Natur pur

Ausstellungen mit Natursujets im deutschsprachigen Raum / Von Elena Zompi


Links: Ulrich Knispel, „o.T.,“ 1958, Mischtechnik

Rechts: Horst-Werner Schneider, „Schottische Landschaft”, 1986, Öl auf Leinwand, 85 x 120 cm


Ob Berglandschaften, Seen und Flüsse oder Wald und Wiesen – die Natur war schon immer ein beliebtes Sujet vieler Künstler. Aber die Gemälde sind nicht nur schön anzusehen, in der Landschaftsmalerei der verschiedenen Kunstepochen zeigt sich immer auch das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt – seine Ideen und Gefühle gegenüber der Natur. ZEITKUNST stellt Ihnen eine kleine Auswahl relevanter Ausstellungen vor, deren Fokus auf der Natur und ihrer Bedeutung für den Menschen – als Gemeinschaft aber auch als Individuum – liegt.

 

Im Deutschen Historischen Museum in Berlin findet eine Ausstellung zu der Bedeutung des Meeres für die Entwicklung und Identität Europas statt. Insgesamt 400 kulturhistorische und zeitgenössische Exponate werden unter dem Titel „Europa und das Meer“ präsentiert. Es ist das erste Mal, dass eine Sonderausstellung den europäischen Kontinent vom Meer aus betrachtet. Die Schau gibt einen Überblick über die globalen Verflechtungen und Wechselwirkungen, die mit der Erkundung und Erschließung der umliegenden Ozeane und Meere einhergingen. Dabei werden 2500 Jahre maritime Kulturgeschichte in den Blick genommen – von der Entwicklung der europäischen Zivilisation zum Zusammenwachsen Europas. 13 europäische Hafenstädte werden dabei von der Antike bis zur Gegenwart exemplarisch untersucht. Heutzutage werden Regionen am Meer von den meisten Menschen nur als Urlaubsort wahrgenommen, daher soll die Ausstellung wieder ins Bewusstsein rufen, wie sehr das Meer und die europäischen Hafenstädte die Weltgeschichte geprägt haben. 

www.dhm.de

 

Ebenfalls in Berlin widmet sich die Salongalerie „Die Möwe“ in einer Ausstellung dem Ostseebad Ahrenshoop. Der Ort war, und ist immer noch, ein bedeutender Ort für viele Künstler. Für die einen war er ein idyllischer Arbeitsplatz, für die anderen ein schützender Rückzugsraum während der Zeit des Nationalsozialismus, doch alle fanden sie, was sie für ihre künstlerische Arbeit brauchten: stimmungsvolle Motive in unberührter Natur, das klare Licht des Nordens, Stille, Einsamkeit und Freiheit. Unter dem Titel „Sommeratelier am Meer. Der Künstlerort Ahrenshoop“ werden nun vom 6. Juli bis zum 6. Oktober Gemälde, Grafiken und Skulpturen von bildenden Künstlern, die biografisch mit dem Ort verbunden sind, präsentiert. Gezeigt werden unter anderem Arbeiten von Anna Gerresheim, Hans Brass, Gerhard Marcks, Edmund Kesting und Hans Kinder. Sie alle hatten beziehungsweise haben eine besondere Verbindung zu dem Ort, die sich auch in ihren Werken zeigt.

www.salongalerie-die-moewe.de 

 

Im Südwesten Schleswig-Holsteins, in Itzehoe, befindet sich das Wenzel-Hablik-Museum. Neben der Dauerausstellung im ersten Stock über den Expressionisten Hablik selbst werden im Erdgeschoss regelmäßig Wechselausstellungen veranstaltet. Aktuell steht dort der Berliner Maler Ben Kamili im Fokus. In Kamilis Werken ist die Natur der Hauptdarsteller. Immer wieder bringt er seine Liebe zu ihr auf die Leinwand, wodurch farbintensive Bilder von blühenden Wiesen und Feldern, über Wolkenformationen und Gewässern bis hin zu Architekturen in der Landschaft, entstehen. Zu sehen ist dies bis zum 19. August in der Ausstellung „Ben Kamili – Norddeutsche Insellandschaften“. Wie schon einst Wenzel Hablik lässt sich Kamili von der Schönheit der Nord- und Ostfriesischen Inseln inspirieren. Das Besondere an Kamilis Bildern: Durch die pastos aufgetragene Farbe wirken die Bilder geradezu dreidimensional. Parallel zu dieser Ausstellung zeigt auch das Detlefesen-Museum in Glückstadt eine Schau zu dem Künstler.

www.wenzel-hablik.de 

 


Links: Gustave Courbet, „Schwarze Felsen bei Trouville“, 1865, Öl/Lwd., 46 x 61 cm,

Christoph Heilmann Stiftung am Lenbachhaus München

Rechts: Carl Gustav Carus, „Brandung bei Rügen”, 1819 

(© bpk | Staatliche Kunstsammlungen Dresden | Elke Estel)


Weite Wiesen, schroffe Küsten, wogende Felder, Meer, Seen und Bäche – die Landschaftsbilder des deutschen Malers Horst-Werner Schneider erinnern in ihrer Formsprache an die Romantik des 19. Jahrhunderts. Jedoch fügt Schneider seinen Landschaftsdarstellungen meist eine zwar real existierende, aber oft fantasievolle Komponente unserer Zeit hinzu. Er bezeichnet seinen Stil als „Phantastischen Realismus“, der sich allerdings nicht an der gleichnamigen Strömung Anfang des 20. Jahrhunderts orientiert. Das Besondere an Schneiders Werken ist seine Technik. Er bedient sich der besonders aufwendigen Lasurmalerei, die für eine faszinierende Leuchtkraft der Bilder sorgt. Zu sehen ist dies in einer Auswahl von circa 60 Ölbildern des Künstlers vom 24. August bis zum 28. September im Sozio-kulturellen Zentrum St. Spiritus in Greifswald.

www.horstwernerschneider-kreuzbruch.de

 

Das 19. Jahrhundert ist für die Landschaftsmalerei besonders interessant. Durch die Abkehr der Maler von den Traditionen der Kunstakademie fand ein weitreichender Wandel statt. Viele von ihnen begaben sich für ihre Kunstwerke auf Reisen und nutzten die Landschaften Süditaliens, des bayerischen Voralpenlands, Griechenlands und den Wald von Fontainebleau als Inspiration. Vor allem das Unberührte der Natur sowie der Wechsel der Licht-  und Wetterverhältnisse zogen nicht nur die Maler sondern auch die Fotografen um 1800 an. Dabei entstand ein interessantes wechselseitiges Verhältnis. Zum einen galten die Naturmotive aus dem Repertoire der Maler als Wegweiser für die Fotografen. Zum anderen halfen die Fotografien den Malern – zurück im Atelier – als Erinnerungsstütze. Zu diesem Hintergrund findet vom 5. August bis zum 28. Oktober die Ausstellung „Natur als Kunst“ im Angermuseum in Erfurt statt. Gezeigt werden 75 Landschaftsmalereien und 60 Fotografien aus den Sammlungen der Christoph Heilmann Stiftung am Lenbachhaus München und des Münchner Stadtmuseums – unter anderem mit Werken von Blechen, Dahl, Feuerbach, Schirmer, Spitzweg, Courbet, Rousseau und Corot.

 

www.kunstmuseen.erfurt.de