Transformation eines widerstrebenden Materials

Skulpturen von Stefan Faas auf der Nordart


Stefan Faas, „Anthropos II“, 2012, Cortenstahl, 330 cm      

Foto: Winfried Reinhardt


Aufgrund seiner Härte und Steifheit kann der Stahl als Metapher für die Unbeweglichkeit und Stagnation – auch der Gesellschaft – angesehen werden. Die Verformung desselben übte seit jeher eine besondere Faszination auf den Bildhauer Stefan Faas aus. Nach Jahrzehnten künstlerischer Arbeit ist er immer noch begeistert von der Transformation eines anorganischen Materials in ein lebendig wirkendes Kunstwerk, das mit seinen Betrachtern in einen Dialog tritt. Für seine Stelen und Köpfe nutzt Faas Cortenstahl und hochpolierten Spiegelstahl – zwei Materialien mit komplett unterschiedlicher Oberflächenbeschaffenheit. Das Sujet des menschlichen Körpers zieht sich wie ein roter Faden durch das Œuvre des 1963 in Pforzheim geborenen Künstlers. Während seine teils monumentalen Cortenstahl-Stelen stark reduziert und in ihrer anthropomorphen Gestalt verfremdet sind, ist es beim Spiegelstahl die Reflexion, die den Skulpturen aus diesem Material eine zusätzliche Dimension verleiht. In nächster Zeit sind drei Ausstellungsprojekte des Künstlers besonders erwähnenswert. So ist Stefan Faas auf der diesjährigen Nordart mit zwei Stelen aus Cortenstahl vertreten, den Arbeiten „Anthropos II“(2012) und „Pyramus & Thisbe II“ (2016). Durch die rötlich-braune, warme Oberfläche des Materials entsteht ein wunderbares Zusammenspiel mit der umgebenden Natur. Ein weiteres Highlight ist die Ausstellung seiner Stelen „Celestino“ (2014) aus Spiegelstahl und „Celso“ (2013) aus Cortenstahl in den ehemaligen Schilderhäuschen des barocken Palais Rottal im ersten Gemeindebezirk in Wien bei seiner österreichischen Galerie Artmark. Vormerken sollte man sich auch schon die im Herbst stattfindende Schau der Galerie am Lindenplatz in Vaduz, in der Werke von Faas sowie anderer von der Galerie vertretenen Künstlern zu sehen sind, darunter Max Bill, Heinz Mack, Francois Morellet, Otto Piene und Daniel Spoerri.    |kn|                  


Der fremde Blick

Feministische Kunst in der Stadtgalerie Saarbrücken


Aude du Pasquier Grall, „Le Cycle Masculin nr 7“, 2008, Fotografie, 65 x 81 cm, Courtesy Envoy Enterprises, New York 

© Aude du Pasquier Grall 


Neben dem Tod gehören auch Liebe und Sexualität zu den zentralen Sujets in der Kunstgeschichte. Bis in die 1970er-Jahre war es allerdings in erster Linie der männliche Blick auf den weiblichen Körper, der in den künstlerischen Kompositionen vorherrschend war. Selbst feministische Künstlerinnen stellten meist den eigenen Leib in das Zentrum ihrer Positionen. Noch heute ist der erotische Blick feministischer Künstlerinnen auf den Mann als Seltenheit anzusehen, bedeutet er doch Tabubruch und Umkehrung der Machtverhältnisse. Für gerade diesen Blick interessiert sich die Ausstellung „In the Cut. Der männliche Körper in der Feministischen Kunst“ in der Stadtgalerie Saarbrücken. Die Schau vereint Darstellungen erotischer Männerkörper, die auf den Anspruch auf sexuelle Rollenzuschreibungen und künstlerische Autorität verweisen. Außerdem hinterfragen sie klassische Rollenzuschreibungen und spielen mit neuen Möglichkeiten sexueller Identität. In der Schau vertreten sind Künstlerinnen wie Louise Bourgeois, Herlinde Koelbl,

Eunice Golden, Joan Semmel, Betty Tompkins und Carolee Schneemann, die die Entwicklung der feministischen Tendenzen in den 1960er- und 1970er-Jahren vorbereitet haben. Ebenso in der Präsentation zu sehen sind Werke von Vertreterinnen der jüngeren Generation wie Sophie Calle, Anke Doberauer, Tracey Emin, Alicia Framis, Kathleen Gilje, Aude du Pasquier Grall, Anna Jermolaewa, Julika Rudelius, Mwangi Hutter, Orlan, Jana Sterbak, Susan Silas und Paula Winkler.    |kn|                    


In the Cut. 

Der männliche Körper in der Feministischen Kunst 

bis 30.9.

Stadtgalerie Saarbrücken

St. Johanner Markt 24

66111 Saarbrücken

Di-Fr 12-18 h, Sa/So 11-18 h

www.stadtgalerie.de