KUNST AN RHEIN UND MAIN

Sehenswerte Ausstellungen im Überblick


 

Links: Titus Lerner „Maskenfall IV“, 2019, Acryl auf Leinwand, 280 x 190 cm

Mitte: Rudolf Stingel, Untitled, 2012, Öl und Emaille auf Leinwand, 300 x 242 cm (© Rudolf Stingel, Foto: Alessandro Zambianchi)

Rechts: Dietmar Brixy, „Passion“ 160 x 100 cm


In seiner großen Sonderausstellung „Titus Lerner. Retrospektive“ zeigt das Mittelrheinmueum Koblenz bis 15. September 

Werke des vielgestaltigen und vielschichtigen Künstlers. Titus Lerner (geb. 1954 in Hachenburg) studierte Bildende Kunst in Koblenz und Bonn. Seit 1978 ist er als freischaffender Künstler aktiv. Trat er zunächst als Grafiker und Plastiker an die Öffentlichkeit, kamen ab 1988 Gemälde hinzu, die heute den Schwerpunkt seines Schaffens bilden. Titus Lerner widmet sich fast ausschließlich dem figürlich gestalteten Menschenbild und hierbei besonders der Gestaltung von Köpfen und Gesichtern. Dabei bildet das Porträt die Ausnahme. Lerners Köpfe sind freie Schöpfungen, die aus vielfach übereinander geschichteten Pinselstrichen in meist leuchtenden Farben vor dunklem Hintergrund gewissermaßen erscheinen. Serien wie „Häutungen“, „Masken“ oder „Wohin mit den Göttern?“ umkreisen die Themen Identitätsfindung, Persönlichkeit und Rolle. Der Bildkosmos von Titus Lerner hat sich über die Jahre erweitert und verfeinert. Grund genug für das Mittelrhein-Museum, diesem bemerkenswert vielgestaltigen und vielschichtigen Künstler eine Retrospektive zu widmen. Zuletzt war er  vor längerer Zeit, im Jahr 2002, im Mittelrheinmuseum  zu sehen.  Die aktuelle Ausstellung blickt zurück auf alle Aspekte des Gesamtwerks, setzt jedoch den Schwerpunkt auf die Gemälde der letzten Jahre.

www.mittelrhein-museum.de

 

Das Landesmuseum Koblenz – Haus der Fotografie beschäftigt sich in seiner Wechselausstellung „Edel sei der Druck – Alte Fototechniken neu belebt“ noch bis zum 15.9. mit photographische Edeldruckverfahren. Die Techniken wurden überwiegend in der Blütezeit der Photographie, seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt und praktiziert. Im Bemühen, die Photographie als ebenbürtiges künstlerisches Gestaltungsmittel neben der Malerei zu stellen, verwendete man verschiedene Techniken zur Bildgestaltung. Dabei standen der künstlerische Ausdruck und die rein manuelle und individuelle Umsetzung im Vordergrund. Der Begriff „photographische Edeldruckverfahren“ rührt wohl daher, dass diese Bilder oftmals auch eine „edle“ Anmutung haben. Einige Verfahren werden heute nur noch unter erschwerten Bedingungen der Materialbeschaffung angewendet, auch wenn sie heute zunehmend von der digitalen Phototechnik verdrängt werden. Die Mitglieder der 1995 in Köln gegründeten Gesellschaft für photographische Edeldruckverfahren e.V. sammeln das Wissen der Techniken, um dieses Wissen praktizierbar für andere Künstler weiter zu geben.  Sie beschäftigen sich unter anderem mit Gummidrucken, Bromöldrucken (dem nassen Kollodiumverfahren) bis zur Daguerreotypie.

www.tor-zum-welterbe.de

 

Das Museum Tinguely in Basel und das Centre Pompidou-Metz präsentieren gleichzeitig zwei der Künstlerin Rebecca Horn gewidmete Ausstellungen. Damit bieten die beiden Institutionen ergänzende Einblicke in das Schaffen einer Künstlerin, die zu den aussergewöhnlichsten ihrer Generation gehört. Inspiration für Rebecca Horns Schaffen bildet stets der Körper und dessen Bewegungen. In der Präsentation Körperphantasien in Basel (noch bis 22.9.), die frühe performative Arbeiten und spätere kinetische Skulpturen kombiniert und so Entwicklungen innerhalb ihres Werks betont, stehen die Transformationsprozesse von Körper und Maschine im Mittelpunkt. Die Schau „Theater der Metamorphosen“ in Metz erkundet das vielfältige Thema der Verwandlung unter animistischen, surrealistischen und mechanistischen Gesichtspunkten und hebt insbesondere die Rolle des Films als eigentlich Bühne ihrer Skulpturen und so als Matrix ihres Schaffens hervor. 

