2019 in Ausstellungen

Highlights der Jahresausstellungsplanung/ Von Leila Haschtmann


Links: Leda Bourgogne, „Bloomer“, 2018, Latex auf Nylon, Lack, Tischtuch,Faden, 38 x 50 x 8,5 cm  (Courtesy BQ, Berlin, Foto Roman März, Berlin), Rechts: Leif Trenkler, „Die Semios“, 2018, 116 x 89 cm

 


In 2018 drehte sich in den Museen viel um die Jahrestage der politischen Umbruchszeiten 1918 und 1968. Im kommenden Jahr sind zahlreiche Ausstellungen dem 100-jährigen Gründungsjubiläum des Bauhauses gewidmet, einige hiervon präsentieren wir Ihnen auf den Seiten 12 und 13. Was hat das Ausstellungsjahr 2019 darüber hinaus zu bieten? Bereits in unseren „Highlights 2019“ haben wir Ihnen einige sehenswerte Ausstellungen des nächsten Jahres vorgestellt. Erlauben Sie uns, Ihnen an dieser Stelle das Jahresprogramm einiger Häuser und Kunstschaffenden vorzustellen.

 

Unweit der französischen Grenze, im malerischen Saarbrücken widmet man sich 2019 im Wechsel dem Feminismus und der Klangkunst. Noch bis zum 13. Januar gibt es hier in der Stadtgalerie Saarbrücken die Ausstellungen „In the Cut – der männliche Körper in der feministischen Kunst“ und „Tender Kissing that Leads to Some Rough Ass Fucking Stuff“ zu sehen. Anschließend, ab dem 8. Februar, wird hier eine Pionierin der elektronischen Klangkunst präsentiert: „Christina Kubisch – Electrical Moods“ zeigt interaktive Licht und Klangräume der ehemaligen Professorin der HBK Saar. Bereits in den 80er-Jahren machte sich Christina Kubisch (*1948) mit ihren sogenannten Induktionsarbeiten einen Namen. Für diese Installationen verlegt die renommierte Künstlerin Felder von elektrischen Kabeln, „zeichnet“ mit Ihnen im dreidimensionalen Raum. In diese werden sodann Klänge eingespeist, die nur mit speziellen Kopfhörern für die Besucher erfahrbar sind. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren auch die „Electrical Walks“, die im Rahmen der Ausstellung stattfinden: Spaziergänge durch die Stadt mit besagten Kopfhörern, so dass die Energie der städtischen Elektrizität für die Laufenden hörbar wird. In fast allen Installationen Kubischs können die Lauschenden, beispielsweise durch ihren räumlichen Abstand zum Werk, die Komposition beeinflussen. 

Über die Sommermonate wird man sich in der Stadtgalerie mit einer anderen Form der Mitbestimmung beschäftigen. Vom 7. Juni bis zum 8. September zeigt „Feminismen und Geographien – Kunst aus der Sammlung des FRAC Metz“ Zeitgenössische Kunst von Künstlerinnen aus aller Welt, mit einem Schwerpunkt auf die gesellschaftspolitischen, historischen und privaten Rahmenbedingungen, unter denen ihre Arbeiten entstanden sind. 

Anschließend geht es wieder weiter mit Klanginstallationen: Der schweizerische Künstler Zimoun (*1977) schafft ortsbezogene, raumgreifende kinetische Installationen, oft beispielsweise aus Pappkartons und kleinen Motoren. Sie gleichen physikalischen Versuchsaufbauten, die das rhythmische Zusammenspiel von Zeit und Raum erforschen. Minimalistische Klänge und mechanische Bewegung entwickeln sich zu hypnotischen Gesamtkunstwerken, die auditiv nicht selten an auf unterschiedlichste Oberflächen prasselnden Regen erinnern.

www.stadtgalerie.de

 

Um einen Erforscher des Tierreichs dreht sich die Ausstellung die im Herzoglichen Museum Gotha noch bis zum 17. März zu sehen ist: „Sielmann!“ dokumentiert das Schaffen des Tierfilmers Heinz Sielmann, dessen Fernsehsendung „Expeditionen ins Tierreich“ Jung und Alt in ihren Bann zog. Im Jahr 2017 wäre Heinz Sielmann 100 Jahre alt geworden, zu diesem Anlass entstand diese Wanderausstellung aus einer Zusammenarbeit zwischen dem Naturkunde Museum Berlin und der Heinz Sielmann Stiftung. Im Herzoglichen Museum Gotha verwandelt sich die Säulenhalle in ein Paradies für Entdecker, das kleinen und großen Besuchern nicht nur die Person Heinz Sielmann, sondern vor allem auch die heimische Natur näher bringen soll. 

