Otmar Alt – Kunst heisst ein Zeichen setzen

Porträt über den Künstler Otmar Alt/ Von Marianne Hoffmann

Ab.: Links: Otmar Alt, „Moses und die 10 Gebote“, Mitte: Otmar Alt, „Schachkönigin“, Rechts: Der Künstler Otmar Alt


Otmar Alts Werke leben von der Farbe und der Fantasie, die aus dem Menschen Otmar Alt spricht und sich in seinen Werken ausdrucksstark niederlässt. Er vertritt den Leitgedanken „Kunst, die man erklären muss, ist langweilig“. Nach seiner Sichtweise soll Kunst nicht elitär, sondern jedem und auch jederzeit zugänglich sein. Der Betrachter soll sich die Bedeutung der Arbeiten selbst erarbeiten. Alt, der Individualist, ist keiner Gattung oder Kunstrichtung zurechenbar. Das gemeinsame Erkennungsmerkmal seiner Arbeiten ist die Experimentierfreudigkeit mit Farben, Formen, der schleichende Übergang vom Menschen zum Tier, zum Beispiel. Seine Werke sind gleichermaßen bei Jung und Alt beliebt. Malt James Rizzi im Stile der bei Kindern so beliebten Wimmelbilder, so malt Alt Alltagsszenen, verspielt und heiter auf den ersten Blick, nachdenkenswert und komplex, wenn man in die Tiefe des Werkes schaut. Geboren wurde Otmar Alt 1940 in Wernigerode im Harz. 1956 begann er mit der Ausbildung zum Schaufenstergestalter und Plakatmaler in Berlin. Dabei entspann sich in seinem Inneren ein Zwiespalt, sollte er bei dem Beruf bleiben, oder aber was anderes tun. Auf einmal wusste er es, er wollte Modezeichner werden. Somit begann er 1959 an der Meisterschule für Kunsthandwerk in Berlin mit dem vielseitigen Studium. Schon ein Jahr später wurde er an der Hochschule der bildenden Künste, ebenfalls Berlin, aufgenommen. Es wunderte niemanden, der Alt kannte, dass er bei den heute leider nicht mehr so bekannten Künstlern Walter Bergmann und Hermann Bachmann Meisterschüler wurde. Betrachtet man die Werke des Malers Otmar Alt, wird man sehr schnell zu der Erkenntnis gelangen, dass er sich am Informel entlang hangelte und daraus seine Formensprache entwickelte. „Informel ist innerhalb des 20. Jahrhunderts die Phase II der malerischen Abstraktion. Informel hat das Testament Kandinskys vollstreckt, ist jedoch nicht seine Epigone geworden. Informel wurde seine Metamorphose,“ sagte Eugen Thiemann1980, als er einen Text zu Karl Otto Götz schrieb. Jedoch hielt ihn das Abstrakte des Informel nicht sehr lange in seinem Bann. Vielmehr begann er mit dem Experiment figürlich zu werden. Er beginnt in den 1960ern mit puzzle-artigen, flächigen Teilen seine Figuren zu gestalten und ihnen poetische Titel zu geben. Schon 1967 gelang ihm mit dieser Art zu malen der Durchbruch. Ausstellungen im In-und Ausland, unter anderem in New York, bereiten ihm seinen Weg in ein angesehenes Künstlerdasein. Einer von nur 4%. Kurze Zeit später geht er in die Dreidimensionalität. Er setzt sich mit der Plastik auseinander, in Folge entstehen erste Keramiken und Bronzen. Alt möchte sich verändern, Schicksalsschläge überwinden, und so zieht er sich nach Hamm in Westfalen auf einen alten Bauernhof zurück. Ab den 90ern beginnt für Alt die Zeit der Ehrungen, angefangen bei den Freimaurern bis hin zum Bundesverdienstkreuz. Mit einem riesigen Bild von Ottmar Alt bewirbt sich das Ruhrgebiet als Kulturhauptstadt. Mutig und farbgewaltig. Otmar Alt fürchtet sich nicht davor, in der Kunstwelt zu scheitern. Er weiß, dass er mit seiner Kunst Menschen berührt, und auch als er eine Otmar-Alt-Bibel erschafft, bringt ihm das eher Ruhm als Schelte von der Kirche oder der Kunstwelt. In seinem Werk lassen sich immer wieder religiöse Motive erkennen oder mythische, die an das Werk Chagalls erinnern. Für Otmar Alt gehen Glaube und Kunst bis zu einem gewissen Punkt Hand in Hand. Otmar Alt: „Ich glaube, zeitweilig kommt die Kunst mit dem Glauben in einen guten Einklang, Kunst zu schöpfen ist wie eine Geburt. Religion und Glauben bergen viele Geheimnisse. Auch unser Leben ist nur ein Versuch.“ Überhaupt: Alt mag es nicht, wenn man versucht, seine Kunst einzuordnen oder mit Werken berühmter Kollegen zu vergleichen, doch die Vergleiche drängen sich quasi auf. Und es ist schön zu sehen, dass diese Ansätze der Kollegen aufgenommen und weiter entwickelt werden, und so zu einer ganz eigenen Bildsprache finden – Otmar Alt eben. „Ich hatte eine prägende Begegnung mit dem Maler Joan Miró. Das war mein Start in das Leben der Kunst.“ Die Sujets Otmar Alts sind so vielfältig, dass sich unwillkürlich die Frage stellt, woher dieses Übermaß an Fantasie rührt. Und, woher stammt seine Liebe zu Meer und Schifffahrt? Von Hamm in Westfalen kann es nicht sein, von der Zeit in Berlin auch nicht. Dabei sind seine Hafenbilder, die er mit vielen unterschiedlichen Schiffstypen belegt, von einer ruhigen, ja beinahe langweiligen Farbgebung bestimmt. Schwarz-weiß wechselt sich mit gelb und grün, das Wasser erfährt einen Hauch von blau, da wo es notwendig scheint, Wasser zu markieren. Die Ruhe der Schifffahrtsbilder sind ein Gegenpol zur satten Farben- und Fantasiewelt des Altschen Bilderkosmos. Seit einigen Jahren, und das ist schade, findet man Otmar Alt mit seinen Porzellanarbeiten auch in Allerweltskatalogen und nicht mehr nur in ausgewählten Fachgeschäften. Aber das passt vielleicht in seine Welt, eine bunte Welt für alle.

www.otmar-alt.de