Der Blick für das Besondere

Juwelen der Kunstlandschaft – Eine Übersicht sehenswerter Präsentationen/ Von Heiko Klaas & Nicole Büsing

 

Links:Gerhard Marcks: „Porträtkopf Alfred Partikel“, 1931, Bronze, Höhe: 32 cm, Privatbesitz, Kunstmuseum Ahrenshoop

Rechts: Lyonel Feininger, „Selbstbildnis mit Tonpfeife“, 1910, Öl auf Leinwand, 615 x 510 mm, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt – Lyonel-Feininger-Galerie (Foto: Hans-Wulf Kunze, Magdeburg, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019)


Galerien mit hohem Anspruch, die mit großem Engagement das Erbe der oftmals unterschätzten DDR-Moderne pflegen. Architektonisch innovativ renovierte Schlossmuseen mit erlesenen Raritäten in ihrer Sammlung. Kleinstadtmuseen mit verborgenen Schätzen von Klassikern der Moderne: Auch abseits der ausgetretenen Pfade und jenseits der publikumsträchtigen Blockbuster-Ausstellungen gibt es über das ganze Land verteilt viele kleine, feine Kunstorte, die es noch zu entdecken gilt. Die ZEITKUNST hat einige „Juwelen der Kunstlandschaft“ zusammengestellt.   

 

Künstler hat es schon immer an besonders reizvolle Orte gezogen. Das Künstlerdorf Ahrenshoop an der Ostsee blickt auf eine mehr als 120-jährige Geschichte zurück. Seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts haben sich immer wieder namhafte Künstler in diesen kleinen Ort auf der landschaftlich charakteristischen Halbinsel Fischland-Darß-Zingst begeben. Sie zogen sich in die Künstlerkolonie zurück, um jenseits der lauten Großstadt zu arbeiten oder sich vor der Verfolgung durch das NS-Regime und die DDR-Kulturpolitik zu schützen. Oftmals haben sie ihre eigenen Häuser errichtet. Zu den berühmten Künstlern, die in Ahrenshoop Station machten, zählen Erich Heckel, Alexej von Jawlensky, Lyonel Feininger, Ernst Wilhelm Nay, Werner Gilles sowie der Bildhauer Gerhard Marcks und der Maler Alfred Partikel. Die beiden Letzteren verband eine fast lebenslange Künstlerfreundschaft, die auf ihre gemeinsame Zeit in Berlin vor dem Ersten Weltkrieg zurück ging. Noch bis zum 8. September zeigt das Kunstmuseum Ahrenshoop die Ausstellung „Gerhard Marcks und Alfred Partikel: Eine Künstlerfreundschaft in Ahrenshoop“. Beleuchtet wird die Beziehung zwischen dem Bauhaus-Künstler Gerhard Marcks (1889-1981) und dem fast gleich alten Maler Alfred Partikel (1888-1945), der in den 1920er Jahren sein Haus in der Ahrenshooper Dorfstraße errichtet hatte. Marcks war damals gerade als Professor vom Weimarer Bauhaus an die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle übergewechselt und besuchte die Familie Partikel an der Ostsee regelmäßig. 1930 erwarb der Bildhauer dann sein eigenes Haus im benachbarten Niehagen und zog sich nach der Zerstörung seiner Berliner Atelierwohnung 1943 ganz nach Fischland zurück. Die Ausstellung im Kunstmuseum Ahrenshoop legt den Schwerpunkt auf die gegenseitige Befruchtung der beiden Künstlerfreunde an ihrem selbst gewählten Rückzugsort. 

www.kunstmuseum-ahrenshoop.de

 