Ab dem 28. April wird auch in Gotha der 100. Geburtstag gefeiert, der derzeit in aller Munde ist – der des Bauhauses. Das Museum zeigt in „Oskar Schlemmer – Das Bauhaus und der Weg in die Moderne“ das vielseitige Schaffen des Malers, Zeichners, Grafikers, Bildhauers und Bühnenbildners, der außerdem auch Tänze choreographierte und schriftstellerisch tätig war. Die Ausstellung macht deutlich, dass seine Arbeiten in einem zentralen inhaltlichen Aspekt verbunden sind: Die Vision einer Zukunft, in welcher der moderne Mensch in Harmonie mit technischen und gesellschaftlichen Neuerungen lebt. Überlegungen, die in der heutigen Zeit der rasanten technischen Entwicklung, von Hate Speech und Fake-News-Kampagnen in Social Media Netzwerken, von Klimawandel und Fremdenfeindlichkeit hoch aktuell sind. 

Schloss Friedenstein und das Herzogliche Museum planen außerdem wie jedes Jahr einige Events für die ganze Familie. Darunter beispielsweise der 12. Ostereiermarkt am 13. und 14. April und die 13. Museumsnacht am 26. Oktober 2019. 

www.stiftungfriedenstein.de


 

Links: Ansicht der Holzskulptur „Mehrdeutig“ von Franz Musiol

Rechts: Zimoun, 375 Gleichstrommotoren, isolierter Draht, Kartons, Installationsansicht Eduardo Secci Contemporary, Florenz, 

(Copyright: Zimoun)


Der Maler Leif Trenkler zählt zu den wichtigsten Protagonisten der neuen Figuration. Seine erste Ausstellung des Jahres 2019 wird vom 22. Februar bis 30. März unter dem Titel„nature blossom“ in der Galerie Rehbein in Köln zu sehen sein. Die farbprächtigen Bilder des bekannten Künstlers kreisen um das Thema der Natur. Seine Betrachtungen erkunden die Zaubermächte, die er in mythischen Landschaften und blühenden Pflanzen sieht. Das malerische Interesse des Künstlers liegt in dem Prozess der stattfindet, wo Land und Wasser sich scheiden und das Geheimnisvolle eines großen Stroms entsteht. Trenklers neue Bilder beschäftigen sich mit einer scheinbaren Unordnung, Verzweigungen und Verästelungen, die die Reise des Rheins bis zum groß gewordenen mächtigen Fluss begleitet. Über den tiefen Tälern des Rheins, liegt eine rätselhafte Atmosphäre, Trenklers Atelier in Köln liegt unweit davon entfernt. Er setzt auf Wirkung von Licht und Schatten, die Landschaften bewegen sich an der Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion. Abstrahiert und tachistisch gemalt, entstehen völlig neue Energien. Die Kraft der Bewegung wird in die Darstellung der Bäume und des Wassers übertragen. Lichtströme und Farben dominieren die Arbeiten, abstrakte Bewegungen beherrschen die Malereien. Vom 20. bis 24. Februar ist leif Trenkler außerdem auf der Art Karlsruhe vertreten, an den Ständen der Galerie Karl Pfefferle aus München sowie der Galerie Von&Von aus Nürnberg. In der Galerie Karl Pfefferle findet auch die nächste Ausstellung der aktuellen Naturgemälde Trenklers statt. Hier werden sie vom 7. November bis zum 18. Januar 2020 unter dem Titel „Forest Star“ zu sehen sein.

www.galerie-rehbein.de

www.galerie-vonundvon.de

www.galeriekarlpfefferle.de

 

