Demokratisierung von Kunst

Ottmar Hörls Kunst in Ulm und in Stuttgart / Von Kathrin Albrecht


Ottmar Hörl, „Mensch Albert!“, Großskulptur in Ulm. Foto:  Cornelius Bierer


Eines der entscheidenden und charakteristischen Merkmale von Ottmar Hörls Kunst ist, dass sie sowohl im musealen, öffentlichen als auch im privaten Bereich bestehen kann. Bekannt sind vor allem seine radikalen Konzepte und Großprojekte, mit denen er in vielen Städten und Ländern die Aufmerksamkeit einer breiten Masse erregt. Hörl erweitert damit auf beispiellose Weise den Skulpturenbegriff. Sein erklärtes Ziel ist es, die Kunst näher an die Menschen heranzubringen. Und dieses setzt er ohne Zweifel um. Aktuell sind einige seiner Arbeiten in Ulm zu sehen. So hat er dort unter anderem eine seiner großflächigen, interaktiven Skulpturen-Installationen auf dem Münsterplatz positioniert. Parallel dazu zeigt das Museum Ulm eine umfassende Ausstellung mit aktuellen Malereien, Skulpturen und Fotokonzepten Ottmar Hörls. Unter dem Titel „Ottmar Hörl – Mensch Albert“ bevölkern 500 Einstein-Statuen die Stadt. Für Ulm beginnt mit der Aktion eine intensive Ausei-

nandersetzung mit dem berühmten Sohn Albert Einstein, dessen Geschichte dort am 14. März 1879 begann. Und auch für den Künstler war es eine Auseinandersetzung mit einer historischen Person, die über die Skulpturen hinaus zu beeindruckenden Malereien und Fotografien führte. In den Arbeiten Hörls, die im Museum Ulm gezeigt werden, befasst sich der Künstler inhaltlich mit Forschungsinteressen des revolutionären Physikers. Er thematisiert darin beispielsweise dessen Faszination für den Weltraum und das Potenzial der menschlichen Fantasie. Die Werke handeln unter anderem von Dunkler Materie und Asteroiden. Im Rahmen der Schau werden zudem ausgewählte Briefe von Albert Einstein gegenübergestellt. Die beiden gleichzeitig stattfindenden Konzepte in Ulm geben somit spannende Einblicke und bauen Brücken zwischen Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft. Die künstlerische Intervention Hörls, die auf dem Münsterplatz zu sehen ist, steht unter dem Titel „Einstein für alle!“. Äußerst passend, denn mit dieser Vielzahl aus Einstein-Skulpturen kann wirklich jeder, im wahrsten Wortsinn, in Berührung kommen. Nachdem das Projekt am 3. Juni zu Ende geht, werden die Figuren ihren Weg in den privaten Raum finden, denn dann können diese Kunstwerke von der Bevölkerung zu moderaten Preisen gekauft werden – von 300 Euro unsigniert bis zu 600 Euro mit Signatur. Somit tragen die Bürger zur nachhaltigen visuellen Präsenz Einsteins in Ulm bei. Es ist unter anderem diese Tatsache, mit der der Künstler zur Demokratisierung der Kunst beiträgt.  



Eine etwas längere Laufzeit hat eine weitere aktuelle Ausstellung von Ottmar Hörl, die aktuell in Stuttgart zu sehen ist. Noch bis zum 15. Juni präsentiert dort die Galerie Abtart unter dem Titel „Flow“ Malerei und Fotokonzepte des Künstlers. Anders als diejenigen, die im Museum Ulm zu sehen sind, befassen sich diese jedoch nicht mit eher außerweltlichen Dingen, sondern sind vielmehr abstrakt. Dennoch erinnern die gegenstandslosen Malereien an pflanzliche Strukturen. Sie zeigen schier unendliche, dynamische Linien, die sich nicht nur über das gesamte Bild erstrecken, sondern scheinbar sogar darüber hinaus wachsen. Die vielschichtigen und tiefen Sujets ziehen den Betrachter förmlich in ihren Bann und regen diesen an, den bewegten Schlingen auf den Grund zu gehen, sie mit dem Auge zu verfolgen und einzuordnen. International bekannt ist Ottmar Hörl eher für seine dreidimensionalen Arbeiten. Die Malerei ist ein Medium, mit dem sich der Künstler von Beginn an bereits mit großer Intensität auseinandersetzt und neue Methoden entwickelt hat. Und auch in dieser Disziplin wird Hörls bildhauerischer Zugang deutlich, den er als „ein sich über und durch den Raum definierendes Organisationsprinzip“ versteht. Sein malerisches Œuvre ist ebenso wie das skulpturale – innovativ, frisch und konsequent. So auch die für Hörl ebenfalls kennzeichnenden Fotokonzepte. In der Stuttgarter Schau wird auch von diesen eine Auswahl gezeigt. In seinen Fotokonzepten, in denen er auf die individuelle Handschrift eines Künstlers verzichtet, lösen sich Landschaften in Farbstrudel auf. Auch hier entsteht diese unvergleichbare Bewegung und Dynamik, die auch seine Malerei aufweist. Den Betrachter verliert Ottmar Hörl dabei niemals aus den Augen, denn schließlich soll seine Kunst nicht ausgrenzen sondern, im Gegenteil, sie soll verbinden. 


Ottmar Hörl – Mensch Albert 

Skulpturen-Installation

bis 3.6.

Münsterplatz Ulm

 

Ottmar Hörl – Mensch Albert 

Ausstellung 

bis 3.6.

Museum Ulm

Marktplatz 9

89073 Ulm 

Mo-Sa 9.30–18 h

www.museumulm.de

 

Ottmar Hörl – Flow 

bis 15.6.

Galerie Abtart 

Rembrandtstraße 18

70567 Stuttgart

Di-Fr 14-19 h

www.abtart.com