Highlights der österreichischen Kunstszene

Das Wiener Auktionshaus Ressler ruft die 10. Auktion auf/ Von Marianne Hoffmann


Am 28. Januar 2019 wird das Wiener Auktionshaus Ressler mit ihrer 10. Auktion aufwarten. Ein Grund zu feiern – eigentlich schon, aber das renommierte Auktionshaus hat sich überlegt , ganz im Sinne ihrer Geschäftsidee: es soll eine besondere Auktion werden. Besondere Kunstwerke, in Bildern und Objekten, aufzuspüren, ist das erklärte Ziel des Hauses.

In Abwandlung eines Zitats von Peter Handke, so liest man auf der Website des Auktionshauses, ist die Maxime der Ressler Kunst Auktionen: „Das Schöne ist unser Programm! Aber nicht das oberflächlich Schöne der Kunst, nicht das Schöne der Farben und Formen allein, sondern das Schöne darunter. Das Schöne, bei dem man spürt, dass es uns betrifft, unser Leben und unseren Tod, unsere Hoffnungen und Ängste, unsere Leidenschaften und unsere Urteilskraft. Das Schöne, das neue Erkenntnisse bringt, neue Erfahrungen, neue Empfindungen, wird umso intensiver auf uns wirken, je schöner und tiefer und wahrer es ist.“ Zweimal im Jahr lädt das Haus zu Auktionen ein: im Frühjahr und im Herbst. Ausnahmen gibt es natürlich auch und zwar immer dann, wenn es den Mitarbeitern, bzw. den Inhabern gelingt, ganze Sammlungen aufzukaufen. Dieser Erwerb wird gesondert auktioniert. Die Auktionen der Ressler Kunst Auktionen finden in den Ausstellungsräumen der Galerie OstLicht in der Absberggasse 27 in Wien statt. In den von Architekt Gregor Eichinger mit Bedacht auf die historische Industrie-Architektur gestalteten, etwa 600 Quadratmeter großen Räumen werden die Kunstobjekte auch ausgestellt, um eine Vorbesichtigung zu ermöglichen. Denn es kauf sich leichter, wenn man das Objekt der Begierde schon einmal im Original gesehen hat. Und manch einem potentiellen Käufer ist es sicherlich schon passiert, dass das Objekt der Begierde vielleicht doch nicht das ist, was man sich vorgestellt hat, dafür aber ein anderes Kunstwerk viel interessanter scheint. Jede Auktion ist wie eine Reise durch ein Stück Kunstgeschichte und  was das Ganze noch unvergleichlicher macht, gibt es oft Kunstwerke zu sehen, die noch nie auf dem Markt aufgetaucht sind , respektive noch nie in einer Ausstellung gezeigt wurden. In der 10. Frühjahrsauktion wird es  viele Highlights der österreichischen Kunstszene zu sehen und zu erwerben geben. 238 Kunstwerke mit einer Rufpreissumme von 1,3 Millionen Euro stehen bereit. Dabei reicht der Angebotsreigen von Attersee bis Zechyr, von Arnulf Reiner bis Maria Lassnig und damit sind alle bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten aus der Zeit nach 1945 erfasst. Als zusätzliches Bonbon gibt es 15 Werke von Hans Staudacher. Hans Staudacher, der 1923 in Kärnten geboren wurde und heute in Wien und am Faaker See arbeitet, gehört zu den bedeutendsten Vertretern des österreichischen Informel. 1956 vertrat Staudacher Österreich auf der Biennale in Venedig, 1975, mit Kollegen, war er die Attraktion auf der XIII Biennale von Sao Paulo. Doch eine der Hauptattraktionen der Auktion ist  die wohl größte Hinterglasmontage des österreichischen Künstlers Marc Adrian, der 2008 starb. Adrian war aber nicht nur ein avantgardistischer Künstler, sondern lehrte auch an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und später in Wien. Die große Hinterglasmontage, die in der Auktion zum Aufruf kommt, trägt den unprosaischen Titel „U2“ und hat die Maße 136 x 212 cm, entstanden 1972. Das Werk wurde auch in einer Aufsehen erregenden Retrospektive der Neuen Galerie des Johanneums in Graz ausgestellt. Der Aufrufpreis für eines der absoluten Hauptwerke dieses Künstlers kommt mit circa 75.000 Euro zum Aufruf. Hubert Scheibl, der in Wien unter anderem bei Arnulf Reiner studierte, gehört in Österreich, nach einer Zeit bei den „Neuen Wilden“, zu den bedeutenden Vertretern der abstrakten Malerei. Auch er repräsentierte, wie Staudacher, Österreich auf der Biennale in Venedig (1988) und drei Jahre vorher auf der Biennale von Sao Paulo. „Rubikali“ aus dem Jahre 1999 ist eine drei Meter große Arbeit, in zartem Gelb und vielen Weißtönen gehalten, das eine beinahe zarte Anmutung hat und ein früheres Werk ,mit den ebenso stattlichen Maßen von 160 x 200 cm, dessen leuchtend roter Hintergrund überaus attraktiv und anziehend ist, werden mit 28.000 und 25.000 Euro aufgerufen. Otto Mühl ist vielen, auch in Deutschland , noch als „enfant terrible“ der Kunstszene in Erinnerung, spätestens als er 1970 die Kommune mit dem Titel  „Aktionsanalytische Organisation“ (AAO) gründete, in der Zweierbeziehungen und Kleinfamilien abgeschafft wurden. Sie hatte bis zu 600 Mitglieder. Durch Mühls autoritäres Auftreten verließen  immer mehr Kommunarden die Gruppe. 1991 wurde Otto Mühl in Österreich wegen Kindesmissbrauchs und Verstoßes gegen das Suchtgiftgesetz zu sieben Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Haftentlassung zog er sich nach Portugal zurück. In der Auktion kommt ein ungewöhnliches und sicherlich rares Werk des Künstlers zum Aufruf. Das „Palmenmädchen“ ist eines der flächigen Arbeiten aus dem Jahre 1986. Mit diesen flächigen Arbeiten hatte Mühl einen neuen Stil entwickelt, der seine „wilden“ Bilder ablöste. Das 190 x 130 cm große Bild startet bei 35.000 Euro. Damit das Ereignis der 10. Auktion nicht Sang und Klanglos am Besucher vorüberzieht, hat sich das Auktionshaus etwas Besonderes einfallen lassen. Bei der Vernissage am 24. Januar 2019 um 18.30 Uhr wird unter den Besuchern eine Gouache von  Josef Bramer verlost.

 

(Abb.: Kat. Nr. 50, Günther Förg (Füssen 1952 - 2013 Freiburg),„Ohne Titel“, Gouache auf leichtem Karton, 50 x 35 cm, 1996, 

Rufpreis 18.000 Euro.)


Ressler Kunst Auktionen GmbH

Absberggasse 27 c/o Galerie OstLicht

in der ehem. Anker Brotfabrik

A-1100 Wien

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Fax +43 1 600 56 30 4      

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