Preisgekrönt und außergewöhnlich

Das Sprengel Museum Hannover hat einiges zu bieten / Von Kathrin Albrecht

Links: Sprengel Museum Hannover, Außenansicht (Foto: Herling / Gwose / Werner, Sprengel Museum Hannover)

Rechts: Robert Michel, „Schützenfest“, 1920/21, Sprengel Museum Hannover, Nachlass Robert Michel und Ella Bergmann-Michel

(© VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum Hannover)


Es gilt als eines der bedeutendsten Zentren der Kunst der Moderne in Deutschland – das Sprengel Museum. Unter der Leitung von Reinhard Spieler zeigt das Haus, das in Hannover in unmittelbarer Nähe zum Maschsee gelegen ist, regelmäßig international gewürdigte Sonderausstellungen. Darüber hinaus verfügt das Sprengel Museum über eine beachtliche und renommierte Sammlung. Die herausragende Arbeit der Museumsverantwortlichen wurde im vergangenen Jahr mit einer besonderen Auszeichnung gewürdigt. 2017 erhielt das Haus nämlich von Kunstkritikern der deutschen Sektion des internationalen Kunstkritikerverbandes (AICA) den Titel des Museums des Jahres. Dass dies eine angemessene Ehrung war, wird nicht zuletzt bei einem Blick in die Ausstellungstätigkeiten sowie die Sammlungsgeschichte der Institution deutlich. 

Begonnen hat die Geschichte im Jahr 1969, als Margit und Bernhard Sprengel der Stadt Hannover weitestgehend ihre umfangreiche Kunstsammlung überließen und damit sozusagen den Grundstein für ein neues Museum lieferten. Bernhard Sprengel, ein erfolgreicher Schokoladenfabrikant, unterstützte den Bau des Museumsgebäudes sogar mit einem Zehntel des Baupreises. Zu der Sammlung Sprengel – die der Namensgeber auch nach der Eröffnung des Hauses weiter ausbaute und dem Museum zur Verfügung stellte – gesellten sich weitere wichtige Werke des 20. Jahrhunderts aus den Besitztümern der Stadt Hannover sowie des Landes Niedersachsen. Dieses erstaunliche und hochkarätige Konvolut trug schlussendlich dazu bei, dass das Haus zu den wesentlichsten Museen für die Kunst der Moderne zählt. 

In den Sammlungen vertreten sind beachtliche Werkgruppen beispielsweise von Paul Klee, Max Beckmann, Pablo Picasso und Emil Nolde. Aber auch Arbeiten von wichtigen Künstlergruppen wie Die Brücke und Der Blaue Reiter. Durch die ständige Erweiterung der Sammlung und das Hinzukommen von Werken wesentlicher Strömungen der Kunst nach 1945 hat sich das Museum auch im Bereich der Kunst des 21. Jahrhunderts einen viel beachteten Namen gemacht. 

Ein weiterer Sammlungsschwerpunkt ist – neben dem deutschen Expressionismus und der französischen Moderne – eine Kunstrichtung, die andernorts häufig nur als Nebenschauplatz betrachtet wird: die Grafik. Das Sprengel Museum verfügt nämlich über einen reichen Bestand an Kunstwerken auf Papier. Und für diesen hat es auch einen passenden und unter konservatorischen Gesichtspunkten exzellenten Rahmen geschaffen. Die Grafische Sammlung des Sprengel Museums ist nicht nur international bekannt und bewundert, sie wurde auch in vielen Ausstellungskonzepten präsentiert und gegliedert. Ein weiteres Highlight der Museumsarbeit ist das Kurt Schwitters Archiv. Dieses wird vom Sprengel Museum seit 1994 beherbergt. Hier findet sich ein Werkverzeichnis des gesamten künstlerischen Schaffens des in Hannover geborenen bedeutenden Künstlers. Dieser wiederum war ein guter Bekannter des Künstlerpaars Ella Bergmann-Michel und Robert Michel. Diese Pioniere der Bildcollage zählen zu den Kunstschaffenden der avantgardistischen Moderne. Die Bilder und Collagen des Duos sind ein Verbund von dadaistischen und konstruktiven Tendenzen, die es sich scheinbar zum Ziel gesetzt haben, Kunst, Technik und Natur zu vereinen. Der Nachlass dieses Künstlerpaares befindet sich als Leihgabe seit 1988 ebenfalls in der Kollektion des Museums. Aktuell (bis 2. September) zeigt das Sprengel Museum unter dem Titel „Ella Bergmann-Michel und Robert Michel. Ein Künstelpaar der Moderne“ eine beeindruckende Schau mit den innovativen Werken der Beiden. Ab dem 13. Juni wird parallel dazu, auch bis zum 2. September, die als mehrteilige Reihe konzipierte Ausstellung „Kleine Geschichte(n) der Fotografie“ zu sehen sein. Das erklärte Vorhaben der Ausstellungsreihe ist die Erstellung eines Glossars, welches den Umgang mit neuerer künstlerischer Fotografie thematisiert. Dabei wird in einer extravaganten Präsentationsform bekannte, aber auch weniger bekannte Fotografie der letzten Jahrzehnte exemplarisch gezeigt. Ebenfalls zeitgleich, jedoch am 23. Juni beginnend, ehrt das Sprengel Museum zudem den Träger des Kurt-Schwitters-Preises der Niedersächsischen Sparkassenstiftung 2017 Theaster Gates mit einer Schau. Gates erschafft für diese Ausstellung im Skulpturenhof sowie in der Oberen Sammlung ortsbezogene Arbeiten mit Bezug auf das Themenfeld der Schwarzen Madonna. Dabei wird er Bezug auf ausgewählte Werke der Sammlung des Sprengel Museums sowie dem von ihm angekauften Bildarchiv des 50er-Jahre-Magazins „Ebony“ und andere Referenzen nehmen. 

Weitere aktuelle und in Kürze folgende Projekte, Schauen und Initiativen unterstreichen die Bedeutung des Museums für die deutsche Kunstlandschaft und haben dem Haus zu Recht einen brillanten Ruf beschert.