ANDY WARHOLS ERBEN

Ausstellungen mit Pop Art und Urban Art finden seit vielen Jahren ein großes Pulikum


Abb. links: James Rizzi, rechts:Andy Warhol, Self-Portrait, 1986, Acryl und Siebdruckfarbe auf Leinwand, 203.6 x 193.6 cm


Fast jeder, der sich für Kunst interessiert, kennt Andy Warhols Siebdrucke mit Campbell-Tomatendosen, die comicartigen Rasterbilder von Roy Lichtenstein und die Graffti-Motive von Keith Haring. Auch wenn diese New Yorker Künstler längst ver-storben sind, so ist ihr unverwechselbarer Stil doch prägend für nachfolgende Generationen. Die Pop Art der 1960er Jahre und die aus der Sprayer-Szene hervorgegangene Urban Art sind beliebte Kunstrichtungen, die ein großes Publikum ansprechen. Die ZEITKUNST stellt jetzt sechs aktuelle Ausstellungen zu Pop Art und Urban Art in ganz Deutschland vor. Dazu noch ein Tipp für Cineasten.

 

Er hat Sonderbriefmarken gestaltet, Porzellanobjekte, japanische Skimode, einen Box-Mantel für Henry Maske und im Jahr 1996 sogar die Außenhaut einer Boeing 757. Die Rede ist von dem US-Amerikaner James Rizzi (1950-2011), der zu seinen Lebzeiten einer der populärsten Künstler war. Der 1950 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geborene Vertreter der Pop Art wurde in den 1970er Jahren durch die Erfindung von 3D-Papierskulpturen und 3D-Magnetbildern bekannt. Seitdem war der für seinen Humor, seinen Optimismus und seinen unbändigen Gestaltungswillen bekannte Allroundkünstler schwer gefragt: als offizieller Künstler mehrerer Olympischer Spiele und als Botschafter und Gestalter für wohltätige Organisationen rund um den Globus. Sein unverwechselbarer, farbenfroher Stil ließ Bücher, Albumcover, U-Bahnkarten, ja, sogar ganze Häuserfassaden zum Blickfang werden. Die als Künstleragentur, Kunsthändler, Verleger und Lizenzvermittler agierende Art 28 organisiert Nachlass-Ausstellungen von James Rizzi auf der ganzen Welt und bietet Interessierten ein Rundum-Paket mit all seinen Produkten.

www.art28.com

 

Alles Banane. Der Kölner Street Art-Künstler Thomas Baumgärtel, Jahrgang 1960, ist auch unter dem Psyeudonym „Bananen-sprayer“ bekannt. Jedem, der regelmäßig Ausstellungshäuser besucht, ist sein Werk schon einmal begegnet. Seit 1986 markiert er die Eingänge von Kunstorten wie Museen und Galerien mit einer in Pochoir-Technik gesprayten Banane, die an Andy Warhols berühmte Banane auf dem Debütalbum der New Yorker Band „The Velvet Underground“ erinnert. Bereits über 4.000 Ausstellungsorte in deutschen und internationalen Städten hat Baumgärtel mit seinem unverwechselbaren Markenzeichen versehen – und damit für gut befunden. Noch bis zum 13. Juli zeigt die auf Street Art und Pop Art spezialisierte Galerie Kronsbein in München die Ausstellung „Bananensprayer: Urban Art meets Pop Art“. In den Galerieräumen im Herzen von München können Besucher jetzt Baumgärtels etwas ungewöhnlichere Bananen-Varianten entdecken: die Betonbanane, die Pixelbanane, den Bananenhampelkönig und für Liebhaber der Sesamstraße sogar die Bertbanane.

www.galeriekronsbein.com

 

Über 1.200 Werke umfasst die Sammlung Brandhorst, die die 1999 verstorbene Henkel-Erbin Anette Brandhorst und ihr Mann Udo seit den 1970er Jahren zusammen-getragen haben. Im Mai 2009 wurde im Münchner Kunstareal das Museum Brandhorst in einem markanten Bau der Berliner Architekten Sauerbruch Hutton eröffnet. Anlässlich des zehnten Geburtstags des Museums ist noch bis April 2020 die Ausstellung „Forever Young – 10 Jahre Muse-um Brandhorst“ zu sehen. Im Fokus steht vor allem die Pop Art, und zwar gerade die oft übersehene, politische Variante dieser prägenden Kunstrichtung der 1960er Jahre. Weiter spannt die Ausstellung den Bogen in die Gegenwartskunst. Auch heute noch wichtige Künstler der 1990er Jahre wie Wolfgang Tillmans, Seth Price oder Alexandra Bircken sind mit ihren Interpretationen popkultureller Phänomene vertreten. Zentrale Figur der abwechslungsreichen Schau ist aber Andy Warhol, von dem das Museum Brandhorst die europaweit größte Sammlung   besitzt. Mit eher düsteren Arbeiten des Malers Ed Ruscha oder des Fotografen Richard Avedon arbeitet die Schau aber auch gegen das weit verbreitete Klischee der nur knallig-bunten, und daher angeblich inhaltsleeren Pop Art an.

