Glanzvoll und elegant

Das Museum für Lackkunst zeigt vielfältige Ausstellungen rund um das Thema Lack/ Von Leila Haschtmann

Links: Frontansicht des Museums für Lackkunst

Rechts: Die langjährige Direktorin Prof. Dr. Monika Kopplin tritt in den Ruhestand


Nagellack, Holzlack, Dispersionslack, Lackschuhe – Lacke gehören zu den Dingen, die einem heutzutage im Alltag täglich begegnen. Lackkunst dagegen scheint weniger geläufig. Diese hat beispielsweise in China eine jahrtausende währende Tradition. Bei der althergebrachten Lackherstellung wird durch Einritzen seiner Rinde das Harz des Lackbaumes gewonnen, welches anschließend filtriert, unter ständigem Rühren erhitzt und schließlich mit Pigmenten versetzt, bevor er zum (be)malen verwendet werden kann. In der beschaulichen Stadt Münster ist der Kunstgattung ein ganzes Museum gewidmet: Das Museum für Lackkunst. Dieses ist eine Einrichtung der BASF Coatings GmbH und wurde eingerichtet, um die Lackkunstsammlungen des Unternehmens zu bewahren, zu erforschen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Sammlungsbestand des Hauses baut auf den Sammlungen von Dr. Erich Zschocke (1901-1978) und Dr. Kurt Herberts (1901-1989) auf. Die Erstere ging 1968 bei der Akquirierung der Lackfabrik Herbig-Haarhaus, in der Dr. Zschocke eine führende Position innehatte, in den Besitz der BASF über. Die Chance die Letztere käuflich zu erwerben, bot sich dem Lackhersteller im Jahre 1982. Nun besaß die BASF eine Lackkunstsammlung von rund 2000 Lackkunstwerken aus aller Welt und verschiedensten Epochen. Zehn Jahre später gelang es dem Unternehmen mit Hilfe des Engagements von verschiedenen Förderern, die klassizistische Villa, in der zuvor das Münsteraner Stadtmuseum untergebracht gewesen war, als Standort für ein Museum zu gewinnen. Das Museum für Lackkunst wurde 1993 eröffnet. 

Seither präsentieren die Sonderausstellungen sowohl zeitgenössische als auch traditionelle Lackkunst vor allem europäischer und asiatischer Herkunft. So zeigte das Museum beispielsweise 2017 in der Ausstellung „Ulrike Buhl. Skulpturen. Margit Buß. Malerei.“ aktuelle Positionen der künstlerischen Arbeit mit Lack abseits des Designs von Gegenständen. Vielfältige Lackarbeiten waren im gleichen Jahr im Rahmen von „Diplomarbeiten – Paris, St. Petersburg, Hangzhou, Kanton, Tokio“ zu sehen, die die Abschlussarbeiten der wenigen Kunsthochschulen präsentierte, die einen Studiengang im Bereich Lackkunst anbieten. Eine Ausstellung der jüngsten Vergangenheit dagegen war einer traditionellen Anwendung des Lackhandwerks gewidmet: „Japan en miniature – eine Schenkung von Inro, Ojime und Netsuke.“ Eine Sammlerin hatte dem Museum 80 der kleinen Stapelkästchen aus Japan geschenkt, die zur Aufbewahrung von Arzneipulver dienten und sich zu einem kunstvoll gearbeiteten modischen Accessoire entwickelten. 

Zusätzlich zu den umfangreichen Sammlungen verfügt das Museum für Lackkunst über eine gut sortierte Fachbibliothek zum Thema. Hier finden sich unter anderem antiquarische Bände europäischer Lackrezepturen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Diese sind für die wissenschaftliche Forschung zugänglich und können nach einer Anmeldung gesichtet werden. Auch der Sammlungsbestand des Museums, der inzwischen nach den Herkunftsgebieten der Stücke in einzelne Sammlungen gegliedert ist – „Europa“, „China/ Korea“, „Japan“ und „Islam“ – wird kontinuierlich erforscht und die gewonnenen Erkenntnisse in Buchform publiziert. Neben Ausstellungs- und Bestandskatalogen werden auch immer wieder Monografien veröffentlicht. Im Jahre 2013 erschien der Band „Lacklegenden – Festschrift für Monika Kopplin“ anlässlich des 60. Geburtstags der Direktorin des Museums, die bereits seit dessen Gründung diesen Posten innehat. Nach fünfundzwanzig Jahren an seiner Spitze verlässt Prof. Dr. Monika Kopplin nun das Museum für Lackkunst um in den Ruhestand zu gehen. Als Hommage an sie und ihre Tätigkeit, die für das internationale Renommé des Hauses maßgeblich war,  zeigt das Museum für Lackkunst vom 27. November bis zum 24. Februar 2019 die Ausstellung „Lacquer Friends of the World“. Sie vereint Arbeiten von 24 Künstlern, die im Laufe der Jahre ein Stück gemeinsamen Weges mit Prof. Dr. Kopplin zurückgelegt haben. Viele dieser zeitgenössischen Werke aus aller Welt waren bereits Teil von Sonderausstellungen oder sind inzwischen Teil der Sammlung. Die Ausstellung wird die Vielfältigkeit der aktuellen Lackkunst sichtbar machen: Neben Arbeiten, die auf traditionsreichen Techni ken basieren, werden Designobjekte und experimentelle Installationen präsentiert. Ein gebührender Abschied.

 

Lacquer Friends of the World

27.11.  bis 24.2.19

Museum für Lackkunst

Windthorststraße26

48143 Münster

Di (freier Eintritt) 12-20 h, Mi-So 12-18 h

www.museum-fuer-lackkunst.de