KUNST-EVENTS 2019

Auch die zweite Jahreshälfte hat einiges an sehenswerten Ausstellungen zu bieten


Abb. links: Anselm Kiefer, „Glaube. Liebe, Hoffnung“, 1973, Kohle, Collage, Hasenblut auf Rupfen, 298,5 x 281 cm, zu sehen in der Staatsgalerie Stuttgart

Abb. rechts: Vincent van Gogh (1853–1890), „Bauernhaus in der Provence“, 1888, Öl auf Leinwand, 46,1 x 60,9 cm,

National Gallery of Art, Washington D.C., zu sehen im Städel Museum, Frankfurt (© National Gallery of Art, Washington, Ailsa Mellon Bruce Collection)


Kunstmessen wie die Art Basel oder die Art Bodensee in Dornbirn zeigen im Juni einen Überblick künstlerischer Positionen und laden zum Entdecken noch nicht gesehener Werke und neuer Künstler ein. Auch den großen und bekannten Namen sind in der zweiten Jahreshälfte beeindruckende Ausstellungen gewidmet. Zeitkunst gibt einen Überblick über laufende und kommende Ausstellungshighlights.

 

Baselitz, Richter, Polke und Kiefer. Vier Namen aus Deutschland, die in der ganzen Welt bekannt sind. Der Fokus der Ausstellung „Die jungen Jahre der Alten Meister“ in der Staatsgalerie Stuttgart, liegt auf den 1960er-Jahren. Die spektakuläre Schau ist noch bis zum 11.8. zu sehen. Die vier Künstler begegnen nach dem Zweiten Weltkrieg den zerstörten moralischen und geistesgeschichtlichen Traditionen und Werten mit fulminanten malerischen Bildausbrüchen und skandalträchtigen Aktionen oder mit prosaischen Zugriffen auf die Gemeinplätze des Alltags. Baselitz malt zerrissene, geteilte Helden. Polke und Richter führen die Absurdität und Leere des allseits verlockenden Konsums vor. Anselm Kiefer hingegen legt die Wurzeln des sogenannten „Dritten Reiches“ in der deutschen Geschichte offen. Erstmals werden die Werke dieser vier Meister zusammen in einer Ausstellung gezeigt und diese wichtige Etappe deutscher Geschichte sichtbar gemacht. Christiane Lange, Direktorin der Staatsgalerie Stuttgart, betont: „Georg Baselitz, Gerhard Richter, Sigmar Polke und der etwas jüngere Anselm Kiefer haben entscheidenden Anteil an diesem gesellschaftlichen Diskurs. Sie nehmen in ihrem Frühwerk den Geist der Zeit auf. Obgleich sie sich alle selbst unpolitisch nennen, prägt ihre Kunst vor allem im Ausland bis heute das positive Bild eines neuen, kritischen Deutschlands. Darüber hinaus stellen sie mit ihren Gemälden die damalige Vorherrschaft der Abstraktion infrage.

Im Anschluss an die Stuttgarter Präsentation zeigen die Deichtorhallen die Ausstellung vom 12. September bis 

5. Januar in Hamburg.

www.staatsgalerie.de

www.deichtorhallen.de

 

Mit der Ausstellung „Making van Gogh“ zeigt das Städel Museum Frankfurt vom 23. Oktober bis 16. Februar

die bis dato größte und aufwendigste Präsentation Van Goghs in der Geschichte des Frankfurter Städel Museums. „Zum Zeitpunkt seines Todes in Auvers-sur-Oise 1890 war das Werk van Goghs nur wenigen Zeitgenossen vertraut. Als zur Jahrhundertwende in den Kulturmetropolen Europas die ersten Van-Gogh-Ausstellungen stattfanden, stieg die Bekanntheit seines Œuvres drastisch an. Die Sonderausstellung im Städel Museum zeigt auf, dass ohne die Rezeptionsgeschichte in Deutschland diese Entwicklung und die bis heute anhaltende Popularität Vincent van Goghs kaum denkbar wären“, so Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums. Die Schau thematisiert die besondere Rolle, die Galeristen, Sammler, Kritiker und Museen für die Erfolgsgeschichte des Malers in Deutschland spielten, der als Vorreiter der modernen Malerei gilt. Zum anderen wird die entscheidende Rolle van Goghs als Vorbild für die Kunst des deutschen Expressionismus beleuchtet. Wichtiger Referenzpunkt ist hierbei die umfangreiche Städel-Sammlung von Werken des Expressionismus. Neben bekannten Beispielen von Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Paula Modersohn-Becker, Gabriele Münter oder Max Beckmann werden auch wiederzuentdeckende Positionen präsentiert, für die van Gogh ebenso prägend war, darunter Peter August Böckstiegel, Theo von Brockhusen oder Heinrich Nauen. In der Ausstellung sind mehr als 120 Gemälde und Arbeiten auf Papier, darunter über 50 zentrale Werke von van Gogh und 70 Werke weiterer für die Moderne bedeutender Künstlerinnen und Künstler zu sehen.

www.staedelmuseum.de

 

