Grafik, Comic, DRUCK

Ein Überblick aktueller Ausstellungen mit sehenswerten Künstler und bekannten Figuren

Links: Heidy Stangenberg-Merck,  „Nachmittag“, Linolschnitt, 1968

Mitte: Der Struwwelpeter in seiner bekannten Gestalt (© Heinrich Hoffmann)

Rechts: Max Ernst, „L´Origine de la Pendule“, in: „Histoire Naturelle“, 1926 (  Foto: Achim Banck © VG-Bildkunst, Bonn 2019)


Das Museum Stangenberg Merck befindet sich 12 Kilometer südlich von Darmstadt, in einer 1860 erbauten und 1904 vom damaligen Star-Architekten Prof. Metzendorf erweiterten Villa, dem „Haus auf der Höhe“. Das Museum erstreckt sich über 3 Etagen mit rund 600 qm und beherbergt vor allem das Werk der Malerin Heidy Stangenberg-Merck, die in diesem Haus aufgewachsen ist.  Einige Räume zeigen Werke ihrer Mutter Marietta Merck und von Karl Stangenberg. In der aktuellen Ausstellung „Heidy Stangenberg-Merck: Die Grafiken“ widmet sich das Museum bis Juni 2020 dem grafischen Werk der Künstlerin. Heidy Stangenberg-Merck wurde vorrangig als Malerin des griechischen Landlebens bekannt, das sie vor allem in Öl und Tempera authentisch und doch ganz speziell einzufangen vermochte. Daneben widmete sie sich in ihrer langen Schaffenszeit auch den grafischen Techniken, insbesondere der Radierung, und führte ab den späten Sechzigern eine eigene Druckwerkstatt. Die nun ausgestellten Radierungen, Linol- und Holzschnitte und Monotypien der Sammlung Stangenberg Merck zeugen von der versierten Vielseitigkeit der Künstlerin, die aber selbst in Erprobung neuer Techniken ihrem eigenen Stil treu blieb. Inhaltlich konzentriert sich Stangenberg-Merck auf das Wesentliche, bemüht um Objektivierung ihrer Erfahrungs- und Vorstellungswelt. 

www.museum-jugenheim.de

 

„Sieh einmal hier steht er, Pfui! der Struwwelpeter!“ Viele Kinder sind mit diesem Satz, der die Erzählung vom Struwwelpeter einleitet, groß geworden. 1844 erfindet der Arzt Dr. Heinrich Hoffmann nicht nur die Geschichte vom Jungen, der sich weder die Haare kämmen noch seine Nägel schneiden lässt, sondern erdenkt zahlreiche weitere Figuren in diesem Stil. Neben Suppenkaspar und Hanns Guck-in-die-Luft prägt auch der Zappel-Philipp bis heute den deutschen Sprachgebrauch. Das Buch inspiriert seit 175 Jahren Künstler zu eigenen Varianten dieses Klassikers. Überall lassen sich der Struwwelpeter, aber auch Paulinchen, Konrad, Hanns und Friederich wiederfinden – mal auf den ersten Blick, mal nach intensiver Betrachtung. Die Bildthemen sind bis heute hochaktuell und teilweise politisch. In der Ausstellung „Der Struwwelpeter. Zappel-Philipp, Paulinchen und Hanns Guck-in-die-Luft – Zwischen Faszination und Kinderschreck von Hoffmann bis Böhmermann“ veranschaulichen mehr als 200 Zeichnungen, Illustrationen, Gemälde, Bücher und Objekte unter anderem aus der facettenreichen und internationalen Sammlung Sauer die Geschichte und Entwicklung des Themas bis heute. Vom Alltagsbezug zeugen zusätzlich kuriose Objekte, Merchandise und Schallplatten. Ein eigener Ausstellungsbereich zeichnet Hoffmanns Porträt nach und zeigt sein Wirken im Kontext mit dem Biedermeier. Wie aus dem Urstruwwelpeter der uns allen bekannte Struwwelpeter wurde und was Darth Vader oder Mark Twain damit zu tun haben, zeigt die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen vom 22. September bis 12. Januar 2020.

www.ludwiggalerie.de

 

