Cross-Collecting und Eklektizismus

Die Brafa 2019/ Von Marianne Hoffmann


Gilbert & George, „Handball”, 2008 (courtesy Gilbert & George, White Cube and Albert Baronian)

 


Wer interessiert sich heute noch für die Geschichte der Brafa, die immerhin als die älteste Kunst- und Antiquitätenmesse der Welt gilt. Die erste BRAFA fand 1956 in der Arlequin-Halle der Louiza Galerij als Initiative von Charles Van Hove, viele Jahre Präsident des belgischen Antiquitätenverbands, und Mamy Wouters, seiner Vizepräsidentin, statt. Die erste belgische Antiquitätenmesse oder „Foire des Antiquaires de Belgique“, wie sie damals hieß, hatte Grosvenor House in London und Prinsenhof in Delft zum Vorbild und war die Vorgängerin der Messen in Paris, Florenz und München. Mit dem wachsenden Erfolg der Messe und der steigenden Zahl der Teilnehmer wuchs der Bedarf nach einer Ausstellungshalle, die dieser Entwicklung gerecht wurde. Auch die Zahl der Ausstellungsobjekte wurde immer größer. Zwischen 1967 und 2003 fand die Messe im Brüsseler Palais des Beaux-Arts statt. Bis 1994 jedoch waren nur Händler zugelassen, die Mitglied belgischen Antiquitätenverbands waren: Die Messe blieb ein nationales Ereignis. Die Zahl der Aussteller im Palais des Beaux-Arts variierte zwischen vierzig und fünfzig. Erklärtes Ziel der Antiquitätenmesse ist es bis heute, die Qualität der Aussteller jedes Jahr zu steigern und zugleich den individuellen Charakter der Messe, ihren Eklektizismus und sympathischen Ruf zu erhalten. Während die Messe immer internationaler wird, wächst auch die Zahl der Aussteller von moderner und zeitgenössischer Kunst. 2009 wurde die Messe schließlich in „Brafa – Brussels Antiques & Fine Arts Fair“ umbenannt, um dem breiteren Konzept der Messe gerecht zu werden. Die BRAFA befindet sich seit 30. September 2009 unter dem Schutz Ihrer Majestät der Königin Paola. 2014 wurde das Messekonzept noch einmal weitgehend überarbeitet und ‚Brafa-Brussels Art Fair‘ als neuer Name etabliert. Seit 2012 ist Harold t‘Kint de Roodenbeke Präsident der Brafa. Er hat schon als Aussteller den langen Weg vom Musée des Beaux Arts bis hin zum renommierten Ausstellungsgebäude Tour&Taxis mitgemacht, und die Zeiten miterlebt, als der alte Bau in seiner Bausubstanz marode war und flüchtig soweit hergerichtet wurde, bis er sich so edel zeigt wie heute. Löcher in den Fußböden wurden mit Teppichen zugedeckt, leider hielt das nicht immer und so wurden die Ehrengäste dann halt mit Beinbruch begrüßt.  All das ist lange her und von einer einst nur für Belgien interssanten Messe reisen heute Sammler und Kunstliebhaber aus der ganzen Welt nach Brüssel, dank auch der hervorragenden Pressearbeit von Bruno Nélis, der die größten Zeitungen der Welt zur Berichterstattung gewonnen hat. Nun bereiten sich die Galeristen auf 2019 vor, horten oder suchen noch nach marktfrischer Ware, die, die noch nicht auf einer Messe zu sehen waren. Aus Deutschland sind fünf Galerien dabei, wobei die Galerie Eberwein, die für Raritäten aus Ägypten und archäologische Besonderheit steht, schon ein Urgestein der Brafa ist. Antonia Eberwein, Tochter von Roswitha Eberwein, der Grande Dame der antiken Kunst, beklagte sich schon vor Jahren über das neue Kulturgüterschutzgesetz, das so viel Papierkram aufwerfe und dafür sorgen werde, dass nur noch große Dinge mitgenommen werden könnten. Obwohl die Göttinger Adresse noch auf dem Papier existiert, hat sich die Galerie Eberwein nach Paris zurückgezogen. Die Galerie Brenske aus München wartet mit russischen und griechischen Ikonen, auf aber auch mit moderner Kunst. Die Brafa hat immer eine große russische Klientel angezogen, aber auch die vermögenden und traditionsbewussten Flamen, sind seine Klientel. 