Künstlerfamilien haben einen besonderen Stellenwert in der Kunstgeschichte. So zum Beispiel die deutsch-amerikanische Familie Feininger, die 1937 gezwungen war, in die USA zu emigrieren. Lyonel Feininger (1871-1956) wurde im Jahr 1919 als erster Bauhaus-Meister nach Weimar berufen. Unterstützung in seiner Künstlerkarriere erfuhr er auch durch seine Frau Julia, die – ganz modern – als seine Managerin agierte. Es ist dem Quedlinburger Sammler Dr. Hermann Klumpp (1902-1987) zu verdanken, dass ein großer Teil des Werks der Feiningers, der vor der Auswanderung in Deutschland entstand, einer großen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte. Der Freund der Künstlerfamilie bewahrte die vom NS-Regime als „entartet“ diffamierten Artefakte sorgsam auf. 1986 wurde in der Stadt Quedlinburg im Harz die Lyonel-Feininger-Galerie eröffnet. Grundlage für dieses im Jahr 2014 zum „Museum für grafische Kunst“ ausgebaute Haus ist die Sammlung des Juristen und am Bauhaus in Dessau zum Architekten ausgebildeten Dr. Hermann Klumpp. Die Sammlung mit dem weltweit größten Einzelbestand an Druckgrafik Feiningers wird in einer Dauerausstellung präsentiert, die nach umfangreichen Bauarbeiten seit dem 1. Mai wieder ganzjährig geöffnet ist. Am 24. Mai eröffnet dann die Ausstellung „Die Feiningers. Ein Familienbild zum Bauhaus“, in der der Aufbruch in die Moderne am Beispiel der Künstlerfamilie sichtbar gemacht wird. Werke des Zeichners, Malers und Komponisten Lyonel stehen unter anderem im Dialog mit den beeindruckenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen seines Sohnes Andreas, der in New York als Fotograf Weltruhm erlangte.

www.feininger-galerie.de

 

Die Kunstsammlungen Chemnitz mit ihren insgesamt rund 70.000 Exponaten gehen auf eine Vereinsgründung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Im Jahre 1909 konnte dann am Theaterplatz mit dem von Richard Möbius errichteten König-Albert-Museum erstmals ein eigenes Museumsgebäude eröffnet werden. Nach einer wechselvollen Geschichte bestehen die Kunstsammlungen Chemnitz heute aus vier Museen: dem zentralen Museum am Theaterplatz, dem Museum Gunzenhauser mit Werken der klassischen Moderne und der Nachkriegskunst, dem Schlossbergmuseum mit Objekten zur Stadtgeschichte von Chemnitz sowie dem 2001 eröffneten Henry van de Velde-Museum in der renovierten Villa Esche. Ein Kernstück der Museumssammlungen bilden rund 500 Werke des Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff. In der rund 28.000 Arbeiten auf Papier umfassenden Graphischen Sammlung befinden sich unter anderem herausragende Konvolute von Lyonel Feininger und dem DDR-Künstler Wolfgang Mattheuer. Weiterhin besitzt das Museum eine bedeutende Textil- und Kunstgewerbesammlung mit Textilien des 19. und 20. Jahrhunderts sowie eine der größten Strumpfsammlungen aus der Zeit um 1900. Die im Mai startende Ausstellung mit dem Titel „Bauhaus. Textil und Grafik“ basiert auf den reichhaltigen Sammlungsbeständen des Museums. Anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Bauhaus“ richtet die an Exponaten reiche Schau den Blick auf die Textilproduktion in den Webereien der Werkstätten am Bauhaus an den Standorten Weimar und Dessau. Diese Domäne war am männlich dominierten Bauhaus eher den Frauen vorbehalten. Grafisch gut gestaltete Werke von Textilkünstlerinnen wie Benita Koch-Otte, Otti Berger und Gertrud Arndt werden Grafiken und Fotografien von Vertretern des Bauhauses Weimar und dessen Umfeld wie Lyonel Feininger, Marianne Brandt, Max Pechstein oder Kurt Schwitters gegenübergestellt.

www.kunstsammlungen-chemnitz.de


Links: Gertrud Arndt, „Flügeldecke“, 1927, Doppelgewebe, Leinwandbindung,  Viskose, 203 x 120 cm, Kunstsammlungen Chemnitz

(Foto: bpk/Kunstsammlungen Chemnitz/May Voigt © VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

Rechts: Fritz Kuhr, „Unentrinnbar I“, 1954, Öl auf Presspappe, 120 x 70 cm, Salongalerie »Die Möwe«