www.museum-brandhorst.de

 

Als der US-Amerikaner Charley Ahearn im Jahr 1982 seinen Kultfilm „Wild Style“ drehte und damit die Hip-Hop-Szene weltweit berühmt machte, waren die Street Artisten Cowboy 69 und WON ABC noch Teenager. Die beiden bayerischen Sprayer sind inspiriert von diesem Film, in dem frühe Hiphop-Größen wie Fab 5 Freddy, die Rock Steady Crew und Grandmaster Flash mitspielten und dessen prägnanter Schriftzug von dem legendären New Yorker Graffiti-Künstler Zephyr stammt. In der Aus-stellung „REVOLTE! Creative Urban Art“ in der Schwelhalle Balingen in Baden-Württtemberg sind noch bis zum 8. September Graffiti-Arbeiten von Cowboy 69 und WON ABC zu sehen. In die von einem Lern- und Veranstaltungsprogramm begleitete Aus-stellung integriert ist auch ein Film über Leben und Werk der beiden Künstler, die in den 1980er Jahren als Sprayer begannen und 1988 den „Art Bombing Clan“ gründe-ten, eine der ersten Graffiti-Sprayer-Crews in Deutschland. Auch wenn Cowboy 69 und WON ABC jetzt bereits zu den bewunderten Veteranen der Szene gehören, arbeiten sie weiter aktiv sowohl im Straßenraum als auch als Leinwand-Maler, Zeichner und Tattoo-Künstler.

www.revolte.art

 

Der mythenumwobene Londoner Künstler Banksy ist einer der bekanntesten Vertreter der Urban Art. Für manche ist dies die zukunftsträchtigste Kunstrichtung des 21. Jahrhunderts: jenseits nationaler Schranken und kultureller Unterschiede, aktiv im Stadtraum, medial äußerst beachtet. Auch der internationale Kunstmarkt hat schon reagiert. Spätestens seit der Jahr-tausendwende sind Arbeiten der Urban Art auf Auktionen und in Galerien sehr gefragt. Ehemals im Untergrund und am Rande der Legalität agierende Graffiti-Sprayer arbeiten plötzlich auf Leinwand und erzielen Höchstpreise. Noch bis zum 3. November ist die „5. UrbanArt Bienna-le®2019 unlimited“ auf dem Gelände der Völklinger Hütte im Saarland zu sehen. Über 100 Künstler aus vier Kontinenten zeigen auf einem Parcours von 100.000 Quadratmetern 120 Werke der aktuellen Urban-Art-Szene. Diese alle zwei Jahre auf der UNESCO-Welterbestätte statfindende Veranstaltung gilt als größtes Urban-Art-Projekt der Welt. Über 400.000 Menschen haben die Biennalen seit 2011 gesehen.

www.voelklinger-huette.org

 

Marlene Dietrich trifft auf Charlie Chaplin. In der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ist noch bis zum 15. September die Ausstellung „Hollywood Icons“ mit Foto-grafien aus der John Kobal Foundation zu sehen. Die mehr als 200 glamourösen, überwiegend schwarz-weißen Aufnahmen von Hollywood-Helden wie James Dean, Humphrey Bogart oder Sophia Loren stammen aus der Sammlung des in Österreich geborenen britischen Journalisten, Schriftstellers und Filmhistorikers John Kobal (1940-1991). Sie entstanden als Porträt- und Standbildfotografien am Set und hinter den Kulissen in der Filmstadt Los Angeles und stammen zum Teil von damals noch unbekannten Fotografen. Einige Bilder sind zu wahren Ikonen der Hollywood-Fotografie geworden wie etwa die Aufnahme des jungen Nachkriegs-Stars Marion Brando auf einem blank geputzten Motorrad, die Mütze keck ins Gesicht geschoben. Die meisten Fotografien der Ausstellung stammen aus der Goldenen Ära Hollywoods, als bekannte Gesichter wie Judy Garland, Fred Astaire oder Elisabeth Taylor die Kinoleinwände bevölkerten. Für Fans der kalifornischen Filmgeschichte ist „Hollywood Icons“ also geradezu ein Must.

www.ludwiggalerie.de