Licht an, Ton an, Augen auf

Aktuelle Ausstellungshighlights zur Installationskunst/ Von Elena Zompi


Links: Vorne: Lee Bul, „Titan“, 2013, Hinten: Lee Bul,„Willing To Be Vulnerable – Metalized Balloon“, 2015–2016, 

Ausstellungsansicht „Lee Bul: Crash“, Gropius Bau. (Foto: Mathias Völzke)

Rechts: Bernhard Rogi, „Der Italiener (the cow)“, 2011 (Foto: Frank Vinken)


Seit den 1970er-Jahren bezeichnet der Begriff „Installationskunst“ raumgreifende, ortsgebundene und oft auch orts- oder situationsbezogene dreidimensionale Kunstwerke. Die Geschichte dieser Kunstrichtung liegt jedoch schon in den späten 50er-, frühen 60er-Jahren, als die Entgrenzungstendenzen von Malerei und Skulptur dazu führten, dass die Künstler den ganzen Raum bearbeiteten. Genau diese Grenzen kennt die Installationskunst nicht. Ob Licht, Klang oder Video – mit ihr ist scheinbar alles möglich. Zeitkunst stellt Ihnen zahlreiche Ausstellungen mit spannenden Installationen vor. 

 

„Meine Arbeiten sind wie Reisen an einen anderen Ort, in eine andere Zeit(…). Es ist wie bei einem Diorama: Man macht eine Reise, aber es ist immer dieselbe Aussicht, derselbe Ort.“ So beschreibt die koreanische Künstlerin Lee Bul, deren Werke im Martin Gropius Bau in Berlin gezeigt werden, ihre Arbeiten selbst. Der Gropius Bau fungiert nicht nur als Ort, sondern auch als Inspiration für diese Reise, die den Ausstellungstitel „Crash“ trägt. Eingebettet in die Geschichte des Gebäudes, an dessen Nordseite entlang die Berliner Mauer errichtet wurde, beleuchtet die Schau nicht nur den Einfluss, den die Teilung Koreas und die Zeit der Diktatur auf Lee Buls Schaffen hatten, sondern auch, wie emotionale Topografien in utopischen architektonischen Visionen widergespiegelt werden. Während ihres nunmehr 30-jährigen künstlerischen Schaffens hat Lee Bul die Entwicklung Südkoreas von einer Militärdiktatur zur Demokratie in ständiger Konfrontation mit dem nur wenige Kilometer entfernten Nordkorea miterlebt. Ihre Arbeiten zeugen von einer intensiven Reflexion historischer und politischer Diskurse, den Herausforderungen von Globalisierung und technischem Fortschritt, aber auch von dem Streben nach Idealen menschlicher und gesellschaftlicher Vollkommenheit und deren potentiellem Scheitern. So erinnert beispielsweise die 17 Meter lange Skulptur „Willing To Be Vulnerable – Metalized Balloon“ an den Zeppelin Hindenburg und nimmt auf dessen Absturz 1937 Bezug. Die Arbeit ist gleichermaßen ehrgeizig wie optimistisch und spiegelt technisches Versagen, Zertrümmerung und Zerstörung aber auch die Anspannung, die allen Versuchen des utopischen Idealismus zugrunde liegt. Lee Buls Installationen werden noch bis zum 13. Januar 2019 gezeigt.

www.berlinerfestspiele.de

 

Ein bisschen Licht in die „dunkle Jahreszeit“ bringen – unter diesem Motto präsentiert die Galerie Linde Hollinger bis zum 26. Januar „Leuch_kraft“, eine Ausstellung mit Werken dreier Künstlerinnen, die sich mit Licht, Farbe, Material und Raum beschäftigen. Der Tenor der Präsentation ist die visuelle Wahrnehmung des immateriellen Lichts, das im Zusammenspiel mit ausgewählten Materialien zu Farbe und damit zum bildgebenden Bestandteil der raumbezogenen, künstlerischen Arbeiten wird. Der begehbare Farbraum der Schau wurde von Monika Falke mit Organzastreifen gestaltet. Die leichten Stoffbahnen hängen von der Decke bis zum Boden.

Verschiedene Farben, Licht und Schatten, Ruhe und Bewegung, Opazität und Transparenz sind charakteristisch für dieses dreidimensionale abstrakte Farbgemälde. Je nach Situation und Standpunkt ist es sowohl von innen als auch von außen unterschiedlich visuell wahrnehmbar und physisch erlebbar. Die Wandobjekte und Installationen der Künstlerin Dorothea Reese-Heims sind Kombinationen verschiedener Materialien. Die wesentlichen Gestaltungsmerkmale ihrer Werke sind die Linie, die Fläche, die räumliche Konstruktion und bei manchen Werkgruppen auch das Licht. 

