Von Banksy bis Warhol –  von Wallpainting bis Bananenkult

Aktuelle Ausstellungen zum Thema Pop- und Urban Art/ Von Elena Zompi


Links: Miles Aldridge, „New Utopia 3”, Fotografie, Galerie Frank Flügel

Rechts: Ausstellung „Andy Warhol – Pop goes Art“ im MAKK (Foto: © Jan Rothstein)


Die Begriffe Pop- und Urban Art stehen für bunte und gesellschaftskritische Kunstwerke. Beide stellen einen neuen Blick auf die Kunst dar – die Pop-Art seit den 1950er- Jahren, wohingegen die Kunstrichtung Urban Art ein Kind des späten 20. Jahrhunderts ist und von anderen Ansätzen ausgeht. ZEITKUNST stellt Ihnen im Folgenden aktuelle Ausstellungen zu den beiden Kunststilen vor.

Die Zeit schrieb einmal über ihn, er liebe das Grelle und Überzeichnete und zelebriere einen „Kult um die Künstlichkeit“. Die Rede ist von dem britischen Fotografen Miles Aldridge. Seit den 1990er-Jahren arbeitet er als Fotograf, unter anderem für die Vogue, Harper`s Bazaar, GQ, The New Yorker, The Face und der New York Times. Zudem hat er für Modedesigner wie Lagerfeld und Armani fotografiert und Werbeaufnahmen für zahlreiche Labels gemacht. Als wohl bekannteste künstlerische Einflüsse lassen sich die Filmregisseure David Lynch und Federico Fellini nennen sowie das graphische Design seines Vaters Alan, der Plattencover etwa für The Who und Elton John entworfen hat. Die Portrait- und Modefotografie von Aldridge weist eine charakteristische grelle Farbigkeit auf. Aldridge inszeniert seine Models und Settings bis hin zu Künstlichkeit und Parodie. Damit stellt er die scheinbare Perfektion seiner Models sowie das unrealistische Frauenbild aus Werbung und Modewelt in seinem Werk immer wieder in Frage. In der Nürnberger Galerie Frank Flügel können Aldridges Fotografien nun unter dem Ausstellungstitel „Miles Aldridge – Dazzling beauty“ betrachtet werden. Die Schau dauert noch bis zum 22. Dezember.
www.frankfluegel.com

Beim Thema Pop-Art darf auch James Francis Gill nicht fehlen. Er gilt als einer der letzten noch lebenden US-amerikanischen Pop Art Künstler der ersten Stunde. Internationale Anerkennung erlangte er im Jahr 1962, als das Museum of Modern Art in New York sein dreiteiliges Marilyn Monroe-Bild „Marilyn Triptych“ in seine Sammlung aufnahm. Fünf Jahre später gelang ihm dann der internationale Durchbruch. Die Biennale von São Paulo zeigte seine Kunstwerke zusammen mit Künstlern wie Andy Warhol und Edward Hoppe. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere, Anfang der Siebziger, zog sich Gill zunächst zurück. Etwa 30 Jahre später beginnt Gills späte kreative Phase, in der er sich – im Gegensatz zu den im frühen Werk dominierenden politischen Motiven – wieder verstärkt auf die Darstellung klassischer Pop Art-Ikonen wie John Wayne, Paul Newman oder Marilyn Monroe konzentriert. Die Kunst von James Gill ist heute eine Verschmelzung von Realismus und Abstraktion. Fotos sind weiterhin Grundlage seiner Kunstwerke. Die Bildkomposition seiner Gemälde legt er nun im Computer fest und arbeitet dabei bewusst mit Montageeffekten, die er als „Metamage“ oder „Mixed Media“ bezeichnet.
www.jamesfgill.com

Eine spannende Mischung aus Pop- und Urban Art stellt die Ausstellung „Crossover“ in der Münchener Galerie Kronsbein dar. Auf 170 Quadratmetern zeigt die Galerie einen Mix aus diesen beiden Stilrichtungen – vierteljährlich mit wechselndem Schwerpunkt auf zwei Künstlern. Im Mittelpunkt der aktuellen Präsentation stehen der britisch-amerikanische Künstler Russel Young und der französische Streetart-Künstler Invader.
Aber auch Werke von Street Art Künstler Bansky oder Warhol sind bis 6. Dezember zu bestaunen. Schon in der Vergangenheit hatte die Galerie immer wieder Werke aus den Bereichen Pop- und Urban Art ausgestellt – von Banksy, über Bambi, Stick und Veneziano bis hin zu Blek le Rat.
www.galeriekronsbein.com

Am Museumsplein in Amsterdam, nahe des Stedelijk Museums, Van Gogh Museums, Diamanten-Museums und Rijks-Museums, befindet sich seit 2016 das Moco Museum. Schon die Architektur des Hauses an sich ist eigentlich einen Besuch wert. Die Villa Alsberg wurde 1906 zur Blütezeit des Jugendstils errichtet und beeindruckt sowohl von innen als auch von außen. Das Interesse des Moco Museums gilt hauptsächlich den radikalen Anführern und Influencern neuer Kunstformen wie Street-Art und Pop-Art. Die Sammlung umfasst moderne und zeitgenössische Kunst mit einer einzigartigen Auswahl des Street-Art-Künstlers Banksy. Sowohl Banksys „the girl with Balloon“, „Laugh now“ als auch „keep it real“ werden dort ausgestellt. Zurzeit werden dort neben den Werken von Banksy auch Arbeiten der iranischen Brüder Icy und Sot präsentiert. Ihre Werke spiegeln Problematiken der iranischen Gesellschaft wieder und werden daher dort nicht nur als kontrovers bezeichnet, sondern sind sogar verboten. Die beiden Ausstellungen laufen noch bis zum 15. Januar 2019.
mocomuseum.com