Mark Rothko (1903–1970) gehört zu den bedeutendsten Künstlern des zwanzigsten Jahrhunderts. Zum ersten Mal überhaupt werden nun seine Werke in Österreich gezeigt. Die Ausstellung im Kunsthistorischen Museum Wien bietet bis zum 30. Juni mit über vierzig seiner Hauptwerke einen Überblick über Rothkos gesamtes Schaffen und beschäftigt sich mit Vorstellungen des Heiligen, Geistigen, Tragischen und Zeitlosen. Kate und Christopher Rothko, die Kinder des Malers, waren von Beginn an in das Projekt eingebunden und haben sich bereit erklärt, eine Reihe bedeutender Werke aus der Familiensammlung für die Ausstellung zu leihen. Die Ausstellung wird im Kunsthistorischen Museum gezeigt, dessen historische Sammlungen fünftausend Jahre menschlichenSchaffens vom Alten Ägypten bis zum Barock nachzeichnen, wodurch sich die einmalige Gelegenheit bietet, sich mit Rothkos tiefem, lebenslangem Interesse für die Kunst der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Von seinen frühen Besuchen des New Yorker Metropolitan Museum während seiner Studienzeit, über seine ersten Begegnungen mit Rembrandt, Vermeer und der klassischen Kunst und Architektur, bis zu seinen Reisen nach Europa, wo er Kirchen, Kapellen und Sammlungen von Altmeistergemälden in Paris, London, Venedig, Arezzo, Siena,Rom, Pompeji und Florenz besichtigte, widmete sich Rothko dem Studium historischer Kunst und Architektur. Den Kern der Ausstellung bildet ein ganzer Saal großformatiger,1958/59 entstandener Wandbilder, die ursprünglich für das Seagram Building in New York in Auftrag gegeben wurden. Abschließend folgt ein Saal mit klassischen Gemälden aus dem letzten Lebensjahrzehnt Rothkos, die vor Augen führen, wie er von den Altmeistertechniken lernte, Farben übereinanderzuschichten begann wie Tizian und zu einem an Rembrandt erinnerndes Gefühl für „inneres Licht“ fand.

www.khm.at


Abb. links: Ausstellungsansicht „Mark Rothko“ im Kunst Historischen Museum Wien

(© 1998 Kate Rothko Prizel & Christopher Rothko/Bildrecht, Wien, 2019,)

Abb. rechts: Impression der Art Bodensee 2018


Die seit 1970 stattfindende Art Basel zählt heute zu den wichtigsten Kunstmessen weltweit. Neben dem Haupt-

standort in Basel finden Ableger auch in Miami Beach und Hong Kong statt. Das Herzstück der Messe, die immer auch als Barometer des internationalen Kunstmarktes gilt, ist der Galeriensektor. 290 führende Galerien zeigen vom 13. bis 16. Juni Werke von der Klassischen Moderne bis zur Zeitgenössischen Kunst. Die Besucher erwarten auf der Messe Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Installationen, Fotografien, Video-Kunst und Editionen von mehr als 4.000 Künstlern. Projekte etablierter Künstler finden sich im feature-Sektor. Hier sind in diesem Jahr 24 Positionen zu entdecken. So zeigt die Galleria Raffaella Cortese die beiden US-amerikanischen Künstlerinnen Allyson Strafella und Helen Mirra, Croy Nielsen präsentiert Werke der österreichischen Künstlerin Elke Silvia Krystufek, die in den 1990er-Jahren bekannt durch ihre oftmals provokanten Performances, Videos, Fotografien and Malereien wurde. Eine Soloshow des Künstlers Wallace Berman zeigt die Galerie Frank Elba, mit Highlights des Künstlers aus den späten 1940er- bis 1970er-Jahren. 

www.artbasel.com

 

Die Art Bodensee in Dornbirn bietet Kunstinteressierten vom 28. bis 30. Juni 2019 eine abwechslungsreiche Schau regionaler und internationaler zeitgenössischer Kunst. Auch im Rahmenprogramm wartet die Kunstmesse mit  attraktiven Präsentation auf. So zeigt die von „Milionart” präsentierte Solo-Show der österreichischen Staatskünstlerin Elke Silvia Krystufek Werke, die die Künstlerin 2009 im Zuge der Venediger Biennale in einer Installation im österreichischen Pavillion ausstellte. Diesjähriger Artist in Residence der Art Bodensee ist der serbische Künstler Milan Mladenovic. Der 2012 mit dem Preis der Kunsthalle Wien ausgezeichnete transmediale Künstler absolvierte mit Auszeichnung bei Prof. Brigitte Kowanz an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und wird während des Monat Juni Einblicke in den Schaffensprozess geben und die enstandenen Werke in der von der Art Bodensee kuratierten Einzelausstellung dem Publikum präsentieren. Das Art Bodensee Kulturquartier ist eine Präsentationsplattform der, sich im Einzugsgebiet des Bodensee befindenden Kulturinstitutionen des Fünf-Länder-Ecks Süddeutschland, Österreich, Norditalien/Südtirol, der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein. Hier erhalten die Aussteller je eine Wand, auf der sie eine bezeichnende Kunstarbeit, die die Institution repräsentiert, zeigen, um bspw. auf die jeweilige Ausstellung hinzuweisen.

https://artbodensee.messedornbirn.at

 

Im September starten die Galerien in Frankfurt und Stuttgart in die neue Saison. Der Stuttgarter Artalarm startet am 21. und 22. September. Die Frankfurter Galerien starten nach der Sommerpause traditionell mit einem Wochenende der offenen Türen in die neue Saison. Zum 25. Saisonstart Frankfurter Galerien vom 6. bis 9. September zeigen die teilnehmenden Galerien ausgewählte Positionen aus Ihrem Programm. 

www.art-alarm.de

www.frankfurt-saisonstart.de