In der Berliner Salongalerie „Die Möwe“ können Sammler und Kunstinteressierte immer wieder besondere Entdeckungen machen. Galeristin  Claudia Wall hat sich zusammen mit ihren qualifizierten Mitarbeiterinnen darauf spezialisiert, zu Unrecht vergessenen Künstlerinnen und Künstlern wieder neue Aufmerksamkeit zu verleihen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Werken der Klassischen Moderne und der Kunst nach 1945, und zwar insbesondere dem legendären Sturm-Kreis um Herwarth Walden, der 1918 gegründeten Novembergruppe sowie dem Bauhaus. Auch die aktuelle Ausstellung „Unentrinnbar. Der Bauhäusler Fritz Kuhr“ ist einem eher unbekannteren Schüler und Lehrer des Bauhauses gewidmet. Der in Lüttich geborene Fritz Kuhr (1899-1975) studierte ab 1924 am Bauhaus in Weimar und wurde dort Schüler von Paul Klee. Begegnungen mit László Moholy-Nagy und Wassily Kandinsky prägten ihn und regten ihn dazu an, sich neben der Malerei auch mit experimenteller Fotografie zu beschäftigen. Als er 1925 dem Bauhaus nach Dessau folgte, arbeitete er dort in der Werkstatt für Wandmalerei. Nach Fritz Kuhrs Entwürfen wurden das Atelier und die Wohnung des Bauhaus-Meisters Paul Klee in Dessau gestaltet. Im Jahr 1930, als die Nationalsozialisten führende politische Kraft in Dessau wurden und das Bauhaus schlossen, zog Fritz Kuhr nach Berlin, um dort als freischaffender Maler zu arbeiten. Bald wurde er jedoch als „entarteter Künstler“ diffamiert. Es folgten schwere Jahre der inneren Emigration und die Zerstörung vieler seiner Werke bei Bombenangriffen. Nach 1945 feierte Kuhr mit seinen strengen und abstrahierenden Bildern internationale Erfolge. Die Salongalerie „Die Möwe“ arbeitete für die beachtenswerte Ausstellung eng mit den Nachlassverwaltern zusammen.

www.salongalerie-die-moewe.de

 

Das private Museum Stangenberg Merck unweit von Darmstadt wird gerne als „Gesamtkunstwerk“ bezeichnet. Es befindet sich im sogenannten „Haus auf der Höhe“, einer 1860 errichteten Villa in der Gemeinde Seeheim-Jugenheim an der Bergstraße. In dieser Villa, die 1904 von dem Reform-Architekten Heinrich Metzendorf umgebaut und erweitert wurde, wuchs die 1922 geborene Künstlerin Heidy Stangenberg-Merck auf. In den 1950er Jahren traf die in München ausgebildete Malerin und Bildhauerin den Münchner Lyriker, Musiker und Maler Karl Stangenberg. Die beiden wurden ein Paar. Der eingeheiratete Künstler Stangenberg investierte mit großer Leidenschaft in das Gebäude in Jugenheim, sanierte es über die Jahre und eröffnete hier schließlich im Jahr 2010 das Privatmuseum Stangenberg Merck. Grundlage der Museumssammlung ist das Werk seiner 2014 verstorbenen Frau Heidy Stangenberg-Merck. Erst kürzlich wurde Karl Stangenberg für sein kulturelles Engagement die Verdienstplakette der Gemeinde Seeheim-Jugenheim durch den Bürgermeister überreicht. Der 90-jährige Museumsbetreiber hat noch viel vor. Zur Zeit wird das Dachgeschoss der Villa ausgebaut. Die Museumsfläche soll von 600 auf 800 Quadratmeter erweitert werden. Statt drei wird es demnächst vier Etagen mit ausgewählten Exponaten geben. Die Eröffnung der Erweiterungsflächen soll spätestens im Herbst 2019 abgeschlossen werden. Damit wird zum 10-jährigen Jubiläum des Museums im Jahr 2020 das „Haus auf der Höhe“ noch einmal ganz neu aufgestellt sein. Wichtige Highlights des Jahres 2019 sind für das schmucke Privatmuseum die Teilnahme am Internationalen Museumstag am 19. Mai und  eine gemeinsame Kulturveranstaltung mit dem benachbarten Schloss Heiligenberg im Rahmen der „Jugenheimer Höhepunkte“ am 8. September. 

www.museum-jugenheim.info

 


Links: Benedict Fürstenfelder, Werk einer höfischen Prunkuhr, Friedberg um 1725, Museum im Wittelsbacher Schloss Friedberg

rechts: Gerta Overbeck-Schenk, Junges Mädchen, 1934, Öl auf Leinwand, 65 x 45 cm, Sammlung Frank Brabant, Wiesbaden,

Haus Ophedicke.


