Künstlerisch upcyceln

Die erste europäische Retrospektive von Ruth Marten in Brühl


Ruth Marten, „Intimate (Vertraut)“, 1997,

Gouache und Buntstift auf Papier, Sammlung der Künstlerin (© 2018 Ruth Marten)


In den 19970er-Jahren tätowierte sie als eine der ersten Frauen überhaupt, Ende der 1980er-Jahre begann eine intensive künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema „Haar“. Jetzt zeit das Max Ernst Museum Brühl des LVR die erste europäische Retrospektive von Ruth Marten. Die Schau präsentiert rund 200 Arbeiten auf Papier, Gemälde sowie Objekte und vermittelt umfassende Einblicke in das vielfältige Schaffen der Künstlerin. Das Herzstück der Präsentation bilden Werke, die seit 2006 entstanden sind und in denen die Künstlerin Druckgrafiken vergangener Jahrhunderte, die sie auf sonntäglichen Flohmarkt-Besuchen entdeckt, zeichnerisch und malerisch ergänzt und verfremdet oder für Collagen nutzt. Marten kombiniert in ihren Werken das Ausgangsmaterial mit Motiven wie Krokodilen, Vögeln, Mäusen oder modischen Accessoires, wobei der Übergang zwischen Ursprungswerk und Bearbeitung durch die perfekte Imitation des Stils der Vorlage allenfalls in der Nahsicht erkennbar wird. „Ruth Marten – Dream Lover“ ist noch bis zum 24. Februar zu sehen und in Zusammenarbeit mit der Künstlerin, anlässlich ihres 70. Geburtstages, entstanden. Zum Titel der Ausstellung ließ sich die Künstlerin von dem gleichnamigen Bobby Darin-Song aus dem Jahr 1959 inspirieren: „I don`t want to dream alone.“ |ez|


Ruth Marten – Dream Lover

bis 24.2.19

Max Ernst Museum Brühl des LVR

Comesstraße 42 / Max-Ernst-Allee 1 

50321 Brühl

Di-So 11-18 h

www.maxernstmuseum.lvr.de

400 Jahre altes Ausstellungsstück

Das Schwäbische Krippenmuseum Mindelheim öffnet nach Umbauarbeiten


Münchener Krippe der Familie Frühbeis,

Georg Anderl, um 1920.


Locker im Schneidersitz, eine Hand an der Fußsohle , einen Finger im Mund – die 8,5 Zentimeter große Holzfigur aus dem Jahr 1300 ist das älteste Jesulein der Welt und somit das Prunkstück des Schwäbischen Krippenmuseums in Mindelheim. So bewegt und kindlich dargestellt fällt es völlig aus seiner Zeit heraus, „denn erst ab dem Jahr 1500 verbreitete sich die Christkind-Verehrung in alle Welt“, sagt Christian Schedler, der Leiter des Mindelheimer Kulturamtes. Vier Jahre lang war das Museum wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Seit Oktober erwartet die Besucher nun ein völlig neues Museum auf 400 Quadratmetern im ersten Stock des ehemaligen Jesuitenkollegs. Insgesamt 40 sehr unterschiedliche Krippen werden dort präsentiert – von Ton und Papier bis Holz, von klassisch-alt bis abstrakt-modern, von Volkskunst bis zu hoher Kunst – als Miniaturlandschaften professionell ausgeleuchtet wie auf einer Mini-Theaterbühne. In vielen Vitrinen rund herum sind einzelne Figuren und Kleingruppen herausgepickt und in Szene gesetzt, so dass sie fast lebendig wirken. Die vielen Informationen zur Geschichte, Bedeutung und Symbolik der Krippen werden über Medien- und Mitmachstationen wie auch durch Filme vermittelt. Die Besucher treten auf diese Weise in einen Dialog mit den Exponaten. So erfahren sie hier beispielsweise auch, warum sich wohl kein Standort besser für das Krippenmuseum eignet als die Stadt Mindelheim. Denn hierher kamen 1618 die Jesuiten, bauten das Kolleg und entdeckten die Krippe als Medium, um die Geburt Jesu zu verkünden. |ez|


Schwäbisches Krippenmuseum 

Hermelestraße 4

87719 Mindelheim

Di-So 10-12 h, 14-17 h

www.mindelheim.de