Faszination Figur

Ausstellungen im deutschsprachigen Raum beschäftigen sich mit dem Menschen in der Kunst / Von Katrin Neuwirth


Links: Jost Heyder, „Der blaue Mantel“, Museum für zeitgenössische Kunst – Dieter Kunerth

Rechts: Die Fotografien von Manuela Koska im Greifswalder Alfried Krupp Wissenschaftskolleg


Der Mensch zählt zu den beliebtesten Sujets in der Kunst und zieht sich wie ein roter Faden durch die Kunstgeschichte. Ob naturgetreue Bildnisse, abstrakte Porträts oder völlig freie Interpretationen – die Figur war und ist in allen künstlerischen Ausdrucksformen wie der Malerei, Bildhauerei, Fotografie und Videokunst allgegenwärtig. So wurden Kreaturen bereits in Höhlenmalereien vor 40 000 Jahren dargestellt. Während man sich in der Renaissance um ein detrailgetreues Menschenbild bemühte, wurde die Figur etwa in kubistischen Kompositionen in geometrische Formen übersetzt. ZEITKUNST stellt Ihnen im Folgenden einige aktuelle Ausstellungen vor, die sich mit dem Menschen in der Kunst beschäftigen.

 

Die Sommerschauen im Museum für zeitgenössische Kunst – Diether Kunerth in Ottobeuren stehen im Zeichen des Menschen. Die bis 29. Juli dauernde Ausstellung „Jost Heyder. ‚Bildnis, Akt, Figuration‘“ widmet sich dem Œuvre des Vertreters der „Neuen Leipziger Schule“. Der 1954 in Gera geborene Künstler ist vor allem für seine erzählerischen Figurenbilder und seine Porträts bekannt. Inspiration findet Heyder in den impressionistischen Arbeiten von Max Liebermann und Lovis Corinth sowie in expressionistischen Werken von Kunstschaffenden wie Oskar Kokoschka und Bernhard Heisig. Auch Vertreter der Moderne wie Pablo Picasso, Henri Matisse, Alberto Giacometti und Max Beckmann spielen eine Rolle für die Kunst von Jost Heyder. Seine Zirkuswelten, Puppenbühnen, Atelier- und Strandszenen weisen Ähnlichkeiten mit den Bildwelten Beckmanns auf. Oft fertigt Heyder Porträts der Künstler an, die er bewundert. Er studierte an der Leipziger Hochschule für Malerei und Grafik bei Prof. Arno Rink und Prof. Bernhard Heisig. Die 1971 in Hilden geborene Miriam Vlaming studierte ebenfalls an der Leipziger Hochschule für Malerei und Grafik bei Prof. Arno Rink. In ihrem Werk steht die Symbiose vom Mensch und Natur im Zentrum. Dabei verschmelzen ihre Figuren meist mit der sie umgebenden floralen Ornamentik. Ihre Arbeiten sind in der Ausstellung „Miriam Vlaming ‚Der Mensch‘“ (4. August bis 11. November) zu sehen. Im Sommer werden im Museum für zeitgenössische Kunst – Dieter Kunerth auch Werke des Künstlers Diether Kunerth gezeigt – unter dem Titel „Dieter Kunerth ‚Paare‘“ (bis 11. November). 

www.mzk-diku.de

 



Die Heimat prägt die Identität von Menschen, ihre Sehnsüchte und Enttäuschungen. Sie trägt dazu bei, ob man sich an einem Ort verwurzelt oder fremd fühlt. Welchen Wert hat Heimat für uns? Wo ist der Mensch erwünscht und welche Rolle kommt ihm in der globalen Welt zu? Diese und noch mehr Fragen nimmt die bis 11. Juli dauernde Schau „Ich bin ein Mensch – Heimat: Leben in Mecklenburg-Vorpommern“ im Greifswalder Alfried Krupp Wissenschaftskolleg in den Blick. Die Fotografieausstellung von Manuela Koska vereint 62 Porträts, die 76 Menschen mit 42 verschiedenen Nationalitäten zeigen. Die Fotografin lichtete Personen ab, die in Mecklenburg-Vorpommern leben. Indem sie neben Einheimischen auch Ausländer und Zuwanderer porträtierte, erzählen die Bilder auch von deren Kulturen, Weltanschauungen, Lebensweisen und Besonderheiten.

www.wiko-greifswald.de

 

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte widmet einer ganz besonderen Frau ein Porträt: Queen Elisabeth II. Die bis 6. Januar 2019 dauernde Ausstellung „Legende Queen Elisabeth II. Sammlung Luciano Pelizzari“ vereint Fotos, Gemälde, Briefmarken und Münzen aus der Kollektion von Luciano Pelizzari. Sie macht die Person erlebbar, die zu den am meisten dargestellten Menschen des 20. und 21. Jahrhunderts zählt. Der Präsentation gelingt es auf wunderbare Weise, die Queen als Mensch und als Monarchin vorzustellen und ihr Zusammentreffen mit bedeutenden Vorkommnissen und Personen des 20. und 21. Jahrhunderts zu beleuchten. Außerdem wird auch die Rezeption der privaten und öffentlichen Person in Kunst und Kultur thematisiert. So sind auch Arbeiten von Pop- und Urban-Art-Künstlern Teil der Schau. 

www.voelklinger-huette.org

 

Die aktuelle Ausstellung im Kurpfälzischen Museum der Stadt Heidelberg gewährt nicht nur Einblick in eine Sammlung, sondern präsentiert auch unterschiedliche Herangehensweisen an das Motiv des Menschen. So befinden sich unter den rund 160 Arbeiten, die in der Ausstellung „‚Menschen‘. Fotokunst aus der Sammlung Braus“ gezeigt werden, Reportagen, Porträts, Landschaften, Inszenierungen oder kunstvoll ins fotografische Licht gesetzte Erotik von bedeutenden Fotografen wie Will McBride, Jeff Mermelstein, Karin Szekessy, Flor Garduno, Robert Häusser, Fritz Henle, Thomas Höpker und Oliver Rath. 

 

www.museum-heidelberg.de