Mit einer Sammlung von rund 120.000 Exponaten auf mehr als 15.000 Quadratmetern ist das Museum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf in Schleswig einer der größten Museumskomplexe zwischen Hamburg und Kopenhagen. Zahlreiche Besucher kommen jedes Jahr auf die Schleswiger Museumsinsel, um die bedeutenden archäologischen Schätze, und den rekonstruierten Gottorfer Globus im wieder aufgebauten Barockgarten zu bewundern. Der begehbare Globus gilt als das erste Planetarium der Geschichte. Neben zahlreichen Wechselausstellungen gehört die permanent präsentierte Sammlung der Stiftung Rolf Horn zu den festen Größen auf Schloss Gottorf. Der gebürtige Kieler Kaufmann Rolf Horn (1913-1995) war in den 1950er und 1960er Jahren in Berlin als Unternehmer erfolgreich. Ihm gehörten unter anderen die eleganten Modehäuser Horn am Kurfürstendamm. Sein Geld investierte Rolf Horn vor allem in Kunst. Er baute über die Jahrzehnte eine beachtliche Sammlung mit Werken des deutschen Expressionismus auf. Die von vielen Umbrüchen und politischen Wandlungen geprägte Zeit zwischen 1905 und 1925 interessierte den Sammler besonders. So finden sich in seiner Sammlung Werke von Künstlern wie Emil Nolde, Ernst Barlach und Christian Rohlfs, die auch mit seiner norddeutschen Heimat verbunden sind. Sie werden flankiert von Gemälden und grafischen Hauptwerken von Käthe Kollwitz, Vertretern der Künstlergruppe „Brücke“, Max Beckmann und Alexej von Jawlensky. Die Sammlung der Stiftung Horn, die seit dem Tod des Sammlers im Jahr 1995 von seiner Frau Bettina fortgeführt wird, umfasst heute rund 450 Werke. Auf Schloss Gottorf sind zahlreiche Gemälde sowie ein großer Anteil von grafischen Arbeiten der Sammlung Rolf Horn dauerhaft ausgestellt.

www.schloss-gottorf.de

 

Ab dem 12. Mai ist es so weit. Nach einer mehrjährigen Sanierungsphase wird das Museum im Wittelsbacher Schloss in Friedberg unweit von Augsburg in neuem Design wiedereröffnet. Das renommierte Münchner Architekturbüro Atelier Hammerl & Dannenberg ist für die Neugestaltung des Schlossmuseums verantwortlich. Das Museum blickt auf eine über 130-jährige Geschichte zurück und zählt damit zu den frühesten Museumsgründungen Bayerns.  Das Atelier Hammerl & Dannenberg hat sich auf das Design von Museumssammlungen und Ausstellungen spezialisiert. So haben sie unter anderem Ausstellungsdesigns und  Gestaltungskonzepte für das Museum Brandhorst und die Neue Pinakothek in München entwickelt. Für das Museum im Wittelsbacher Schloss entwarfen sie jetzt eine zarte Farbgebung und sie schufen neue Durchblicke, um kleine Räume effektvoll in Szene zu setzen. Zu den Höhepunkten der Sammlung zählen die Friedberger Uhren. Vom 16. bis Anfang des 19. Jahrhunderts war die Stadt Friedberg ein Zentrum der Uhrmacherei. Friedberger Uhren wurden unter anderem nach Österreich, in die Republik Venedig und  das Osmanische Reich exportiert. Neben der Uhrenherstellung ist Friedberg auch für seine Fayencen bekannt. Hergestellt in einer Manufaktur in den Räumen des Friedberger Schlosses, die der Kurfürst von Bayern Maximilian III. Joseph ab 1754 für nur kurze Zeit einrichten ließ, sind diese Tonwaren mit weiß deckender Glasur eine echte Rarität. Außerdem im Wittelsbacher Schloss zu besichtigen: bedeutsame Funde aus der Stein- und Bronzezeit in der Abteilung Archäologie und eine Vitrinen-Landschaft im Erdgeschoss mit wertvollen Exponaten sakraler Kunst. Die Stadt Friedberg ist bei Pilgern sehr beliebt, denn sie verfügt über drei Wallfahrtskirchen. Der Schauerromantik verhaftete Buchillustrationen des lokalen Künstlers Fritz Schwimbeck und Werke des Friedberger Grafikers Reinhart Heinsdorff, dem Gestalter der Zwei-Mark-Stücke, runden die Sammlung ab. 

www.wittelsbacher-schloss-friedberg.de

 