Der als „Art Déco“ bezeichneten Stilepoche widmet sich das Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur Hannover mit der Ausstellung „Art Déco Grafikdesign aus Paris“ vom 21. September bis 17. November. Die Stilepoche begann etwa 1910 in Paris und reichte bis in die 1930er-Jahre. Grafikdesign erlebt in den 1920er-Jahren eine Blütezeit: Es kommt zu vielen neuen Entwicklungen, sei es in der Schriftgestaltung, im Layout oder in der Illustration. Vor allem die verschiedenen Bereiche der Werbung können sich nach dem Ersten Weltkrieg entfalten: Plakate der Jahre 1920 bis 1930 gehören zu den charakteristischen Ausdrucksformen des Art Déco und gelten international als Höhepunkt der Plakatgeschichte. Dazu Illustrationen, die in der Regel im innovativen Pochoir-Verfahren gedruckt werden, und Anzeigen für Zeitschriften. Da jede Zeitschrift eigene Zeichner beschäftigt, kommt es nicht selten vor, dass sich Anzeigen für dasselbe Produkt in den diversen Zeitschriften unterscheiden. Die Ausstellung zeigt anhand zahlreicher erstklassiger Exponate die vielfältigen Ausdrucksformen des „Art Deco“.

www.karikatur-museum.de

 

In die rätselhafte und zauberhafte Welt der Natur im Werk von Max Ernst können Besucher der Ausstellung "Blättersitten & Muschelblumen - Max Ernst und die Erfindung der Natur" bis 22. Dezember in der Herbert Gerisch-Stiftung Neumünster eintauchen. Am Anfgang steht seine Folge der „Histoire Naturelle“ von 1926, in der er in 34 Blättern nach Frottagen seine Erfindungen einer surrealistisch inspirierten Welt voller merkwürdiger Wesen vorstellte. In teils großformatigen, grafischen Werken - Zeichnungen, Radierungen, Kupferstichen, Lithographien, Fotolithogra-

phien - hat Ernst das Thema seit den späten 1940er Jahren weiter verfolgt. Versteinerte Wälder, kalte Sonnen und Fabelwesen finden sich da in teils strahlender Farbigkeit bis in die 1970er Jahre. Und auch in seinen späten Skulpturen hat der Künstler diese seine eigene Welt personifiziert.

www.gerisch-stiftung.de

 

Kolorierte Zeichnungen, Comicfolgen, abstrakte Gemälde bis hin zu populären Druckgrafiken und Objekten des französischen Comiczeichners Mœbius zeigt das Max Ernst Museum Brühl des LVR ab dem 15. September. Die Schau ist die in Deutschland bislang umfangreichste Ausstellung des französischen Comiczeichners und Szenaristen Jean Giraud (1938–2012), der unter dem Namen Mœbius international bekannt geworden ist. Mœbius erforschte die Sphären der Träume und der Science-Fiction und inspirierte zahlreiche Filme etwa von George Lucas, Ridley Scott oder Hayao Miyazaki. Bei ihm verschwimmen die Grenzen zwischen Comicstrip und bildender Kunst. In seinen Geschichten treffen utopische Architekturen und futuristische Megametropolen auf Wüstenlandschaften und schamanistische Reisen durch Raum und Zeit. Die Ausstellung widmet sich dem umfangreichen Werk des Künstlers in thematisch gegliederten Bereichen. In der Retrospektive „Mœbius“ sind rund 450 Werke des Künstlers zu sehen.

www.maxernstmuseum.lvr.de

 

Hans Traxler hat die „Neue Frankfurter Schule“ und die Satiremagazine Pardon und Titanic mitbegründet, Helmut Kohl als „Birne“ verewigt und die Elch-Skulptur vor dem Caricatura Museum geschaffen – als Künstler ist Hans Traxler ein ganz eigenes Monument. Die Zahl seiner Buchveröffentlichungen, Zeitschriftenbeiträge und Illustrationsarbeiten sprengt jedes vernünftige Maß, die seiner Verdienste und Auszeichnungen sämtliche Dimensionen. Robert Gernhardt nannte ihn einen „Cartoonisten der Weltklasse“. Das Caricatura Museum in Frankfurt gibt mit der Ausstellung „Hans Traxler: zum Neunzigsten“ bis 22. September einen umfassenden Rückblick über das Werk des Künstlers. Gezeigt wird das zeichnerische, malerische und schriftstellerische Werk in seiner ganzen Vielfalt.

www.caricatura-museum.de