Am Puls der Zeit

Neue Positionen in aktuellen Ausstellungen im deutschsprachigen Raum / Von Katrin Neuwirth und Leila Haschtmann

Links: Nina Nowak, „o.T.”, 2018 (Foto: David Stjernholm)

Rechts: Norbert Bisky, „Langmatt”, 2018, Öl auf Leinwand, 120 x 150 cm 

(Foto: Bernd Borchard, Privatsammlung, Bamberg ©  VG Bild-Kunst, Bonn 2018)


Newcomer mit frischen Ideen, renommierte Künstler mit innovativen Arbeiten oder Kollektive von Kunstschaffenden, die den Betrachtern ihrer Werke neue Sichtweisen vermitteln wollen: Unter neuen Positionen lässt sich ein buntes Spektrum künstlerischer Kompositionen und Herangehensweisen subsumieren, die in aktuellen Ausstellungen präsentiert werden. ZEITKUNST stellt Ihnen im Folgenden einige dieser neuen Positionen im deutschsprachigen Raum vor. 

 

Der Kunstgenerator ist ein jährlich ausgelobtes Künstlerstipendium der Stadt Viersen und der New Viersen GmbH, des lokalen Energieversorgers, zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses. Seit nunmehr zehn Jahren können sich jedes Jahr Künstler aller Bereiche der Bildenden Künste, die nicht älter als 35 Jahre alt sind, bewerben. Zum Stipendium gehören die Unterbringung in einer Wohnung in der Alten Lateinschule, die Zahlung von Unterhalt, sodass die Künstler sich ganz auf ihr Schaffen konzentrieren können, sowie eine Abschlussausstellung in der Galerie am Park und die Veröffentlichung eines dazugehörigen Katalogs. Zur Feier des zehnjährigen Jubiläums veranstaltet der Kunstgenerator vom 30. September bis zum 18. November nun einen Rückblick auf das Schaffen der bisherigen Stipendiaten: Fleur Stoecklin, Stefanie Klingemann, Melanie Grocki, Katerina Kuznetcowa, Jan-Michel Harmening, Juliane Schmidt, Katja Kottmann, Lukas Schmenger, Nina Nowak und Ferdinand Uptmoor. Hierbei werden Arbeiten, die während des Stipendiums entstanden sind, aktuellen gegenübergestellt. Ab dem 2. Dezember werden in der Galerie die vornehmlich plastischen Werke der derzeitigen Stipendiatin Anna Mirbach zu sehen sein. An wen der Kunstgenerator 2019 gehen wird, hat die vierköpfige Jury auch bereits verkündet: Justyna Janetzek wird ab nächstem Jahr in Viersen leben, zeichnen und konzipieren.

www.kunstgenerator.de

 

Innovative, improvisierte und überraschende Objekte und Installationen an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft stehen im Mittelpunkt der vom 8. September bis 8. Dezember dauernden Ausstellung „Neue urbane Produktion” in der Leipziger Halle 14 | Zentrum für zeitgenössische Kunst. Das interdisziplinäre Kooperationsprojekt zwischen der Halle 14 und tri:polis leistet einen Beitrag zur Renaissance der urbanen Produktion. Dabei ist der Austausch über die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben im 21. Jahrhundert das Ziel. Zudem geht es um Fragen zum bewussten Umgang mit Zeit, Rohstoffen und Arbeitskraft. Die Schau vereint Werke von den Künstlern Benno Brucksch, Daniel de Bruin, Granby Workshop, Leon Kucharski, mischer'traxler, Itay Ohaly, Stefanie Rittler, Ottonie von Roeder & Anastasia Eggers sowie Studio Swine. In den Jahren 1890 und 1891 wurde die Halle 14 als III. Spinnerei von der damaligen Baumwollspinnerei-Aktiengesellschaft erbaut. Bei dem Industriebau aus der Gründerzeit handelt es sich um eine von vier Produktionshallen für Baumwollgarne auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei im Leipziger Westen. 

www.halle14.org

 

Neue Positionen präsentiert auch das Museum Langmatt in Baden in der Ausstellung „Norbert Bisky – Fernwärme” (2. September bis 9. Dezember). Erstmalig ist der 1970 in Leipzig geborene Künstler in einer Museums-Einzelausstellung in der Schweiz zu sehen. Das Museum Langmatt gewährt den Besuchern einen Einblick in das Œuvre der letzten zehn Jahre des international bekannten Malers. Außerdem Teil der Schau sind viele neue Arbeiten, die Bisky eigens für die Schweizer Schau entwickelt hat. Hier waren historische Fotos der Familie Brown aus dem Archiv des Museums der Ausgangspunkt. Überhelle Darstellungen von zumeist jungen Männern in freier Natur charakterisieren Norbert Biskys Bilder. Zum einen stehen sie für die Sehnsucht nach einer reinen, unschuldigen Welt und zum anderen sind die nackten Oberkörper auch als Spiegel des Körperkults und der eitlen Selbstverliebtheit unserer Epoche anzusehen. Die Malerei von Norbert Bisky zeichnet sich durch Licht und Bewegung aus, was sich ebenfalls in Werken des französischen Impressionismus von Künstlern wie Paul Cézanne, Camille Pissarro und Pierre-Auguste Renoir wiederfindet, die in der Sammlung des Museums Langmatt vertreten sind. Eine Auswahl solcher Arbeiten zeigt das Haus in der Schau „Gegenlicht – Meisterwerke des französischen Impressionismus” 

(2. September bis 9. Dezember). 

www.langmatt.ch

 

Im Dormitorium des Klosters Arnsburg sind noch bis 9. September Werke der Künstlergruppe Art-Int zu sehen. Dieser gehören internationale Künstler an, die in Deutschland arbeiten und leben. Die Bilderwelten in Öl, Aquarell, Acryl, Pastellfarben sowie die Collagen und Oshibana-Kunst inspirieren die Betrachter und entführen sie in andere Sphären. Zur Künstlergruppe Art-Int zählen die sieben Kunstschaffenden Elena Rusu, Waltraud Horst, Marlene Schanz, Ionela Candale, Chris Weniger, Virgil Viespe und Kara Molnar. 

www.kloster-arnsburg.de

 

Bis 14. Oktober sind die Arbeiten des Kollektivs Slavs and Tatars in der Kunsthalle im Lipsiusbau der Kunstsammlungen Dresden zu sehen. Diese behandeln Traditionen, Gebräuche, Sprache, Anthropologie und Politik. Die Gruppe befragt in ihren Werken Glaube, Religion und interkulturelle Verständigung. Sie selbst beschreibt sich als „Fraktion der Polemik und Intimität, die sich mit dem als Eurasien benannten Gebiet östlich der Berliner Mauer beschäftigt”. Publikationen von Künstlerbüchern, Aufführungen von Lecture-Performances und Kunstobjekte in Ausstellungen sind die Bereiche, in denen das Kollektiv Slavs and Tatars aktiv ist. Bei der Dresdener Ausstellung „Made in Dschermany” (bis 14. Oktober) handelt es sich um die bisher umfassendste Präsentation des Werks der Künstler. 

albertinum.skd.museum