Tage Nächte  Schattensprung

Reinhard Ader-Retrospektiv in der Städtischen Galerie Speyer


Reinhard Ader, „Ein Sturm kommt auf, I“,  2018,  Öl, Lackspray, Acryl auf Leinwand, 160 x 100 cm


Der Titel, ein Konzept. Über 40 Jahre Malerei, mit manchmal übernächtigten Tagen oder schlaflosen Nächten. Mit dem Versuch, Schatten zu überspringen, in die Höhe, in die Tiefe. Malen, das heißt malen ohne Zugeständnisse. Im Malen sich wiederfinden, irgendwie und irgendwo. Malen – und dann auf die Straße laufen. Sich verwundert umdrehen, sich unter Bäumen wiederfinden, in Schluchten von Straßen. Und dann, am nächsten Abend verscheuchen die Gedanken die ersten Lichter: Es gibt kein Entrinnen, wenn die Farbe auf der Leinwand ins Bläuliche changiert, irgendwo Gläser klirren, Papier knistert, mit bloßen Fingern Farbschichten entstehen, das Licht den Raum flutet und Staubkörnchen wirbeln lässt und Lichtreflexe im Glas ein Bild zaubern, das sowohl Illusion als auch Realität widerspiegelt. Für die Retrospektive anlässlich seines 70. Geburtstages stellt die Städtische Galerie Speyer dem Purrmann-Preisträger (1990) Reinhard Ader ihre drei Räume zur Verfügung, in denen die Werke, in einer grob zeitlichen Einordnung komponiert, den malerischen Lebensweg des Künstlers widerspiegeln. Aders Arbeiten sind im eigentlichen Sinne vielfältig, so dass dem Betrachter die Wahl zwischen Tag und Nacht, Licht und Schatten, Gestern und Morgen, unten und oben, Expressivität und Sachlichkeit bleibt. Wechselt doch die Ausdrucksform vom Fotografisch-Realistischen zur expressiven Gegenstandslosigkeit, um unversehens in surrealistische Tiefen und Gedankenräume zu stürzen. Ein im Small Talk mit einem Glas Wein in der Hand einfachsovorbeistreifender Betrachter wird nur dann die Tiefe der Gemälde nachvollziehen können, wenn er den Versuch wagt, sein eigenes Selbst mit den Werken in Kongruenz zu bringen – wobei ein Stolpern und Aufdienasefallen impliziert sein können. Hat doch der Maler 2005 in seiner Ausstellung „sinn-los“ (im Künstlerbund Speyer) damals schon die Besucher listigerweise „ausgesperrt“ (man konnte die Werke nur von den Eingangstüren aus sehen). Der Betrachter sollte sich nach den Werken „sehnen“.


Tage Nächte Schattensprung

Reinhard Ader, Malerei – Retrospektive

9.11. bis 8.12. 

 

Städtische Galerie Speyer, Kulturhof

Flachsgasse 3

67346 Speyer

Do-So 11-18 h

www.speyer.de

Porträt und Figur Bei Kirchner und Picasso

Das Kirchnerhaus Museum in Aschaffenburg zeigt Papierarbeiten der beiden Meister


Ernst Ludwig Kirchner, „Kopf Hans Arp“, 1929, 

Holzschnitt, Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 

(© Courtesy Galerie Henze & Ketterer, Wichtrach/Bern 2019 )


Ernst Ludwig Kirchner wurde 1880 in Aschaffenburg geboren, Pablo Picasso 1881 in Malaga. Die fast gleichaltrigen Künstler haben das quantitativ größte und qualitativ vielleicht bedeutendste druckgraphische Werk der klassischen Moderne geschaffen. Beiden war dabei das Porträt bzw. die Gestaltung des menschlichen Bildnisses ein zentrales künstlerisches Anliegen, dem sie sich sowohl mit ähnlichen als auch mit gegensätzlichen stilistischen Mitteln widmeten und dabei Meisterwerke schufen. Beide Künstler beginnen um 1904 – in zwei ganz unterschiedlichen Kultururregionen – sich mit Druckgraphik zu beschäftigen. Die stilistisch getrennten Wege, die sie in den 1910er Jahren gehen, setzen sich in den 1920 Jahren zunächst fort.  Später beginnt sich Kirchner in seinen Arbeiten sichtbar mit dem Werk Picassos auseinander zu setzen; dies gilt besonders für dessen Simultan-Porträts. Doch leugnet Kirchner diesen Einfluss und behauptet, die simultane Darstellung des Gesichts als Erster gestaltet zu haben. Gerade das Spätwerk Picassos weist eine Fülle von Porträts auf, in denen sich der Künstler der Gestaltung seines Modells häufig in differenzierenden Serien nähert. In den 1950er und 1960er Jahren findet er im Porträt auch zu einer vereinfachenden, Fläche und Farbe betonenden Ausdrucksform, die eine Nähe zu expressionistischen Stilmerkmalen zeigt. Hier sind interessante Gegenüberstellungen mit Kirchners frühen Arbeiten möglich.  Anhand von ca. 60 Arbeiten aus Privat-  und Museumsbesitz stellt die Ausstellung Porträts und Figurenbilder von Kirchner und Picasso aus den verschiedensten Schaffensphasen gegenüber und vergleicht die ähnliche oder gegensätzliche künstlerische Auffassung in der Darstellung der porträtierten Personen.


Kirchner – Picasso:  Porträt und Figur

in Papierarbeiten zweier Meister

15.11. bis 1.3.20

 

Kirchnerhaus Aschaffenburg

Ludwigstraße 19

63739 Aschaffenburg 

Di/D-Sa 14-17 h, Mi 16-19 h, So 11-17 h

www.kirchnerhaus-aschaffenburg.de