Buddha trifft Kunstpelz

Edle und rare Vintage-Uhren sind die Spezialität des Auktionshauses Dr. Crott / Von Kornelia Stinn


Links: Großer und sehr seltener unterglasurblau und kupferroter Topf (guan) China, Yuan-Dynastie H. 30 cm,

Schätzpreis: 200.000 - 300.000 €. Nagel Auktionen - Asiatische Kunst - 21.-22. Juni 2018.

Rechts: Aus der Auflösung einer süddeutschen Privatsammlung mit rund 150 hochwertige Taschen- und Armbanduhren, 

u.a. mit Spindeltaschenuhren des 18. Jahrhunderts und Email- und Goldemail-Taschenuhren des 19. Jahrhunderts. 

Nagel Auktionen - Kunst und Antiquitäten - 4. Juli 2018


Die großen, medial stark beachteten Frühjahrsauktionen finden weltweit traditionell in den Monaten April und Mai statt. Doch gerade für Kunstsammler mit speziellen Interessen lohnt es sich, auch noch im Frühsommer einmal genauer hinzuschauen.

Zum Beispiel beim Stuttgarter Auktionshaus Nagel, das auf eine fast 100-jährige Tradition zurückblicken kann. Der Chemiker Fritz Nagel gründete 1922 zunächst noch in Mannheim eine Kunsthandlung. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog er mit dem Unternehmen nach Stuttgart um und spezialisierte sich dort auf den Auktionshandel. Nagel Auktionen versteht sich heute als Spezialist für die Auflösung von großen Nachlässen und Sammlungen. Jährlich werden mindestens zwölf Auktionen durchgeführt. Dabei kommen 15 000 bis 20 000 Lose zum Aufruf. Neben den großen Highlight-Auktionen finden auch Sonder- und Schlossauktionen statt. Vom 21. bis 22. Juni führt Nagel im Loft Salzburg die Sonderauktion „Asiatische Kunst“ durch, für das Unternehmen ein Highlight des Auktionsjahres, konnten doch bei einer ähnlichen Auktion im vergangenen Dezember mehrere Millionenzuschläge erzielt werden. 1400 Objekte, vorwiegend aus deutschen und europäischen Privatsammlungen, werden im Juni versteigert. Die Käuferschaft besteht ganz überwiegend aus chinesischen Bietern. Mit großer Spannung wird der Aufruf eines sogenannten Guan-Topfes aus dem 14. Jahrhundert erwartet. Das chinesische Prachtgefäß mit floralem und ornamentalem Dekor in Glasurblau und Kupferrot sucht seinesgleichen. Rund um den Globus gibt es nur drei vergleichbare Exemplare in Museumssammlungen. Weiterhin werden auf der Auktion zahlreiche Prachtvasen, diverse Buddha-Bronzen, Jadearbeiten, aber auch traditionelle und moderne Gemälde aus China angeboten.

Die nächste Versteigerung des Auktionshauses Nagel mit europäischer Kunst und Antiquitäten findet dann am 4. Juli statt. Zum Aufruf kommt unter anderem eine Folge von vier venezianischen Veduten, die dem Kreis um Francesco Guardi (1712-1793) zugeordnet wird. Die jeweils 40 mal 50 Zentimeter großen Gemälde zeigen unter anderem Ansichten des Markusplatzes, der Rialto-Brücke und der Punta della Dogana. Des Weiteren im Angebot ist ein „Stillleben mit Geflügel, Gemüsen und Pilzen“ von Jacob van der Kerckhoven (1636-1712). Bemerkenswert daran ist die Tatsache, dass die prächtig gefiederten und sehr detailliert ausgeführten Hühner und Tauben nicht als Wildbret sondern lebend dargestellt sind. Der in Antwerpen geborene flämische Maler verbrachte den größten Teil seines Lebens im Veneto. Zu den weiteren Höhepunkten der Auktion gehört sicherlich das mit 24,5 mal 18 Zentimetern eher kleinformatige „Bildnis eines Herrn“ von Karel Dujardin (1622-1678). Das Gemälde wurde 1659 in Öl auf Kupfer ausgeführt. Es befindet sich in einem prachtvollen, vielfach kassettierten, dunklen Holzrahmen. Das Werk korrespondiert mit weiteren bekannten Herrenporträts des Künstlers, die sich im Louvre in Paris und im Rijksmuseum in Amsterdam befinden. Ein emotional besonders berührendes Gemälde wiederum wird dem in Solingen geborenen und in London gestorbenen Künstler Frederick Kerseboom (1632- etwa 1693) zugeschrieben. Das 125 mal 100 Zentimeter große Porträt zeigt William Lawrence of Sherlington. Der für seine intensiven Briefwechsel bekannte englische Landedelmann wird mit gebrochenem Herzen dargestellt. Innerhalb von zwei Monaten starben seine Frau und sein erst 23-jähriger Sohn Willy. An eine Freundin schrieb er: „Mit ihr habe ich meine Frau verloren, mit ihm aber meine Familie; das eine beugte mein Herz, doch das andere hat es mir gebrochen.“ Zu den kuriosesten Losen der Auktion gehört eine um 1840 entstandene Gartenbank mit Schwanendekor. Zwei aus Eisen geformte Schwanenreliefs dienen hier als Tragekonstruktion für die Sitzfläche und die Rückenlehne der Bank. Das ungewöhnliche Sitzmöbel amerikanischer Provenienz ist ganz in Weiß gehalten. Nur die Schnäbel und Kopfpartien der Schwäne sind in Orange und Schwarz ausgeführt.

