Kritik mit Augenzwinkern

Ein halbes Jahr Marius van Dokkum Museum in Harderwijk / Von Elena Zompi


Außenansicht des Marius van Dokkum Museum im niederländischen Harderwijk


Seit etwa einem halben Jahr steht in Harderwijk das einzige offiziell anerkannte Museum der Niederlande, das einem noch lebenden Künstler gewidmet ist: das Marius van Dokkum Museum. 2015 stellte Van Dokkum erfolgreich im Stadtmuseum in Harderwijk aus. Die Ausstellung lockte Tausende von Besuchern an. Diese Begeisterung war beidseitig: Schnell verliebte sich Van Dokkum in das kleine Städtchen. Da dauerte es nicht lange, bis die Idee einer Dauerausstellung aufkam. Der Künstler suchte daraufhin zusammen mit dem Stadtmuseum nach einem geeigneten Ort. Die Wahl fiel schließlich auf eines der schönsten Gebäude Harderwijks: die „Snijkamer“, der ehemalige Anatomie-Saal der Universität Harderwijk im Stadtgarten. Nur drei Jahre dauerte es bis das Projekt dann endgültig realisiert wurde. Seit Ende Mai werden nun etwa 55 Werke des Künstlers dort präsentiert. Van Dokkum ist für seine humorvollen, leicht sozialkritischen Malereien bekannt. Seine Werke sollen dem Betrachter einen „Lach-Spiegel“ vorhalten. Allen Meinungen zum Trotz, hielt der Kunstschaffende auch während seines Studiums an dem Realismus fest. Da dies an der Kunstakademie, an der Van Dokkum studierte, nicht gerne gesehen wurde, riet man ihm, weiterhin als Illustrator und Designer zu arbeiten. Diesen Rat befolgt zu haben, bereut er bis heute nicht. So sagt er selbst: „Ich wurde später von Kollegen wie Henk Helmantel im Malen unterrichtet. Seine Arbeit traf mich wie eine Bombe. Die Vision, dass der Realismus nicht mehr zeitgemäß sei, wurde von seinen Bildern widerlegt. Sie waren sehr realistisch und zugleich von künstlerischer Größe.“ Inspiriert wird er unter anderem von Sierk Schröder, Henk Helmantel, Maarten t Hart und von den alten Meistern wie Rembrandt, Holbein und Vermeer. Außerdem fasziniert ihn die Arbeit von Diego Velazquez, der Hofmaler des spanischen Königs Philipp IV. Van Dokkum malte in den vergangenen vier Monaten speziell für das Museum ein neues Werk. Es ist sein bisher größtes Gemälde: eine Leinwand mit Museumsbesuchern, die ein Gemälde betrachten. Sozusagen eine Mise en abyme, auch Droste-Effekt genannt, also ein Bild im Bild. In der Dokumentation „Rembrandt van de Veluwe“, die Marius van Dokkum in den Monaten vor der Eröffnung des Museum begleitet, erzählt der Künstler von einem Ereignis, das dafür sorgte, dass Van Dokkum die Idee eines Museums überhaupt verwirklichen konnte. In den 1990er-Jahren habe ihn ein Galerist bestohlen, indem er Van Dokkums Werke weiterverkaufte und ihn nicht dafür bezahlte. Daraufhin beschloss der Künstler keine humoristischen Werke mehr zu verkaufen und seine Arbeiten selbst aufzubewahren. Aber auch das nimmt er mit Humor: „Das ist letztendlich mein Glück, denn ich habe jetzt so viele Werke, dass ich damit ein Museum füllen kann.“  

 

Marius van Dokkum Museum

Academiestraat 7

NL-3841 Harderwijk

Niederlande

Di-Sa 10-17 h, So 12-17 h

www.mariusvandokkummuseum.nl