Going South

Ausstellungen, Sammlungen und Projekte in Süddeutschland / Von Katrin Neuwirth


Links: Füsun Onur, „Die dritte Dimension in der Malerei – Komm herein“ (Detail), 1981/2014, Vehbi Koç  Foundation Contemporary Art Collection, Istanbul, Neues Museum Nürnberg (Foto: Neues Museum (Annette Kradisch)

Rechts: Ludwig Großmann, 1988-92, Gouache, 22 x 23,5 cm (43 x 53cm), Galerie Artlantis


Wer in seinem Urlaub Erholung in der Natur sucht, der muss nicht immer in die Ferne reisen. So bietet beispielsweise der Süden Deutschlands Einheimischen und Touristen ganz zauberhafte Orte mit urigem Charme. Neben dem Schwarzwald und dem Bayrischen Wald bieten auch der Chiemsee und Bodensee Besuchern landschaftliche Besonderheiten. Doch Süddeutschland ist nicht nur aufgrund seiner Wälder, Seen und sonstigen Oasen in der Natur einen Besuch wert, sondern auch kulturell hat die Region einiges aufzuweisen. ZEITKUNST stellt Ihnen spannende Ausstellungen in Städten wie München, Stuttgart oder Nürnberg vor. 

 

München ist für seine historischen Bauten wie das neugotische Neue Rathaus am zentralen Marienplatz sowie das jährlich stattfindende Oktoberfest und seine Bierhallen bekannt. Darüber hinaus sind in der bayerischen Landeshauptstadt viele herausragende Museen und Galerien beheimatet. Hier sind die Pinakotheken mit Sicherheit jedem Ortskundigen und -fremden ein Begriff. Die Alte Pinakothek, die Neue Pinakothek und die Pinakothek der Moderne befinden sich alle in der Barer Straße im Kunstareal München. In den Pinakotheken wie auch im Museum Brandhorst und in der Sammlung Schack werden die bedeutendsten Arbeiten des mehr als 30 000 Kunstwerke umfassenden Besitzes der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gelagert. In der Alten Pinakothek werden rund 700 Gemälde der europäischen Malerei vom 14. bis zum 18. Jahrhundert ausgestellt, wozu Meisterwerke von Albrecht Dürer, Peter Paul Rubens und Leo-

nardo da Vinci zählen. Die mehr als 6000 Werke, die die Neue Pinakothek beherbergt, zeigen die Entwicklung der europäischen Kunst von der Aufklärung bis zum Anbruch der Moderne über Klassizismus, Romantik, Jugendstil und Impressionismus. Die Pinakothek der Moderne widmet sich der Kunst, Grafik, Architektur und dem Design des 20. und 21. Jahrhunderts. Weitere attraktive Anlaufpunkte im Bereich der Kunst und Kultur finden Interessierte beim Lenbachhaus und Haus der Kunst sowie der Galerie Kronsbein und der Galerie Maulberger, die zu Münchens renommiertesten Galerien zählen. 

www.pinakothek.de



Eine weitere nennenswerte Münchner Galerie ist die Galerie Klüser. Die Geschichte der heute von Bernd Klüser und seiner Tochter Julia Klüser geleiteten Galerie reicht bis in das Jahr 1970 zurück. Damals arbeiteten Bernd Klüser und Jörg Schellmann eng mit Joseph Beuys zusammen. Sie verlegten Editionen des Künstlers und realisierten gemeinsame Ausstellungen, Projekte und Publikationen. Nachdem die Edition Schellmann & Klüser sowie 1978 die gleichnamige Galerie entstand, trennten sich 1985 beide Partner und Klüser eröffnete neue Räume in der Münchener Georgenstraße. Mittlerweile gibt es auch noch eine Dependance in der Münchner Türkenstraße. Von Beginn an präsentierte die Galerie Klüser international renommierte Künstler. Vom 7. Juni bis 28. Juli ist in beiden Räumlichkeiten die Ausstellung „Abstract/ion“ zu sehen. Die gezeigten Werke stammen von Künstlern wie Joseph Beuys, Tony Cragg, Paul Gauguin, Imi Knoebel, Henri Matisse, Gerhard Richter und Sean Scully. 

