Beziehung zwischen Mensch        und Natur

Das Photo-Festival La Gacilly-Baden Photo 2018 zeigt, wie sich unsere Welt verändert, und welchen Anteil der Mensch daran hat / Von Alex Jakubowski


Impression des Photo-Festivals La Gacilly-Baden mit Werken von Tim Flach 


Wie können wir wieder eine Beziehung herstellen zwischen den Menschen und der Natur?“, fragt der englische Fotograf Tim Flach. Seine Antwort: Tierporträts, die wirken, wie Fotos von Menschen. „Wenn wir diese Bilder ansehen, fragen wir uns, ob und was die Tiere denken? Haben sie ein Bewusstsein?“ Und: Sie werfen einen Spiegel auf uns selbst zurück. Wie gehen wir eigentlich mit Tieren um?

Seine Aufnahmen werden in Baden bei Wien auf besonders exponierte Art gezeigt: auf schwimmenden Pontons, mitten auf einem Teich, im berühmten Rosarium von Baden bei Wien. 26 000 Einwohner zählt der Ort, der noch bis zum 30. September Fotos von 34 der besten Fotografen der Welt ausstellt. 

Darunter sind auch die Fotos von Phil Hatcher-Moore. Er präsentiert zerstörte Landschaften – Landschaften auf einem Atomtestgelände in der kasachischen Steppe nahe der Stadt Semipalatinsk. Es ist die einzige Fotoreihe, die nicht im Freien gezeigt wird, sondern in einem der ältesten Gebäude der Stadt, einem denkmalgeschützten Bau, der mangels Geld langsam zerfällt. Ruinen in einer Ruine also. Der muffige Geruch in dem alten österreichischen Gemäuer unterstützt den Eindruck einer durch und durch maroden Gegend in Kasachstan.

Schwimmende Tierporträts im Park, die Geister des Nuklearzeitalters, immer wieder das Thema Afrika und vor allem das Leitmotiv: Der Mensch und seine Umwelt – überall in der Biedermeierstadt verteilt, großformatig auf Häuserwänden oder auf Stelen im Park und am Straßenrand. 

Rund 2000 Fotos stellt das Städtchen Baden bei Wien in einer Kooperation mit dem Festival La Gacilly in Frankreich aus. 14 Mal bereits zeigten die besten Fotografen der Welt ihre Werke dort. Festival-Direktor Lois Lammerhuber hat die Veranstaltung in seine Heimatstadt geholt und in weniger als einem Jahr auf die Beine gestellt. 

 



„Wir werfen Fragen auf. Wie gehen wir mit unserer Umwelt um? Das Festival zeigt, was es bedeutet, sich um die Welt, in der wir leben, zu kümmern“, sagt der Direktor, der selbst zu den besten Fotografen der Welt zählt und in Baden einen renommierten Fotobuch-Verlag gegründet hat. „Die Gärten, Gässchen und Plätze meiner Heimatstadt werden durch die Bilderzählungen, die wir ausstellen, zu einem Gesamtkunstwerk“, so Lammerhuber nicht ohne Stolz.

Zudem legt er Wert darauf, das Festival als europäische Veranstaltung einzuordnen: „La Gacilly liegt nicht weit entfernt von der Atlantikküste, Baden liegt nahe dem ehemaligen Eisernen Vorhang. Wir umschließen also das, was das sogenannte Kerneuropa ausmacht. Vielleicht können wir ja schon im kommenden Jahr den Blick in den Osten werfen, denn was dort an Fotografie stattfindet, ist ebenfalls hochinteressant.“

Aber zurück zum aktuellen Festival in Baden. Es ist in der Tat ein kleines „who is who“ der Fotografenszene, das sich dort versammelt. Pascal Maitre etwa zeigt seine „Afrikanischen Visionen“, die er seit 35 Jahren fotografiert. Er wirft seinen eigenen Blick auf die politischen und sozialen Umbrüche in dem Kontinent und holt die unbekannten Akteure auf der Bühne der Welt-Nachrichten hervor.

Joel Sartore beeindruckt mit seiner fotografischen Arche. Dort verewigt er jede vom Aussterben bedrohte Art durch seine Abbildung. 12 000 Tierarten sollen am Ende darin enthalten sein. Ein Projekt, das er für das Magazin National Geographic umsetzt, und das bislang zur Hälfte erfüllt ist.

Emanuele Scorceletti zeigt schwarz-weiße Inszenierungen von majestätischen Pferden. Eine Auftragsarbeit, mit der sich der Fotograf an ein anderes Genre heranwagt, war er bislang vor allem wegen seiner Aufnahme von Sharon Stone auf dem roten Teppich von Cannes berühmt.

Brent Stirton führt uns vor Augen, dass der Mensch schuld ist an der Ausrottung vieler wilder Tiere. Er dokumentiert seit 2008 die Wilderei, „den unsichtbaren Krieg, der Afrika ausbluten lässt“, wie es im Ausstellungskatalog heißt. 

Aber es sind vor allem die Arbeiten der Fotografen aus Afrika und die Fotos zum Thema Afrika, die zeigen, wie es um unsere Erdkugel bestellt ist. Der in Düsseldorf lebende Nyani Quarmyne etwa zeigt, wie Häuser an der Küste Ghanas vom Sand verschluckt werden und die Bewohner nur hilflos danebenstehen können. Der Fotograf veranschaulicht den Klimawandel auf drastische Weise. 

 

Aber natürlich sind noch viel mehr Fotografien zu sehen. Viele der gezeigten Bilder stehen in extremem Kontrast zu ihrer Umgebung. Ein beschaulicher Park, pittoreske Gässchen, ein Ort im Dornröschenschlaf. Und dann die vielen Fotos mit ihrer Ausdruckskraft und Dramatik. Wer sich auf den Bild-Spaziergang einlässt, kann genau diese Gegensätze entdecken, manchmal auch an überraschenden Orten – ein Festival-Plan hilft bei der Suche.


Festival La Gacilly-Baden Photo 2018 

8.6. bis 30.9.

Badaen bei Wien

Eintritt frei 

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