www.tinguely.ch

 

Das Werk von Rudolf Stingel steht im Mittelpunkt einer großen Ausstellung in der Fondation Beyeler in Basel. Vom bis 6.10. sind Gemälde und ortsspezifische Werke aus Isolationsplatten und Teppich zu sehen. Von Beginn seiner Karriere in den späten 1980er-Jahren nähert sich Rudolf Stingel (*1956) in einer konzeptuellen und selbstreflexiven Weise der Malerei und erkundet deren Möglichkeiten und medienspezifische Grenzen im Wechselspiel der künstlerischen Verfahren, Materialien und Formen. Ausgehend von seiner Auseinandersetzung mit klassischen Bildthemen entwickelt er einen Reichtum motivischer Variationen. Neben verschiedenen Serien abstrakter und fotorealistischer Gemälde entstehen grossformatige Werke aus Styropor, aus Metall gegossene Bilder sowie mit Teppich oder mit reflektierenden, silbernen Isolationsplatten ausgekleidete Räume. Was all diese Werke ungeachtet ihrer materiellen Unterschiedlichkeit verbindet, sind die zufälligen oder bewusst gesetzten Spuren des Malerischen, die auf der Oberfläche in Erscheinung treten. Rudolf Stingel wurde 1956 in Meran (Italien) geboren und lebt seit 1987 hauptsächlich in New York. Er gehört zu den international anerkanntesten Malern seiner Generation.

www.fondationbeyeler.ch

 

Eine Retrospektive des Künstlers Heiner Schlesing zeigt das Pan Kunstforum Niederrhein bis zum 22. Dezember. Heiner Schlesing ist zwischen den zwei Weltkriegen aufgewachsen. Sein Werk bleibt unberührt von den neuen Strömungen in der Kunst und seine frühen Arbeiten, die nur in geringem Umfang vorhanden sind, und dem daraus sich entwickelnden Spätwerk, weisen Parallelen zu den Rheinischen Expresionisten August Macke und Heinrich Campendonk auf. Die prismatische Brechung der Formen zeigt eine Analogie zu den Arbeiten des amerikanischen Malers Lyonel Feininger. Eine Annäherung an den Kubismus ist nicht zu verneinen. Heiner Schlesing entwickelte seinen eigenen Stil und oblag nicht der Versuchung der Nachahmung. Er selbst beurteilte seine Kunst wie folgt: „Ich glaube, ich habe ein paar anständige Bilder gemalt.“

www.pan-forum.de

 

Das Leben und Schaffen des Künstlers Dietmar Brixy steht als Synonym für echte Leidenschaft, die Kunstliebhaber seit vielen Jahren weit über die Grenzen Deutschlands hinaus begeistert. Nach 15 Jahren erfolgreichen Schaffens im Alten Pumpwerk in Mannheim-Neckarau ist es Zeit für Brixy innezuhalten – einen Blick zurückzuwerfen, die Vergangenheit Revue passieren zu lassen und Bestehendes zu feiern. Vom 20. September bis 12. Oktober präsentiert er in seinem Künstlerhaus die Ausstellung mit dem programmatischen Titel „Brixy Passion“. Ob im runden oder eckigen Format, immer wieder entstehen fulminante Erlebniswelten, die stets zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion zu changieren scheinen. Seit 2004 öffnen Dietmar Brixy und David Richardson ihr Reich im Alten Pumpwerk der kunstinteressierten Öffentlichkeit. Der Geheimtipp in Mannheims Süden ist für viele Kunstliebhaber indes zum Pflichttermin avanciert. Während des Ausstellungsbetriebs wird das Atelier freigeräumt und nimmt – in Zusammenschau mit dem Präsentationsraum – musealen Charakter an. In diesem Jahr werden zu den neuen Werken von Dietmar Brixy ergänzend große Cortenstahlskulpturen von Thomas Röthel zu sehen sein, die sich in Brixys Welt behaupten und in einen kongenialen Dialog mit ihr treten werden.

www.brixy.de