Zwei beeindruckende Baudenkmäler im nordrhein-westfälischen Kreis Unna laden nicht nur zu Ausflügen und Radtouren ein, sondern locken auch als Ausstellungsorte mit viel beachteten Wechselpräsentationen jedes Jahr zahlreiche Besucher an. Da ist einmal das Haus Opherdicke, ein Wasserschloss und ehemaliges Rittergut im Holzwickeder Ortsteil Opherdicke. Der Kreis Unna hat das von einem Wassergraben umschlossene, historische Gebäude, dessen Wurzeln bis in das 12. Jahrhundert zurückreichen, Anfang der 1980er Jahre erworben. In den Jahren 2010 und 2011 wurde das Haupthaus umfangreich saniert. Seitdem finden im ersten Obergeschoss regelmäßig Ausstellungen statt. Noch bis zum 18. August ist hier die thematische Gruppenausstellung „Die Neue Frau – Künstlerinnen der Avantgarde“ zu sehen. Ausgehend von dem großen politischen und gesellschaftlichen Umbruch im Jahr 1919, als das Frauenwahlrecht in Deutschland eingeführt wurde und Frauen erstmals Zugang zu Kunsthochschulen erhielten, zeigt die von Arne Reimann und Sally Müller kuratierte Schau Werke von 24 Künstlerinnen der Avantgarde. Das Thema der Frau als Künstlerin wird von den damals wirkenden Künstlerinnen wie Hannah Höch, Elfriede Lohse-Wächtler, Paula Modersohn-Becker, Jeanne Mammen oder Gabriele Münter in verschiedenen Medien wie Druckgrafik, Malerei und Skulptur höchst unterschiedlich aufgegriffen. Kontrastprogramm: In der 1148 vollendeten Stiftskirche von Schloss Cappenberg wird am 12. Mai eine Ausstellung des Bildhauers Joachim Karsch eröffnet. Sie trägt den Titel „Beseelte Bronzen“ und versammelt Kopf- und Ganzkörperplastiken des 1897 in Schlesien geborenen Bildhauers und Grafikers. Ein Großteil des Werks des figurativ arbeitenden Postexpressionisten wurde vernichtet oder zerstört. Sein Sohn Florian Karsch (1925-2015), langjähriger Inhaber der Berliner Galerie Nierendorf, trug den verbliebenen Nachlass des 1945 nach verheerenden Kriegserlebnissen durch eigene Hand aus dem Leben geschiedenen Bildhauers nach und nach wieder zusammen. Sein Werk ist jetzt im Kreis Unna neu zu entdecken.

www.kreis-unna.de

 

Im Jahr 2019 wird das 100-jährige Jubiläum des in Thüringen gegründeten Bauhauses gefeiert. Grund genug auch für die Kunstsammlung Gera, sich in ihrer aktuellen Wechselausstellung in der Orangerie mit einem Bauhaus-Künstler zu beschäftigen. Die Bauhaus-Spezialistin Claudia Tittel hat unter dem Titel „Intermediale Experimente am Bauhaus. Kurt Schmidt und die Synthese der Künste“ ein komplexes Ausstellungsprojekt kuratiert, in dessen Mittelpunkt der 1991 in Gera verstorbene Bauhaus-Künstler Kurt Schmidt steht. Noch zu Lebzeiten hat der 1901 im sächsischen Limbach geborene Oskar Schlemmer-Schüler seinen Nachlass der Kunstsammlung Gera überlassen. 1923 entwickelte Kurt Schmidt sein Hauptwerk, das „Mechanische Ballett“, ein frühes, revolutionäres Stück der Bauhausbühne. Hier verbindet sich eine neue abstrakte Bildsprache mit der Begeisterung für die Technifizierung der Welt in einem Tanzstück, das  auf den Konstruktionsprinzipien der Maschinenwelt basiert. Für die Ausstellung wurden zahlreiche Werke Kurt Schmidts aus dem Bestand der Kunstsammlung Gera neu aufbereitet. Sie werden teils erstmals öffentlich präsentiert. Kurt Schmidts Œuvre wird hier auch im Zusammenspiel mit anderen großen Künstlerpersönlichkeiten des Bauhauses wie Oskar Schlemmer, László Moholy-Nagy oder Wassily Kandinsky präsentiert. Zu sehen sind insgesamt 127 Exponate, davon 55 Malereien auf Papier, 42 Zeichnungen, sechs Experimentalfilme, sieben Bauhaus-Marionetten sowie Arbeiten in anderen Medien. Zur Ausstellung erscheint ein 300-seitiger, wissenschaftlich erarbeiteter Katalog. Die Basis der seit 1972 in der Orangerie präsentierten Kunstsammlung Gera bilden knapp 11.000 Objekte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. In den temporären Ausstellungen in der im 18. Jahrhundert errichteten Orangerie werden ausgewählte Werke aus der Sammlung stets um hochkarätige Leihgaben ergänzt. Als zweites Ausstellungshaus betreibt die Kunstsammlung Gera seit 1991 auch das Otto-Dix-Haus.

www.gera.de/kunstsammlung