Auch Keto Loguas Videoarbeiten und Skulpturen beschäftigen sich mit der Natur, zeigen Naturphänomene und durch den Menschen kultivierte Natur. Ihre Werke reproduzieren keine „Bilder“ der Natur, sondern reflektieren die Umstände, in denen sie vom Menschen rekonstruiert wird. Einige ihrer Arbeiten sind aktuell gemeinsam mit Werken von Niko Abramidis & NE und Cana Bilir-Meier in der Ausstellung „ars viva 2019“ in der KAI10 in Düsseldorf zu sehen. So unterschiedlich die gewählten Medien und Inhalte auch sein mögen, alle drei Kunstschaffenden eint die Haltung, die Kunst in den Kontext gesellschaftlich relevanter Fragestellungen zu stellen. So öffnet Niko Abramidis & NE in seiner Kunst ein vielfältiges Spektrum, das sich mit Ausdrucksformen der Finanzökonomie und globaler Stadtentwicklung – immer mit dem Blick auf mögliche Zukunftsutopien – beschäftigt. Cana Bilir-Meier überführt Materialien aus dem familiären Archiv in collagierte Film-, Sound- und Textarbeiten. Durch ihre essayistische Arbeitsweise gelingt es ihr, private und offizielle Geschichtsschreibung in Bezug zueinander zu setzen. In den Räumen der KAI 10 I ARTHENA FOUNDATION werden noch bis zum 20. Januar alle drei Beiträge in Form dreier aufeinander folgender Kapitel präsentiert, die sich zu einer Gesamterzählung über die Gegenwart verbinden. 

Ab dem 22. Februar zeigt die KAI10 anschließend eine Gruppenausstellung unter dem Titel „Body in Pieces“. Die hier vertretenen Kunstschaffenden begreifen den menschlichen Körper als Kristallisationspunkt, an dem sich drängende Fragen, etwa hinsichtlich der technologischen und sozialen Bedingungen des Menschseins verbinden. Der Körper erscheint in ihren Arbeiten als ein fragmentiertes und widersprüchliches Gefüge, an dem sich Macht und Kontrolle manifestieren und der ökonomisch und sozial vereinnahmt wird – der aber gleichzeitig auch unsere organische Basis darstellt, von der aus sich unzählige Wünsche und Begierden artikulieren. Hierauf folgt eine Ausstellung, die sich mit der Wahrnehmung von Bild und Ton auseinandersetzt. „Listen to the Image, Look at the Sound“ stellt vom 7. Juni bis 9. September Arbeiten verschiedener Kunstschaffender in den Mittelpunkt, in denen Bilder, Objekte, Musik, Sound und Sprache auf unterschiedlichste Weise miteinander interagieren. 

www.kaistrasse10.de

 

Im Museum Stangenberg-Merck steht das Jahr 2019 vor allem unter dem Zeichen der Erweiterung. Aktuell werden in dem denkmalgeschützten, 1850 gebauten und 1904 erweiterten Haus weitere 200 Quadratmeter im Dachgeschoss umgebaut und bis spätestens Sommer 2019 dem Museum eingegliedert. Die im Artificium und im Museumspark installierte und sehr erfolgreiche Ausstellung des Eberbacher Holzkünstlers Franz Musiol wird am 07. April 2019 enden. Folgen wird ab April/ Mai eine Sonderausstellung mit Arbeiten von Christiane von Kessel. Ausgestellt wird ein Querschnitt des Lebenswerks der bekannten Bildhauerin: Skulpturen in Bronze und Holz, Monotypien und Aquarelle. Noch bis Juni läuft im Museum in mehreren Räumen die hoch gelobte Werkschau des vielseitigen Künstlers Ekkehard Wiegand. 

Als Mitglied im deutschen Museumsbund öffnet das Museum Stangenberg-Merck am Internationalen Museumstag (19. Mai 2019) allen Interessierten die Pforten und bietet an diesem Tag mehrere Gratisführungen an. Die Sonderveranstaltung im Herbst wird am Tag des offenen Denkmals, am 8. September stattfinden: die sogenannten „Jugenheimer Höhepunkte“ zusammen mit dem Schloß Heiligenberg. 2018 ins Leben gerufen, war diese Gemeinschaftsveranstaltung mit einer Vielfalt von Ausstellungen, Führungen und Vorträgen für beide Häuser ein voller Erfolg.

www.museum-jugenheim.info