildhauers Jesús Curiá werden ebenfalls gezeigt. In seinen Skulpturen aus Bronze, kombiniert mit Eisen, Stein oder Holz, vereint er Tradition, Moderne und Herkunft auf völlig neue Weise. Sein Werk ist nicht nur als Hommage an die Schönheit des menschlichen Körpers gedacht, sondern vor allem als Würdigung an den Menschen an sich – seine wesentlichen Bedürfnisse, Ideale und Sorgen. Betrachter seiner Arbeiten sind immer wieder aufs Neue fasziniert. Davon dürfen sich nun auch die Kunstliebhaber in Bonn überzeugen. |ez|


New Horizons

13.7. bis 26.8.

Villa Friede

Mainzer Straße 141-143

53179 Bonn

Do/Fr 16-19 h, Sa 11-16 h

www.artlet-studio.com 



Entdeckung                                                      der alpinen Bergwelt

Entwicklung der Landschaftsmalerei im Kunst Museum Winterthur

Das holländische Flachland und die Schweizer Alpen – wie diese beiden Gegensätze in der Kunst miteinander zusammenhängen, zeigt das Museum Winterthur bis zum 20. Januar in seiner Ausstellung „Dutch Mountains – vom holländischen Flachland in die Alpen“. Diese widmet sich der Frage, warum ausgerechnet Künstler aus den Niederlanden die Alpen in imposanten Gemälden und detailgetreuen Zeichnungen festhielten und den Schweizer Kollegen als Vorreiter galten. Zu sehen sind Arbeiten verschiedener Schweizer und holländischer Künstler vom 16. bis ins 19. Jahrhundert. Den Auftakt bildet ein eindrückliches Alpenpanorama des holländischen Malers Jan Hackaert. Dieser und der Zürcher Maler Conrad Meyer gelten – mit ihren realistischen und geradezu modernen zeichnerischen Interpretationen des Hochgebirges – als eigentliche Wegbereiter der Schweizer Alpenmalerei. Auch die Werke des Winterthurer Malers Felix Meyer werden präsentiert. Er gilt durch seine Gebirgslandschaften als Pionier der Alpenmalerei. Sein Werk „Der Untere Grindelwaldgletscher“ ist die erste Darstellung eines Gletschers in einem Ölgemälde überhaupt. Des Weiteren sind Werke des Schweizer Malers Alexandre Calame, der als europaweit einflussreichster Vertreter der Alpenmalerei des 19. Jahrhunderts gilt, zu sehen. Malereien dieser und vieler weiterer Künstler gehören zum beeindruckenden Panorama der Gebirgsmalerei, welches druckgrafische Werke, topografische Zeichnungen und imposante Ölgemälde umfasst.  |ez|

 

Abb.: Caspar Wolf, „Der Untere Grindelwaldgletscher mit Lütschine und dem Mettenberg“, 1774, Öl auf Leinwand, 53,5 × 81 cm, 

Kunst Museum Winterthur, Stiftung Oskar Reinhart (Foto: SIK-ISEA, Zürich (Philipp Hitz))