Neue Leichtigkeit

Vier internationale Künstler überwinden in der Galerie Judith Andreae die Grenzen der Malerei/ Von Kathrin Albrecht


 

Von links nach rechts:

Pia Ferm, „very important  conversation“, 2017, Handgetuftete Wollteppiche, 185 x 135 cm (Courtesy Galerie Judith Andreae)  /

Lukas Glinkowski, trash, 40 x 30 x 3 cm, Öl, Gravur, Spiegelfliesen auf Holz (Courtesy Galerie Judith Andreae) /

Julia Gruner, „Sticky Skins“  (gnuldnahhcuB ginöK rehtlaW), 2018, Abformung einer Plastiktüte mit Acrylfarbe und dadurch transferierter Plastiktütenabdruck, 44 x 37 cm (Courtesy Galerie Judith Andreae) / 

Antje Zeiher, untitled, 2018, Acryl auf Leinwand, 180 x 135 cm (Foto: Ben Hermanni, Courtesy Galerie Judith Andreae)


Take it easy“, heißt die aktuelle Gruppenausstellung in der Bonner Galerie Judith Andreae, zu deutsch: Nimm es leicht. Bezug nehmen könnte dieser Ausstellungstitel auf die Tatsache, dass die gezeigten Positionen die althergebrachten und von der Allgemeinheit anerkannten Normen der klassischen Malerei zu sprengen scheinen. Ein Unterfangen also, das der Gattung Malerei eine neue, ungeahnte Leichtigkeit verleiht. Schließlich verschwimmt diese mit anderen Gattungen wie zum Beispiel der Skulptur.

Die künstlerische Herangehensweise der vier Künstler, die an der Schau beteiligt sind, ist jedoch alles andere als einfach. Vielmehr werden ihre Werke in den meisten Fällen in langwierigen und hintersinnigen Prozessen erarbeitet. Die aus Schweden stammende Künstlerin Pia Ferm beispielsweise präsentiert in der Bonner Schau großformatige, handgetuftete Wandteppiche. So entsteht, durch das Knüpfen mit Wollfäden ein Relief, das dem Objekt beinahe skulpturale Merkmale verleiht, gleichzeitig erinnern die Farbigkeit und Charakteristik der Werke an die klassische Malerei. Pia Ferms Arbeiten lassen in ihrer Motivik oft an Stillleben in einer weiterentwickelten, modernen Form denken. Bis zu sechs Wochen dauert die Erarbeitung eines solchen Meisterwerks. 

Die Kunstwerke Lukas Glinkowskis sind aufwendige und bedeutungsvolle Träger von Botschaften. Durch seine Kunst hält er der Gesellschaft nicht nur sinnbildlich den Spiegel vor, sondern diesen bisweilen sogar direkt selbst als Malgrund. Die Werke sind Reflexionen öffentlicher Räume wie Toiletten oder U-Bahn-Tunnel. Mittels Graffiti, Abnutzungen und mutwilliger Zerstörungen bemalt, besprayt oder beschreibt Glinkowski Fliesen, Spiegel und Raufasertapeten. Nicht nur ist die Ausstellung in der Galerie Judith Andreae gattungsüberschreitend, sie negiert auch die Leinwand als einzig wahren Träger von Malerei. 

Deutlich wird dies auch bei den Arbeiten von Julia Gruner. Doch anders als ihre Kollegen, die Alltagsgegenstände, Tapeten, Teppiche und vieles mehr als Malgrundlage verwenden, verzichtet Gruner oft gänzlich auf einen Träger. Schicht für Schicht arbeitet sie mit purer Farbe und verschiebt somit die Begrenzung der Malerei erneut. Abgüsse von Alltagsgegenständen und Abdrücke aus leuchtenden Farben lassen auch hier Gattungsgrenzen von Skulptur und Malerei miteinander verschmelzen.

Die vierte Künstlerin, die in der Ausstellung gezeigt wird ist Antje Zeiher. Ihre Werke könnten als klassische Acrylarbeiten auf Leinwand bezeichnet werden, doch darüberhinaus wohnt ihnen noch ein stark architektonischer Charakter inne. Dies gelingt der Künstlerin, indem sie konturiert, formt und mittels bildhafter Objekte verschiedene Bildebenen schafft. Und auch Zeiher experimentiert mit Trägern, nutzt für eine Werkserie Kork als Malgrund und gibt durch Faltungen und Zuschnitte der Malerei ein objekthaftes Profil. Es ist eine gekonnte Kuration von Werken aufstrebender junger Künstler, die allesamt an renommierten deutschen Kunstakademien studiert haben, oder noch studieren. Die Galerie Judith Andreae präsentiert damit eine spannende Auswahl dessen, wozu zeitgenössische Malerei in der Lage ist.


Take it easy

4.9. bis 26.10.

Galerie Judith Andreae 

Paul-Kemp-Straße  7 

53173 Bonn 

Mi 10-18 h, Do, Fr 14-18 h, Sa 11-15 h

www.galerie-andreae.de