Impression der Brafa 2018 ( © Fabrice Debatty)


Ebenfalls aus München kommt die Galerie Röbbig, sie gehört zu den 16 Neuzugängen auf der Brafa 2019. Nicht nur in Deutschland wurden von der Kunsthandlung Röbbig im Laufe der Jahre Sammlungen - alte und neuere, kleine wie spektakuläre - diskret als Ganzes oder in Teilen aufgelöst. Kunstgewerbe, Möbel, Gemälde und immer wieder Porzellane des 18. Jahrhunderts mit Provenienzen wie Pannwitz oder Rothschild, des Hochadels und Mittelstandes querten das kleine Ladengeschäft in der Münchener Prannerstrasse. Ausgewählte Raritäten kommen nun nach Brüssel. Die Galerie aus Frankfurt konnte gerade in ihren Frankfurter Räumlichkeiten mit einer großen Cobra-Ausstellung reüssieren, sie wird auf der Brafa einen repräsentativen Querschnitt ihrer Kunst des 20.Jahrhunderts präsentieren. Und der Fünfte im Bunde ist die Galerie  Günter Puhze, die  1975 gegründet wurde. Sie ist auf den Handel mit ägyptischer, griechischer und römischer Kunst der Antike spezialisiert. Stolz blickt die Messe auf 16 Neuzugängen, Röbbig aus München eingeschlossen. Der überwiegende Teil kommt aus Großbritannien und Frankreich, aber auch eine russische Galerie, einige aus den Niederlanden, der Schweiz, Italien und mal wieder aus den USA, sind der Einladung der Messeleitung gefolgt. „Wir sind jedes Jahr sehr stolz auf die Bekanntgabe unserer Teilnehmer“, meint Harold t’Kint de Roodenbeke, Vorsitzender der Brafa, der gerade wieder in seinem Amt bestätigt wurde. „Denn sie sind der beste Beweis dafür, dass die Brafa  gesund ist und attraktiv bleibt. Mit rund sechzehn neuen Namen stabilisiert sich die durchschnittliche Teilnehmerzahl früherer Ausgaben in einem optimalen Verhältnis. Wir sind in der Lage, frischen Wind wehen zu lassen, ohne die Ausgewogenheit zwischen den Fachgebieten und das Gesamtgefüge zu stören. Ich denke, dass wir unseren Besucherinnen und Besuchern eine gewisse Beständigkeit bieten durch diejenigen Galerien, die der Brafa seit Jahren treu sind und auf die sie sich freuen, abgerundet durch neue Elemente. Auf diese Weise kann die Brafa ihre Stärken wahren und zugleich offen sein für Veränderung.“ In jedem Jahr geht es um die Besucherzahlen, die 2018 schon 65.000 betrug, und natürlich will man diese Zahl in 2019 wieder toppen. Ein Garant dafür ist immer der Ehrengast, die besondere Show, die die Messe einem oder mehreren Künstlern gewährt. Das Werk heißt „Three Store Fronts“ und war seit Mitte der 60er Jahre erst zweimal ausgestellt. Nach den Niederlanden und Deutschland war die Installation des Verpackungskünstlers Christo 2018 erstmals in Brüssel zu sehen. Er war als Ehrengast des jährlich stattfindenden Events eingeplant. Christo und das Werk, das mit 14 Metern Länge und 2,5 Metern Höhe, die größte Arbeit ist, die je auf der Messe ausgestellt wurde, füllte damals schon seit Wochen die Seiten der Fachpresse. Doch zur Eröffnung der 63. Brafa fehlte der Ehrengast. In diesem Jahr sind das britische Künstlerduo Gilbert & George Ehrengäste der Brafa. Als Performance-Künstler bekannt geworden, erlangten Gilbert & George weltweite Berühmtheit durch ihre großformatigen Fotomontagen in intensiven Farben, häufig mit einer schwarzen Gitterfläche im Stil historischer Kirchenfenster versehen und zeitgenössisch umgesetzt. Gilbert & George schöpfen ihre Inspiration aus dem Alltag und liefern seine metaphysische, mystische und polemische Version, stets mit einer Prise englischen Humor und einer Botschaft. Bei der Brafa zeigen Gilbert & George verteilt auf die gesamte Ausstellungsfläche fünf großformatige Werke aus den Jahren 2008 bis 2016. Ihre unkonventionelle Sichtweise wird im Land des Surrealismus und des Comics sicher auf Anklang stoßen. Eines zeichnet die Brafa im Besonderen aus. Sie zollt der Veränderung hinsichtlich der Art und Weise, wie Kunst gesammelt und gekauft wird, Respekt  Die Brafa  kommt dem Trend des Cross-Collecting entgegen, indem sie nicht in Abteilungen unterteilt ist. Vielmehr führt sie unterschiedliche Fachrichtungen und Genres in einem ausgewogenen Mix zusammen, häufig auch auf einer einzigen Standfläche. Der Eklektizismus, ein Grundprinzip de Brafa, wird wieder neu angedacht.

 


BRAFA Art Fair

26.1. bis 3.2.19 

Tour & Taxis

Avenue du Port 88

B-1000 Brüssel

Belgien

 

www.brafa.art