www.galerieklueser.de


Links: Sean Scully, „Landline Deep Blue“, 2018, Öl auf Aluminium, 101,6 x 88,9 cm, Galerie Klüser

Rechts: Mirko Reisser/DAIM, Kunstverein Villa Streccius


Neben München hat auch Stuttgart kulturell einiges zu bieten. So ist die Hauptstadt Baden-Württembergs nicht nur der Sitz von Mercedes-Benz und Porsche und verfügt über zahlreiche Parks, sondern erfreut Kulturinteressierte etwa mit dem Kunstmuseum Stuttgart und der Staatsgalerie Stuttgart. Die renommierte Sammlung des Kunstmuseum Stuttgart umfasst circa 15 000 Exponate, die vor allem dem Schwäbischen Impressionismus, der Stuttgarter Avantgarde, der Konkreten Kunst und der Zeitgenössischen Kunst zuzuordnen sind. Hier sind unter anderem Künstler wie Willi Baumeister, Adolf Hölzel, Otto Dix, Dieter Roth und Fritz Winter besonders erwähnenswert. Das auf dem Schlossplatz gelegene Kunstmuseum Stuttgart veranstaltet in regelmäßigen Abständen thematische und monografische Sonderschauen. Zudem präsentiert das Haus in der „Frischzelle“ junge zeitgenössische Kunst und lädt immer wieder private und öffentliche Sammler ein, im Rahmen der „Sammlerreihe“ ihre Arbeiten in einer Ausstellung zu zeigen. In der noch bis 26. August dauernden Präsentation „Mixed Realities. Virtuelle und reale Welten in der Kunst“ setzen sich sechs Künstler mit Fragen und Anforderungen im Umgang mit digitalen Strategien wie „Virtual Reality“ (VR) und „Augmented Reality“ (AR) für die Kunst auseinander. Bei den Arbeiten von Tim Berresheim, Spiros Hadjidjanos, Daniel Steegmann Mangrané, Mélodie Mousset, Regina Silveira und The Swan Collective treffen digitale Verfahren auf traditionelle analoge Medien wie Malerei oder Skulptur. Eine weitere sehenswerte Ausstellung widmet sich dem Werk des deutsch-britischen Künstlers Tino Sehgal und ist vom 22. Juni bis 29. Juli im Kunstmuseum Stuttgart zu sehen. 

www.kunstmuseum-stuttgart.de

 

Die Galerie Artlantis, die in Stuttgart die Stadt-Galerie und den Schau-Raum betreibt, zeigt noch bis 25. August die Ausstellung „Ludwig Großmann – Arbeiten auf Papier und kleine Leinwände“. Der 1949 in Köln geborene Ludwig Großmann war Schüler von Gerhard Richter und hat sich auf das kleine Format fokussiert. In seinen Papierarbeiten und Collagen lassen sich Anlehnungen an Werke von Sigmar Polke, Joseph Beuys und Emil Schumacher erkennen. So erinnern die Raster und Bewegungslinien des Kunstschaffenden an diejenigen von Sigmar Polke, während man bei den dicken schwarzen und asphaltartigen Schichtungen an den künstlerischen Stil von Emil Schumacher denken muss. Die Zeichnungen des Künstlers weisen bezüglich des ausgesuchten Materials, der Montage und der Farbe Ähnlichkeiten mit den Werken von Joseph Beuys auf. Großmann sagte einmal selbst: „Wir Künstler dürfen nicht die Rolle spielen, in die andere uns drängen, schon gar nicht die des deutschen Künstlers. Wir sollten immer ‚wir selbst‘ sein, keine Repräsentanten unseres Landes oder des Kulturbetriebs.“ 

 

www.galerie-artlantis.eu



The Swan Collective, „Here We Are“ (Still), 2018 Stereoscopic 360°-animation, 4K, 4 min., Loop, Kunstmuseum Stuttgart 

(© The Swan Collective)