Geschichte neu geschrieben

Das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) zelebriert das Bauhaus und erinnert an eine zerschlagene Sammlung/

Von Leila Haschtmann


Die Geschichte der alten Moritzburg ist lang und bewegt. Auch das hier 1904, als Kunstgewerbemuseum eröffnete, Ausstellungshaus hat bereits einiges mitgemacht. So wurde beispielsweise die von zwei der ersten Direktoren, Max Sauerlandt (Direktor 1908-1919) und Alois J. Schardt (Direktor 1926-1935), aufgebaute Sammlung moderner Kunst 1937 im Rahmen der NS-Aktion „entartete Kunst“ beschlagnahmt, zerschlagen und möglicherweise teilweise zerstört. Es handelte sich dabei um 146 Werke der damals zeitgenössischen Stilrichtungen, die heute unter Klassische Moderne zusammengefasst werden. Bis heute konnte das Museum 14 der ursprünglich in seinem Besitz befindlichen Stücke wieder erwerben. Selbstverständlich befanden sich in dieser Sammlung auch Werke der Bauhaus-Meister, allen voran von Lyonel Feininger, der zwischen 1929 und 1931 auf Alois Schardts Bestreben hin vom damaligen Regierungspräsidenten der Stadt Halle den Auftrag erhielt, ein Gemälde der Stadt anzufertigen. Im Torturm der Moritzburg bekam Feininger ein Atelier eingerichtet, wo er eine Serie von elf Gemälden schuf, die das Museum zusammen mit weiteren 28 Zeichnungen ankaufte. 

Anlässlich des „Bauhaus100-Jubiläums“, wird das Kunstmuseum Moritzburg ab dem 19. September 2019 die Sammlung, die der Moritzburg vor der Verbreitung und „Machtergreifung“ des Nationalsozialismus großes Ansehen in der deutschen Museumslandschaft einbrachte, wiederauferstehen lassen, und das analog und digital. In der dreiteiligen Ausstellung „Bauhaus Meister Moderne – das Bauhaus und das Kunstmuseum in der halleschen Moritzburg“ wird aber nicht nur die Rekonstruktion der verlorenen Sammlung zu sehen sein. Die Ausstellung wird durch internationale Leihgaben von Meisterwerken unter anderem von Feininger, Heckel, Kandinsky, Kirchner, Klee, Kokoschka, Lissitzky, Marc, Nolde und Rohlfs aufgewertet werden.

Hinzu kommt, dass das Kunstmuseum Moritzburg in Zusammenarbeit mit der ebenfalls in Halle ansässigen Kunsthochschule Burg Giebichenstein sich etwas ganz Besonderes ausgedacht hat. Martin Gropius, der 1919 das Bauhaus gründete und zu den Pionieren der modernen Architektur zählt, reichte 1927 im Rahmen eines kommunalen Wettbewerbs für eine Stadtkrone für Halle einen Entwurf für ein modernes Kunstmuseumsgebäude ein. Dieser Entwurf wird nun mit Hilfe einer Virtual-Reality-Simulation für die Besucher erlebbar gemacht, ergänzt mit den Werken der verlorenen Sammlung, für die es konzipiert war. So kann jeder für sich die Werke entdecken, die bis heute verschollen und trotzdem überliefert sind. Das besondere Erlebnis liegt in der Umgebung, die von einem der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts entworfen wurde. Es ist ein virtueller Traum dessen, was das Kunstmuseum Moritzburg möglicherweise heute wäre, wenn die Nationalsozialistische Ideologie nicht so bereitwillig von einem Großteil der deutschen Bevölkerung akzeptiert worden wäre. 

Zusätzlich zur Sammlungsgeschichte des Museums, wird in fünf künstlermonographischen Kabinetten das Schaffen der Bauhaus-Meister Wassily Kandinsky, Paul Klee, Lyonel Feininger, Oskar Schlemmer und Georg Muche während ihrer Zeit am Bauhaus vorgestellt. Anhand von jeweils ungefähr fünf Werken werden die künstlerischen Entwicklungen deutlich, die das Bauhaus in seinem 14-jährigen Bestehen bei den Meistern anstieß. 

Alles in allem scheint dies ein gelungenes und fesselndes Ausstellungskonzept zu sein. Man darf allerdings auf die Darstellung der Tätigkeit des ehemaligen Direktors Alois J. Schardt gespannt sein, dessen Versuch, den deutschen Expressionismus als völkische Kunst zu etablieren, beim Rest der Nationalsozialisten kaum Erfolg hatte. Als Konsequenz beschloss er 1937, nachdem er 1935 zunächst Schreib- und Redeverbot erteilt bekam, von einem USA Besuch nicht mehr zurückzukehren

 

(Abb.:Lyonel Feininger, „Gelmeroda IX“, 1926, Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm, Museum Folkwang Essen. 

Foto: © Museum Folkwang Essen – ARTOTHEK)

 

Bauhaus Meister Moderne – das Bauhaus und das Kunstmuseum 

in der halleschen Moritzburg

29.9.19 bis 12.1.20

Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

Friedemann-Bach-Platz 5

06108 Halle (Saale)

Do-Di 10-18 h

www.kunstmuseum-moritzburg.de