Aus Leidenschaft zur Kunst

Die Kunsthalle Messmer feiert ihr 10-jähriges Jubiläum


 

Links: Aussenansicht der Kunsthalle Messmer (© Messmer Foundation)

Rechts: Stiftungsgründer Jürgen Messmer (© Messmer Foundation)


Eigentlich hätte sich Jürgen Messmer nach einer sehr erfolgreichen Karriere als Hersteller von Schreibgeräten mit ruhigem Gewissen zur Ruhe setzen, sich vielleicht ein schönes Häuschen an einem entspannten Urlaubsort kaufen und das süße Nichtstun genießen können. Jürgen Messmer aber entschied sich dafür, seine Leidenschaft zur neuen Berufung zu machen und gleichwohl auch international anerkannte und gewürdigte Nachwuchsförderung zu betreiben. 

Der ehemalige Unternehmer ist ein spannender Gesprächspartner. Von Haus aus, so erzählt er, war er nicht durch die Kunst geprägt. Diese Liebe entwickelte er im Laufe seines Lebens selbst. Gerade während seiner Studienzeit in München verbrachte er viel Zeit in den großen Museen der bayerischen Landeshauptstadt. Dort entdeckte er zunächst seine Leidenschaft für eine besondere Kunstrichtung: „Die Expressionisten haben mich fasziniert.“

Nach seinem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens gründete er eine Firma und begann Luxusschreibgeräte zu produzieren. Dies so erfolgreich, dass er schnell gut vernetzt war. Häufig war er geschäftlich in den USA. Dort, genauer gesagt in New York, lernte er schließlich auch Henry Drake kennen. Dieser besaß eine derart beeindruckende Kunstsammlung, dass Jürgen Messmer bei einem Besuch in dessen Haus nicht aus dem Staunen herauskam: „ich war wie betrunken. Ich sah einen tollen Chagall, wunderbare Werke von Degas und vieles mehr.“

Erfreut über die gemeinsame Begeisterung für die Kunst lud ihn der amerikanische Sammler anschließend in sein Chalet in der Schweiz ein. Dort erwartete Messmer nicht nur weitere hochkarätige Kunst, sondern auch eine Begegnung, die den weiteren Lebensweg des Geschäftsmannes intensiv prägen sollte und – ohne das er es damals ahnte – bereits einen Grundstein für die heutige Kunsthalle Messmer legte. „Bei unserem dritten Treffen sagte Drake, ich hab da was, und brachte mich in einen beeindruckenden Antiquitätenladen in Lausanne“, erinnert sich Messmer. Dort hingen Bilder eines Künstlers, von dem er bis dahin nichts gehört hatte, der ihn jedoch bis ins Mark faszinieren sollte. „Als ich die Bilder von André Evard sah, war es für mich Liebe auf den ersten Blick“, sagt Messmer. 

Das war im Jahr 1978, die Liebe für den Künstler scheint seitdem nur noch gewachsen zu sein. Heute ist Messmer sogar der Nachlassverwalter dieses Schweizer Künstlers, der im eigenen Land zu Lebzeiten viel zu wenig gewürdigt wurde, in den Pariser Salons jedoch gefeiert. André Evard war eben ein Vorreiter, ein Visionär, vielleicht verbindet genau diese Eigenschaft den Kunstmäzen Messmer auch mit dem Künstler. Er ließ sich nie auf einen Stil festlegen. Fertigte sensible Jugendstil-Bilder mit atmosphärischen Landschaftsdarstellungen, ebenso wie Stillleben und wendete sich schließlich der Geometrie des Raumes zu, womit er zur Avantgarde der abstrakten Maler zu zählen ist. Messmer haben es die konkret-konstruktiven Arbeiten Evards besonders angetan. Da er diese Kunstrichtung für viel zu wenig rezipiert hält, hat er den internationalen André-Evard-Preis, der mit 10 000 Euro dotiert ist, ins Leben gerufen. Dieser richtet sich an alle Künstler und das sogar weltweit. Vor allem innerhalb der internationalen konkret-konstruktiven Szene besitzt der Preis ein großes Renommee. Mehrere Hundert Bewerber aus den unterschiedlichsten Ländern nehmen stets an den Ausschreibungen teil. 

Doch diesen Preis würde es nicht geben, hätte Jürgen Messmer nicht den Entschluss gefasst seine umfangreiche Sammlung (insgesamt mehr als 1100 Arbeiten) , die zusätzlich aus Werken weiterer namhafter Künstler der Klassischen Moderne und der Gegenwartskunst besteht, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dieses Bestreben, aber vor allem der Verlust seiner Tochter Petra – was einen schweren Schicksalsschlag für Messmer bedeutete – mündete in der Gründung der gemeinnützigen Stiftung Messmer Foundation. Und diese Gründung wiederum führte vor genau zehn Jahren zur Eröffnung der renommierten Kunsthalle Messmer in Riegel am Kaiserstuhl. 

Dieses freudige und beachtliche Jubiläum wird derzeit natürlich ausgiebig mit einer Retrospektive des Herzstücks der Sammlung, den Arbeiten von André Evard, gefeiert. 

In den vergangenen zehn Jahren wurden bereits 30 Ausstellungen gezeigt. Dabei handelt es sich stets um Wechselausstellungen, die einem der Grundgedanken der Kunsthalle Messmer folgen: nämlich „interessante Ausstellungen für die Bevölkerung zu präsentieren.“ Zu sehen waren Größen wie Marc Chagall, Christo, Joan Miró, Pablo Picasso, Andy Warhol und viele Weitere. Besucht haben die Kunsthalle bisher rund 

500 000 Menschen. Und auch Jürgen Messmer ist selbstverständlich von jeder Ausstellung persönlich überzeugt und angetan. Auf die Frage hin, welches Werk ihn denn in all den Jahren, neben seinen geliebten Evards, am meisten beeindruckte, fiel ihm spontan eine Le Corbusier-Arbeit aus dem Jahr 1920 ein. Zwischen den bedeutenden Schweizer Avantgardisten Le Corbusier und André Evard gibt es nämlich einige Parallelen. Diese wurden damals in einer spannenden Schau aufgezeigt. 

In der aktuellen Jubiläumsausstellung wird es einen Überblick über das famose Gesamtwerk Evards geben, der in beinahe 70 Jahren Schaffenszeit die Malerei immer wieder an ihre Grenzen gebracht hat. Jürgen Messmer ist es daran gelegen, die Bedeutung von André Evard für die damalige, sowie auch für die heutige Kunst und seinen revolutionäre Herangehensweise an die bildende Kunst fortwährend und im Besonderen herauszustellen. 

In der Kunsthalle Messmer werden sicherlich auch weiterhin großartige Künstler und spannende sowie kunsthistorisch relevante Gegenüberstellungen von Positionen der Vergangenheit und der Gegenwart die Rezipienten in ihren Bann ziehen. Ein Besuch in dem etablierten Museum lohnt sich also auf jeden Fall. 


10 Jahre Kunsthalle Messmer: 

Ein Leben für die Kunst 

20.6.-15.9.

Kunsthalle Messmer

Grossherzog-Leopold-Platz 1

79359 Riegel am Kaiserstuhl

Di-So 10-17 h

www.kunsthallemessmer.de