Frauen in der Kunst

Künstlerinnen im Fokus


Links: Paula Modersohn-Becker, „Selbstbildnis, frontal“, 1897, Aquarell, Paula Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen, Privatbesitz

Rechts:Wu Tsang, „One emerging from a point of view“, 2019, überlappende Zweikanal-Projektionen, 5.1 Surround Sound, 43 Min.


Die Selbstbildnisse Paula Modersohns-Beckers zählen zu den wicchtigsten Arbeiten der Künstlerin, die in keiner großen Ausstellung, keiner Monografie fehlen dürfen. Umso verwunderlicher, dass dieser wichtigen Werkgruppe ihres Oeuvres bislang keine eigene Ausstellung gewidmet wurde. Diese Lücke schließen nun die Museen Böttcherstraße vom 15. September 2019 bis zum 9. Februar 2020 mit der Ausstellung „Ich bin Ich – Paula Modersohn-Becker. Die Selbstbildnisse“. Erstmals sind rund 50 der insgesamt über 60 Selbstbildnisse in einer Sonderausstellung zu sehen. Darin wird zum einen den Gründen für die hohe Anzahl an Selbstbildnissen nachgegangen. Zum anderen bietet die Zusammenführung die einmalige Chance, die künstlerische Entwicklung von Paula Becker, der Schülerin, zu Paula Modersohn-Becker, der Künstlerin, aus ihrer eigenen Perspektive in Bildern nachzuvollziehen. Die Vergleichbarkeit der Bilder, die sich über die Wiederholung des Motivs ergibt, zeigt frappierend, wie sehr Biografie und Kunst der Malerin verbunden sind. Die Ausstellung beginnt mit den frühesten, selten gezeigten und daher kaum bekannten Arbeiten aus den 1890er-Jahren.  

www.museen-boettcherstrasse.de

 

Der Martin-Gropius-Bau in Berlin zeigt in der Ausstellung „Wu Tsang: There is no nonviolent way to look at somebody“ vom 4.9. bis 12.1.20 unter anderem die neueste Filmarbeit der 1982 geborenen Künstlerin. „One emerging from a point of view“, rückt in einer hybriden Filmsprache Migrationserfahrungen in den Fokus. Der auf der griechischen Insel Lesbos gedrehte Film thematisiert die aktuelle Situation, mit der Landschaft und Inselbewohner gleichermaßen konfrontiert sind: das Trauma der Vertreibung. Wu Tsang setzt magischen Realismus ein, um diese Realitäten zu dokumentieren, und lässt dabei die Grenzen zwischen Fakt, Fiktion und surrealer Erzählung bewusst verschwimmen. Was gemeinhin als „Flüchtlingskrise“ bezeichnet wird, wird im Film strukturell als Krise der Repräsentation erfahrbar. Der Umgang der Künstlerin mit bewegten Bildern, der von den Traditionen des Dokumentarfilms beeinflusst ist, stellt einen zentralen Aspekt der Ausstellung dar. „One emerging from a point of view“ besteht aus zwei sich überlappenden Videoprojektionen, in denen sich Aufnahmen überschneiden und ineinander verlaufen – eine Technik, die auch in ihrem Film „We hold where study“ (2017) zum Einsatz kommt. 

www.berlinerfestspiele.de

 

Mit Hilfe der Methoden der klassischen Rettungsethnologie, der Sicherung von Zeugnissen einer vom Verschwinden bedrohten Kultur, präsentiert das Kunsthaus Dresden unter Leitung von Lisl Ponger eine an Objekten wie auch Bilddokumenten reiche Ausstellung zum Verschwinden der Mittelklasse. Lisl Pongers fiktives Museum, das „Museum für fremde und vertraute Kulturen“, kurz „MuKul“ wird ab dem 20. September bis 12.1.20 im Kunsthaus zu Gast sein. Mit welchen Bildern und welchen Beschreibungen Identität hergestellt wird, damit beschäftigt sich die österreichische Künstlerin Lisl Ponger bereits seit vielen Jahren. Dabei gehört die Darstellung „anderer“ Kulturen in der Ethnologie und Anthropologie zum bevorzugten Gegenstand ihrer künstlerischen Arbeit. Zwei parallele Sonderausstellungen mit künstlerischen Positionen aus Nordamerika und Europa, „Lost Horizons“  und Lisl Ponger „Indian(er) Jones I-V 

(…it belongs in a museum)“ reflektieren verlorene Horizonte der Mittelschicht und den kritischen Umgang mit den kolonialen Präsentationsformen und Sammlungslogiken ethnologischer Museen. Mit den Mitteln der Gegenwartskunst erzählen sie Geschichten vom Umgang mit indigenen Wissen und vom Kampf um Land und Selbstbestimmung in den spätkapitalistischen Gesellschaften des 21. Jahrhunderts.

www. kunsthausdresden.de

 

Käthe Kollwitz (1867-1945) gehört mit ihren oft ernsten, teilweise erschreckend realistischen Werken zu den bekanntesten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Die große Anzahl privater Kollwitz-Sammlungen weltweit ist Beleg für die anhaltende Faszination, die vom Werk der Künstlerin ausgeht – bis heute. In der Ausstellung „Kollwitz im Esszimmer – Leben mit ‚schwerer Kost‘“ im Käthe Kollwitz Museum Köln berichten drei Sammler von ihrer Leidenschaft für Käthe Kollwitz und geben photographische Einblicke in ihr Leben mit der „schweren Kost“. Im Interview beantworten sie Fragen nach ihrem individuellen Verhältnis zur Kunst und zur Künstlerin. Mit jeweils 10 bis 15 ausgewählten Leihgaben stellen sie ihre wichtigsten Werke vor und beschreiben in persönlichen Worten, weshalb ihnen diese besonders am Herzen liegen. Die Ausstellung ist noch bis 29. September zu sehen.

www.kollwitz.de