Die anderen Künste: Film, Musik und Literatur

Die Bundeskunsthalle Bonn stellt ihr vielfältiges Jahresprogramm vor/ Von Elena Zompi

David LaChapelle, „An illuminating Path (Ausschnitt)“, 1988, Courtesy of the artist (© David LaChapelle)


Die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, kurz Bundeskunsthalle, liegt an der Museumsmeile in Bonn und zeigt Kunst aller Epochen einschließlich Zeitgenössischer Kunst, sowie Ausstellungen zu kulturhistorischen Themen, Archäologie, Naturwissenschaft und anderen Wissensgebieten. Sie entwickelt und präsentiert darüber hinaus ein eigenständiges Programm im Bereich der Darstellenden Künste, mit Gastspielen und Eigenproduktionen verschiedener Künstler und Ensembles aus dem Bereich Theater, Performance, Tanz und Musik.

Auch 2019 bietet die Bundeskunsthalle wieder ein vielfältiges Ausstellungsprogramm.

Bis zum 24. März 2019 widmet sich die Bundeskunsthalle unter dem Titel „Kino der Moderne“ Filmen in der Weimarer Republik. Das Kino dieser Zeit bot ein Experimentierfeld und prägte wie keine andere Stilepoche des deutschen Films die internationale Filmästhetik nachhaltig. Die Schau konzentriert sich auf diese Wechselwirkungen zwischen Kino, Kunst und Alltag sowie die Impulse und Diskurse, die vom Kino der Weimarer Republik ausgingen und bis heute nachwirken: Mode und Sport, Mobilität und urbanes Leben, Genderfragen und die Popularität der Psychoanalyse, aber auch die gesellschaftlichen Auswirkungen des Ersten Weltkrieges spiegeln sich im Kino der Moderne. Der Blick richtet sich auch auf das damalige Kinopublikum, dessen Wahrnehmung der Welt durch die neuartige Filmsprache wesentlich verändert wurde.

Michael Jacksons „Thriller“, „Billie Jean“ oder „Black and White“ kennt wohl jeder und damit auch seine Bedeutung für alle Bereiche der Popkultur. Sein beträchtlicher Einfluss auf die Zeitgenössische Kunst ist dagegen eher wenigen bekannt. Doch seit Andy Warhol 1982 sein Bild zum ersten Mal verwendete, machte die Bildende Kunst Jackson zur meistdargestellten Figur der Medienwelt. Die Ausstellung „Michael Jackson. On the Wall“, die vom 22. März bis zum 14. Juli läuft, untersucht diesen Einfluss Michael Jacksons auf einige der führenden Persönlichkeiten der Zeitgenössischen Bildenden Kunst.

Eine weitere bekannte Persönlichkeit, wenn auch im anderen Sinne, steht vom 17. Mai bis 15. September im Ausstellungsfokus: Johann Wolfgang von Goethe. Wie kein zweiter Dichter seiner Zeit hat Goethe jene Veränderungen reflektiert, die um 1800 die politischen, ökonomischen und kulturellen Fundamente Europas erschütterten. Er war aber nicht nur ein kritischer Beobachter der anbrechenden Moderne, sondern zugleich ein äußerst wandlungsfähiger Künstler, der bis heute Schriftsteller, Maler und Bildhauer sowie Komponisten, Fotografen und Filmregisseure inspiriert hat. „Goethe. Verwandlung der Welt“ ist die erste große Goethe-Ausstellung seit 25 Jahren und veranschaulicht sein Werk und seine Biografie im Horizont der frühen Moderne sowie die einzigartige Rezeptionsgeschichte seines Wirkens.

Auch die Gestaltung des Gartens auf dem Dach der Bundeskunsthalle wird in Zukunft von Goethe inspiriert sein. Denn als dieser im Frühjahr 1776 sein erstes Weimarer Anwesen bezog, das berühmte „Gartenhaus“ unweit der Ilm, galt sein besonderes Interesse dem weitläufigen Garten, dessen Neugestaltung er sogleich in Angriff nahm. Neben einem Nutzgarten legte Goethe auch einen kleinen englischen Landschaftsgarten an. Überdies unterhielt er zahlreiche Blumenbeete für seine botanischen Experimente, die ihn mit den Jahren zu einer eigenen Metamorphosenlehre führten. Auch im repräsentativen Haus am Weimarer Frauenplan, das er später bezog, schenkte er dem dortigen Garten seine besondere Aufmerksamkeit. All diese Aspekte wird der Garten der Bundeskunsthalle vom 14. April bis 15.September aufgreifen und sich daher ab Mai regelmäßig verändern.

 

Kunst- und Ausstellungshalle 

der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Museumsmeile Bonn

Friedrich-Ebert-Allee 4

53113 Bonn

Di/Mi 10-21 h, Do-So 10-19 h

www.bundeskunsthalle.de

Ein Glücksfall für die Kunst

Die Jakob und Emma Windler-Stiftung in Stein am Rhein

Parastou Forouhar, „Das Gras ist grün, der Himmel ist blau, und sie ist schwarz... “ (© 2017, Parastou Forouhar, Künstlerresidenz Chretzeturm, Stein am Rhein)


Es ist schon etwas Besonderes, dass sich ein Geschwisterpaar wie Jakob und Emma Windler bereits  zu Lebzeiten dazu durchringen, dass sie ihrer Stadt ein sorgenfreies Leben durch eine großzügige Stiftung ermöglichen und darüber hinaus die schönen Künste, in diesem Fall, Literatur und Zeitgenössische Kunst, fördern. Gelebt und gearbeitet haben die Geschwister Windler in Stein am Rhein in der Schweiz. Allein das von einer Cousine vererbte Haus mit dem Namen Lindwurm, dessen Bausubstanz auf das 13.Jahrhundert zurückgeht, war Verantwortung pur. Mit viel Liebe zum Detail setzte sich vor allem Emma Windler dafür ein, dass das Haus in ein Museum umgewandelt wurde – ihr „Geist“ ist heute noch insbesondere im Salon im 2. Obergeschoss präsent. Zusammen mit dem Architekten Wolfgang Müller hatte sie ihn 1947 im Empire-Stil, analog zu der Hausfassade, ausstatten lassen. Im Museum Lindwurm wird Heimatgeschichte des 19.Jahrhunderts gepflegt, während in der Künstlerresidenz Chretzeturm, Künstlern und Literaten eine Heimat auf Zeit , in Form eines Stipendiums, angeboten wird. Die aktuelle Stipendiatin ist Pomona Zipser. Sie ist Zeichnerin und bewegt sich auch gekonnt im Bereich Skulptur, 1990 nahm sie an der Biennale in Venedig teil und tat sich auch als Kuratorin hervor. Im Januar wird ihr Pierre-Philip Hofman folgen. Der belgische Künstler mit Schweizer Wurzeln kommt aus dem Bereich Fotografie und Video, in denen er sich hauptsächlich mit dem Alltag beschäftigt. Seit 1990 besteht der Chretzeturm und jedes Jahr werden vier Künstler oder Künstlerinnen ausgewählt hier zu arbeiten und Kunst, Musik, oder Literatur zu gestalten.      |mh|

 

Jakob und Emma Windler Stiftung

Obergass 13

8260 Stein am Rhein

www.kultur-windler-stiftung.ch