Gegenstück       zur Realität

Martha Jungwirths farbmächtige Kompositionen                             im Kunstmuseum Ravensburg


Martha Jungwirth, “O. T.”, 2017, Sammlung Freymond,
Courtesy Galerie Krinzinger (© VG Bild-Kunst, Bonn 2018)


Die farbintensiven Bilder von Martha Jungwirth bewegen sich zwischen gestischer Abstraktion und Gegen-
ständlichkeit. Laut der 1940 in Wien geborenen Künstlerin formen sie ein „Äquivalent zur starren verbindlichen Realität“. Einblick in ihr Œuvre gewährt das Kunstmuseum Ravensburg in der Ausstellung „Martha Jungwirth. Panta Rhei“. Mit der Schau würdigt das Haus eine Künstlerin, deren Werk vor 20 Jahren das letzte Mal in einer Einzelausstellung in Deutschland gezeigt wurde. 2018 erhielt Martha Jungwirth auch den bekannten Oskar-Kokoschka-Preis für ihr Lebenswerk, das die Wiener Albertina in einer Retrospektive präsentierte. In der Präsentation im Kunstmuseum Ravensburg sind Schlüsselwerke aus den 1970er-Jahren bis heute vertreten. Ein Fokus liegt auf den Aquarellen von Martha Jungwirth. Mit den koloristischen Möglichkeiten setzte sie sich bereits zu Beginn ihres künstlerischen Schaffens auseinander. Inspirationsquellen für ihre Aquarelle und Ölgemälde sind etwa ihre Reisen nach Griechenland, Mexiko, Kambodscha, Freunde, die sie porträtierte, Abbildungen politischer Ereignisse, kunsthistorische Gemälde sowie die griechische Mythologie. Den Körper nutzt Jungwirth gewissermaßen als Filter äußerer Eindrücke. „Wenn die äußere Bewegung, die Körperbewegung und die innere Bewegung zusammentreffen und wenn dieses Zusammentreffen glückt, dann geht die Malerei los“, sagte die Malerin 1994. Flecken, Tropfen und Farbrinnsale im Werk der Kunstschaffenden evozieren den Eindruck des Fluiden, Offenen und Transparenten. Jungwirths Arbeiten laden die Betrachtenden dazu ein, sich in ihnen zu verlieren. |kn|


Martha Jungwirth. Panta Rhei
20.10. bis 24.2.19
Kunstmuseum Ravensburg
Burgstraße 9
88212 Ravensburg
Di/Mi/Fr-So 11-18 h, Do 11-19 h
www.kunstmuseum-ravensburg.de

Mensch im Mittelpunkt

Egon Schieles Selbst- und Körperdarstellungen                                    im Museum Georg Schäfer


Egon Schiele, “Selbstakt mit gespreizten Fingern”, 1911, Bleistift, Aquarell, Gouache, weiß gehöht,
53 x 29,1 cm, Leopold Museum, Wien, LM 1383

(Abb.: © Fotografie Leopold Museum, Wien


Er zählt zu den bedeutendsten Künstlern Österreichs und des beginnenden 20. Jahrhunderts. In der Zeit des Fin de Siècle, in der in Wien sowohl Aufbruchs- als auch Untergangsstimmung vorherrschte, galt Egon Schiele (1890-1918) als Bürgerschreck  und Provokateur. Nur 28 Jahre alt wurde der Maler und Zeichner, der schon früh seinen unverkennbaren Stil entwickelte und über sein Heimatland hinaus Bekanntheit erfuhr. Unter dem Titel „Egon Schiele. Freiheit des Ich“ zeigt das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt eine Ausstellung, die das Œuvre des Kunstschaffenden in den Blick nimmt. Dabei stehen vor allem die Selbst- und Körperdarstellung, Gefühlswelt und Subjektivität in Schieles Werk im Zentrum. In den rund 170 Selbstbildnissen des Künstlers inszenierte er den eigenen Körper und das Gesicht auf unterschiedlichste Art und Weise. Dies gelang ihm, indem er Spiegel zur Hilfe nahm, Grimassen schnitt, expressive Gesten ausführte und unterschiedlichste Rollenbilder aufgriff. Schiele intendierte, die Existenz als solche zu visualisieren und das allgemeine Ich mit seinen Kämpfen des Innenlebens darzustellen. Dieses Ich ist völlig losgelöst von Raum, Zeit, sozialem Status und sogar seinem individuellen Charakter. Neben einer Auswahl an Selbstbildnissen vereint die Schweinfurter Schau auch Bilder, die sich mit der menschlichen Gestalt auseinandersetzen. Hier manifestieren sich innere Bewegungen und Spannungen in extremen Posen, fragmentierten Körperteilen und ungewöhnlichen Perspektiven. Zusätzlich zu Gemälden und Zeichnungen sind in der Präsentation auch Fotografien, Gedichte und archivalische Dokumente zu sehen. Die insgesamt 65 Exponate stammen aus der Kollektion des Museums Georg Schäfer sowie aus dem Leopold Museum in Wien, das die weltweit umfangreichste und bedeutendste Sammlung des Künstlers besitzt. |kn|


Egon Schiele. Freiheit des Ich
14.10. bis 6.1.19
Museum Georg Schäfer
Brückenstraße 20
97421 Schweinfurt
Di/Mi/Fr-So 10-17 h, Do 10-21 h
www.museumgeorgschaefer.de