Wenige Tage vor dem Beginn der Basler Messewoche steht bei Sotheby‘s in Zürich die traditionelle „Swiss Art/Swiss Made“-Auktion an. Zum Aufruf kommt eine große Auswahl hochkarätiger Gemälde, Arbeiten auf Papier, Skulpturen, aber auch Design. In diesem Jahr besonders im Mittelpunkt stehen Werke von Ferdinand Hodler, der anlässlich seines 100. Todestages in Zürich und Genf auch mit bedeutenden Museumsausstellungen geehrt wird. Auf große Beachtung dürfte das um 1910 entstandene Gemälde „Schreitende, sich umwendend“ stoßen. In graziler Körperhaltung zeigt es eine typische Vertreterin des Ausdruckstanzes. Die schlanke weibliche Figur im bodenlangen blauen Kleid, dessen ungewöhnlich langer Schlitz den Blick auf ihr komplettes linkes Bein freilegt, steht für das neue Selbstbewusstsein moderner Frauen am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Ein wenig traditioneller kommt dagegen Hodlers 1916 entstandenes Gemälde „Bildnis Gertrud Müller im Grünen“ daher. Die Solothurner Sammlerin malte Hodler in seinem Ateliergarten in Genf in selbstbewusster Haltung, die Hände in die Hüften gestemmt. Neben den Gemälden sind auch einige Figurenstudien Hodlers auf Papier im Angebot. Ebenfalls mit mehreren Arbeiten repräsentiert sind die beiden Schweizer Symbolisten Felix Valloton (1865-1925) und Cuno Amiet (1868-1961). Felix Valloton etwa ist mit dem 1903 entstandenen Gemälde „Les Blés, Arques-La-Bataille“ vertreten. Das Bild zeigt eine lichtdurchströmte, spätsommerliche Landschaft mit gebundenen Weizengarben. Es entstand während eines Sommeraufenthalts des Künstlers in der Normandie. Außerdem ist das 1900 entstandene Gemälde „Paradies“ von Cuno Amiet im Angebot. Das 174,5 mal 145 Zentimeter große Bild wird in seinem aufwendig gestalteten Originalrahmen offeriert. Elemente des Symbolismus und des Jugendstils auf ungewöhnliche Art und Weise vereinend, verlegt Cuno Amiet hier den Garten Eden in ein irdisches Paradies. Adam und Eva wirken wie moderne Menschen, wenngleich die Darstellung der Eva auch altmeisterliche Referenzen etwa an die Malerei Lucas Cranach des Älteren aufweist. Für Liebhaber der Moderne und der zeitgenössischen Kunst hält die Zürcher Auktion aber auch Werke von Künstlern wie Meret Oppenheim, Le Corbusier, Martin Disler und Sylvie Fleury bereit. Deren knuffiges „Cuddly Painting (Black)“ von 1995 etwa, eine mit schwarzem Kunstpelz überzogene Holzplatte im Format 50 mal 50 Zentimeter, gehört zu den typischen Werken der 1961 in Genf geborenen Konzept- und Mixed-Media-Künstlerin.