Die dritte Kunstschaffende, deren Werke präsentiert werden, ist Regine Schumann. Ihre Bildobjekte und Bodenarbeiten beginnen zu leuchten, sobald ihnen Lichtenergie zugeführt wird.  Die industriell eingefärbten Werkstoffe geben ein Farbspektrum vor, aus dem die Künstlerin auswählt und intuitiv kombiniert. Ihre ganze Leuchtkraft entfalten Regine Schumanns Arbeiten immer dann, wenn sie ultraviolettem Licht ausgesetzt werden und sie sich in stark leuchtende, raumgreifende Farbkörper verwandeln.

www.galerielindehollinger.de

 



Mit „Excess“ steht im Zentrum für internationale Lichtkunst Unna mit Bernhardí Roig einer der derzeit wichtigsten Vertreter der spanischen Gegenwartskunst im Fokus. Bis zum 14. April 2019 werden dort seine großformatigen Licht-Installationen gezeigt, die eine kritische Perspektive auf den Menschen im Konflikt mit seinen – meist medialen – Einflüssen eröffnen. Aus Polyesterharz bestehende menschliche Skulpturen in Kombination mit Leuchtstoffröhren stehen in Roigs Œuvre charakteristisch für dieses Motiv und bilden gleichfalls den Schwerpunkt der Ausstellung. So stehen beispielsweise männliche Kunstharzkörper an Wänden und Türen, überflutet und gleichzeitig eingesperrt von grellem Neonlicht. An anderer Stelle schleift eine ansonsten völlig isolierte Figur Licht in Form von schweren Bündeln aus Leuchtstoffröhren hinter sich her. Eine weitere droht von ähnlich gleißenden Röhren fast erschlagen zu werden. In den Hauptausstellungsräumen werden sechs große Skulpturen gezeigt, weitere Arbeiten stehen an unerwarteten Stellen im Museum. Zusätzlich entwickelt der Künstler eine ortsspezifische Arbeit eigens für die Räumlichkeiten in Unna. 

www.lichtkunst-unna.de

 

Der diesjährige Sprengel-Preis ehrt die Künstlerin Delia Jürgens, die in situationsbezogenen Arbeiten durch ihren spezifischen Einsatz von Werkstoffen und Bildern die Ambivalenz unserer aktuellen analogen wie digitalen Lebenswirklichkeiten thematisiert. Durch die Schichtung von virtuellen Bildern und vielfältigen Materialien entstehen hybride Strukturen, die digitale und physische Realitäten ansprechen. Die Künstlerin setzt dabei verschiedene Medien und Materialien von Stein, Metall und Papier bis hin zu medialen Bildern und Verfahren wie Fotografien, Scans und Bildverarbeitungsprogrammen ein. Bis zum 17. Februar 2019 zeigt das Sprengelmuseum Hannover unter dem Ausstellungstitel „The Future is but a Second away“, der die Zeitlichkeit der in Licht, Material und Wahrnehmung veränderlichen Situation betont, die Werke seiner Preisträgerin. Die Jury konnte Jürgens besonders durch die komplexen Konstellationen ihrer Installationen, mit denen sie Räumlichkeiten durchzieht, überzeugen. „Die Künstlerin versucht mit ihren Arbeiten den Ambivalenzen unserer Außenwelt angemessene Ausdrucksformen zu geben“, so die Jury.

www.sprengel-museum.de

 

Ab dem 19. Januar 2019 zeigt das Kunstkraftwerk Leipzig anlässlich des 500. Todestages von Leonardo da Vinci die Ausstellung „Leonardo da Vinci – Raffael – Michelangelo. Giganten der Renaissance“. Die Fresken von Michelangelo aus der Sixtinischen Kapelle bestaunen, am Abendmahltisch von da Vinci stehen, oder Raffaels Madonnen in die Augen schauen – all das ermöglicht die Video- und Klanginstallation, die erstmals in Deutschland zu sehen ist. Auf einer Fläche von 7000 Quadratmetern kann sich das Publikum digital und interaktiv in die weltbekannten Kunstwerke vertiefen. Mit der Darstellung zahlreicher Arbeiten werden Leonardo da Vinci, Michelangelo und Raffael nicht nur als Künstler, sondern auch als Architekten, Wissenschaftler und Erfinder gewürdigt. Ähnlich wie in den berühmten Steinbrüchen der Carrières de Lumières in Südfrankreich, wo die Installation uraufgeführt wurde, spielt das Ambiente auch in Leipzig eine große Rolle: Die Kunst tritt in spannungsvollen Kontrast zu der Industriehalle – einem ehemaligen Kraftwerk – zugleich verschmilzt sie mit ihr und dem Publikum. Die Bilder wachsen in riesiger Auflösung an den bis zu acht Meter hohen Wänden und Säulen empor, die Besucher werden Teil der Kunst.

 

www.kunstkraftwerk-leipzig.com 

Monika Falke, „Moonlight II“, 2018,  Textil-Installation, ca. 150 x 450 x 300 cm.