2017 eröffnete das erste Streetart-Museum Berlins in Schöneberg, das Urban Nation. Das bereits bestehende Gebäude wurde nach innovativen Plänen des Architekturbüros Graft zum Museum umgestaltet. Im Gegensatz zu einem konventionellen Museum werden Architektur und Oberflächen des Gebäudes zum Bildträger, das Haus selbst zum Kunstwerk. Die mobilen Fassadenelemente werden erhalten und neben der klassischen Bildersammlung bewahrt. Das Museumsinnere, ebenfalls gestaltet von Graft Architekten, bietet ungewöhnliche Erfahrungen: Urban Nation verlegt die Straße buchstäblich ins Gebäude. Eine Trasse, ein Galeriesteg, die sich durch das zweigeschossige Innere zieht, ermöglicht es, die ausgestellten Arbeiten sowohl aus der Distanz als auch aus der Nähe zu betrachten. Ein Jahr nach der Eröffnung zeigt dies nun die Schau „understand – the power of art as a social architect“ die Entstehungsgeschichte einer Kunstströmung nach, die zu einer der erfolgreichsten der Gegenwart gehört: Urban Art. Zugleich werden elf neue Künstlerresidenzen eingeweiht, in denen die Stiftung Berliner Leben ausgewählten Künstler einen Ort zum Wohnen sowie für ihr künstlerisches Schaffen zur Verfügung stellt. Die Ausstellung beschäftigt sich mit verschiedenen Fragen, unter anderem damit, was an Urban Art fasziniert, worin der Erfolg begründet liegt, wie viel Rebellion noch in ihr steckt und wie sie sich weiter entwickelt. Gezeigt werden Exponate von mehr als 50 Künstlern aus der Sammlung des Museums. Ein Zeitstrahl erklärt den Werdegang des Museums, von der 2013 konkretisierten Vision bis hin zur Eröffnung der zweiten Ausstellung im Jahr 2018.
www.urban-nation.com

Für Thomas Baumgärtel ist die Banane nicht nur ein ideales Werkzeug Kunstinstitute „auszuzeichnen“, sondern auch Missstände anzuprangern. Helmut Kohl titulierte Baumgärtel einst nicht als „Birne“, sondern als „Banane“, und dies lange vor der Spendenaffäre, die die Bezeichnung „Bananenrepublik“ in Bezug auf Finanz- Korruptions- Umwelt- und Betrugsskandale erst salonfähig gemacht hat. Seit 30 Jahren kämpft Baumgärtel nun schon für die Freiheit der Kunst und für die freie Meinungsäußerung. Bis zum 25. November werden seine Werke nun in der Cubus Kunsthalle präsentiert.
www.cubus-kunsthalle.de

Das Museum für Angewandte Kunst Köln präsentiert mit der Ausstellung „Andy Warhol. Pop goes Art“ erstmals eine bislang unveröffentlichte Privatsammlung, die nahezu lückenlos alle von Andy Warhol gestalteten, konzipierten und produzierten Plattencover sowie zahlreiche Skizzen und Entwürfe umfasst. Zusammen mit Filmen, Hörbeispielen, Fotografien und korrespondierenden Arbeiten von Warhol dokumentiert die Ausstellung – getreu dem Titel – das Zusammenspiel der Medien Kunst und Musik.  Durch Zeichnungen, Siebdrucke, Fotografien Collagen sowie eigenwillige kalligraphische und dreidimensionale Elemente prägte Warhol die Ästhetik der zeitgenössischen Plattencovergestaltung. Gleichzeitig sind die über einen Zeitraum von rund 40 Jahren entstandenen, zum Teil in sehr hohen Auflagen erschienen Alben ein eindrucksvolles Dokument für Warhols künstlerischen Werdegang, seine Pop-Philosophie und die für sein Werk prägende Idee der seriellen Kunst. Absoluten Kultstatus hat mittlerweile das Album „The Velvet Underground & Nico“. Dieses Debütalbum der experimentellen Rockband The Velvet Underground mit der Sängerin Nico wurde von Andy Warhol produziert und im März 1967 veröffentlicht.  Das ebenfalls von ihm konzipierte Plattencover zeigt eine  Banane, deren gelbe Schale in Form eines Aufklebers gemäß des Slogans „Peel Slowly and See“ abgezogen werden kann, so dass das rosa Fruchtfleisch erscheint. 2018 jährt sich der 90ste Geburtstag Andy Warhols sowie der 80ste Geburtstag bzw. 30ste Todestag der aus Köln stammenden Musik- und Modeikone Nico die als Warhols Muse Teil der Factory war und in zahlreichen Filmen Warhols wie beispielsweise „The Chelsea Girls“ mitspielte. In der Ausstellung erinnern Fotografien und Filmausschnitte an Nico.
www.museenkoeln.de/
museum-fuer-angewandte-kunst.de

(© www.urban-nation.com)