Orte, die eine Geschichte erzählen

Contemporary Art Space The View eröffnet große Sommerausstellung / Von Kathrin Albrecht


Links: Markus Eichenberger, „Chasing Stars“, The View 2018 (Foto: Lucas Rueedi)

Rechts: Dierk Maass, „Wegzeigen“, The View 2018 (Foto: Lucas Rueedi)


Eine Beschreibung trifft auf all die außergewöhnlichen Ausstellungsorte des Contemporary Art Space The View in der Schweiz zu: es sind Orte, die eine Geschichte erzählen. Aktuell zeigt die renommierte Kunstinstitu-

tion eine Sommerausstellung mit fünf ganz unterschiedlichen Künstlern, die sich jeweils auch verschiedener Medien bedienen, darunter Fotografie, Video, Malerei, Bildhauerei und Installation. Eines eint die fünft Künstler jedoch und das sind spannenderweise ebenfalls Plätze, die von Geschehnissen geprägt sind. Stefan Bircheneder, Teresa Diehl, Markus Eichenberger, Dierk Maass und Waltraud Späth nähern sich diesen Orten und bespielen sie jedoch alle auf ihre ganz eigene Weise. 

Bircheneders einnehmende Malereien muten auf den ersten Blick wie Fotografien an. Seine fotorealistische Malweise lässt Orte, die zumeist das Sujet seiner Werke bilden, unmittelbar und erfahrbar erscheinen. Tatsächlich handelt es sich bei den dargestellten Plätzen auch um reale Stellen, die eine gewisse Faszination auf den Künstler ausüben. Diese Anziehungskraft transportiert er dann über seine Werke auf den Betrachter. Es sind Schauplätze des Verfalls, verlassene Umkleidekabinen, heruntergekommene, einsturzgefährdete Industrieorte, die Stefan Bircheneder darstellt – solche Orte eben, die von Aktivitäten zeugen. Seine Arbeiten werden im passenden Ambiente des Zivilschutzbunkers von Salenstein – einer der imposanten Ausstellungstätten von The View – gezeigt. 

Bei der aus dem Libanon stammenden, in den USA lebenden Künstlerin Teresa Diehl sind es gesellschaftspolitische Konflikte und kulturelle Kontroversen, die ihre Kunst beeinflussen. Diese setzt Diehl im Sinne berauschender ortspezifischer Installationen um. Es entstehen intensive Erlebnisorte für den Betrachter. In der Umgebung des von The View ebenfalls als Ausstellungsort genutzten Berlinger Wasserreservoirs zeigt die Künstlerin zwei neue Arbeiten mit den Titeln „Gloria Al Bravo Pueblo“ und „Haram“. In ihren Arbeiten thematisiert Teresa Diehl häufig das Unrecht, das Menschen in diktatorisch regierten Ländern oder solchen im Kriegszustand, täglich widerfährt. Die höhlenartige Atmosphäre des Wasserreservoirs gepaart mit den starken Botschaften der Künstlerin nehmen die Betrachter mit in eine ganz eigene Welt.

Der Militärische Unterstand ist ein nicht minder beeindruckender Schauplatz für die Kunst. Der Contemporary Art Space The View verwandelt diesen, mit Hilfe der atmosphärischen Werke von Markus Eichenberger, in wahre Traumwelten. Der Schweizer Fotograf hat in den vergangenen fünf Jahren jeweils über mehrere Monate hinweg den Sternenhimmel an berühmten Orten der Schweizer Alpen fotografiert oder mit dem Zeitraffer aufgenommen. Im Militärischen Unterstand werden aktuell die Zeitraffer-Filme „Chasing Stars“ und „Aletsch Arena“ gezeigt. 

Auch der Hausherr des Kunstraumes The View Dierk Maass ist ein renommierter Schweizer Fotograf. Einige seiner Arbeiten waren bis Anfang Juli in einer Museumsausstellung in den Räumen der ehrwürdigen venezianischen Biblioteca Nazionale Marciana zu sehen. In der Sommerausstellung von The View werden seine aufwendigen und einzigartigen Fotografien, die er während seiner gewagten Expeditionen an den entlegensten Orten der Welt aufnimmt, in der ehemaligen Schreinerei den bildhauerischen Arbeiten von Waltraud Späth gegenübergestellt. Auch neue Werke von Dierk Maass werden zu sehen sein. Dabei handelt es sich um Schwarz-Weiß-Fotografien, die durch Linienführung und der Betonung von Strukturen auf besondere Weise Kontraste verdeutlichen. Die dreidimensionalen Objekte Waltraud Späths treten mit den Fotografien Maass’ in einen Dialog. Späths Werke sind universell. Sowohl für den Innenraum, im Außenraum als auch ortsspezifisch, die Objekte finden immer den richtigen Platz. Dabei arbeitet die Künstlerin sowohl im kleinen- als auch im Monumental-Format und allem dazwischen. Sie kombiniert für die Arbeiten verschiedene Materialien und erzeugt so, wenn beispielsweise natürliches Holz auf industrielles Metall oder harten Beton trifft, eine besondere Spannung. Thematisch beschäftigt sich Späth ähnlich wie Teresa Diehl mit gesellschaftlichen und politischen Dingen, aber auch mit Belangen des Alltags. 

Wie eingangs erwähnt, sind es bei allen fünf Künstlern die geschichtsträchtigen Orte, die die ganz unterschiedlichen Kunststile einen. So spannt die Schau einen beeindruckenden Bogen über verschiedene Medien und bündelt sagenhafte Sinnesreisen, auf die uns die Künstler mitnehmen. 


Stefan Bircheneder. Teresa Diehl

Markus Eichenberger. Dierk Maass. Waltraud Späth 

bis 29.9.

The View Contemporary Art Space

Fruthwilerstraße 14

CH-8268 Salenstein

Mo-Fr 10-18 h 

(bitte nur nach telefonischer Voranmeldung)

www.the-view-ch.com