Ein neuer Boom erobert den Kunstmarkt

Ausstellungen zu außereuropäischer Kunst in Deutschland/ Von Marianne Hoffmann


Links: Kitagawa Utamaro, Schminkszene, um 1795/96, Giverny, Fondation Claude Monet (© Giverny, Fondation Claude Monet)

Mitte links: Nobuyuki Tanaka, „Imaginary Skin III“, 2016, Lack auf Hanf, 26 x 143 x 67 cm und „Imaginary Skin II“, 2016, Lack auf Hanf, 166 × 131 × 24 cm (Foto: Andreas Kusch, © Nobuyuki Tanaka)

Mitte rechts: Anonym, vermutlich Zentralküste, Peru, Totentuch, späte Zwischenperiode, Chancay-Stil, 100–1440, Sammlung Ludwig (© Rautenstrauch-Joest-Museum, Köln)

Rechts: Ahn der Mumuye, Nigeria, Privatsammlung Frankreich 


Schaut man sich in der Ausstellungslandschaft in Deutschland um – und damit sind sowohl museale Ausstellungen als auch Ausstellungen in Galerien gemeint – fällt einem auf, dass der Trend Richtung außereuropäische Kunst geht. Besonders auffallend ist, dass Deutschland aber auch Österreich den Blick nach Japan, andere den Blick auf afrikanische Kunst gerichtet haben. Das Arp Museum gibt einen breiten Überblick über die  japanische Kultur, die sich von Monet bis Manga, das heißt mit den ersten Sammlern japanischer Kunst, bis hin zur japanischen Popkultur, dem Manga, breit aufgestellt hat. Die Pfalzgalerie Kaiserslautern widmet sich dem Lackkünstler Nobuyuki Tanaka. Zeitkunst schaut sich in den Museen und Galerien einmal gründlich um. 

Schon vor dem Arp Museum wirds japanisch. Zur Einstimmung haben die Macher der Ausstellung „Im Japanfieber. Von Monet bis Manga“ einen japanischen Garten angelegt. Ein örtlicher, aber international renommierter Gartendesigner, Peter Berg, hat einen besonderen japanischen Felsengarten entworfen und umgesetzt. Jetzt können die Besucher im Garten lustwandeln und den fantastischen Rheinblick genießen. Im Innern des Museums wird der Besucher im Tunnel, dem Übergang vom historischen Gebäudeteil in den Meier-Bau, durch eine gezeichnete „Magical Girl-Geschichte“ begrüßt. Es ist eine Auftragsarbeit des Museums, den die bekannte Zeichnerin Pummelpanda umgesetzt hat. In der Geschichte geht es um das Museum, seine Kunst und ein Monster, das bevorzugt  Kunst frisst und von dem Magical-Girl mit Hilfe ihres Drachen Roland erfolgreich bekämpft wird. Manga – die Japankultur der Jetzt-Zeit. In der Kunstkammer Rau findet die historische Aufarbeitung des „Japanfiebers“ statt. In Zusammenarbeit mit dem „musée des impressionismes“ in Giverny, wo Monet gelebt hat, kamen einige Ausstellungsstücke nach Remagen. Zahlreiche berühmte Impressionisten wie Monet, Signac, Seurat oder van Gogh bilden den Kern der Ausstellung, ergänzt von unzähligen japanischen Exponaten. Die Begegnung mit Japan bildet eine entscheidende Triebfeder des Impressionismus, dessen Blütezeit von 1870 bis in die Anfänge des 20.Jahrhunderts die Ausstellung unter dem Aspekt des Japonismus beleuchtet. Claude Monet war ein bedeutender Sammler japanischer Farbholzschnitte. Die Werke, die in seinem Wohnhaus in Giverny dauerhaft gezeigt werden, sind nun zum größten Teil in der Kunstkammer Rau zu sehen. Mit Beginn der Meiji-Zeit (1868 -1912) öffnete sich Japan nach fast zwei Jahrhunderten weitgehender Isolation der westlichen Welt. Neben den neuen Beziehungen auf politischer und wirtschaftlicher Ebene zwischen Japan und dem Westen blieben auch die europäische Kunstszene sowie der Kunstmarkt von der Öffnung Japans nicht unbeeinflusst. Sehenswert und ungewöhnlich.

www.arpmuseum.org

 

Was ist der erste Gedanke, wenn man an japanisches Kunsthandwerk denkt? Lackkästchen. Die Tradition der Lackbeschichtung beherrscht niemand besser als der Japaner. Eine Tradition, die immer wieder höchste Auktionspreise aufruft, denn selbst die ausgefeiltste Lackiermaschine schafft nicht, was ei japanischer Lackmeister mit seinen besonderm werkzeug erschaffen kann. Der japanische Lackkünstler Nobuyuki Tanaka hat die Tradition in das einundzwanzigste Jahrhundert transferiert und die speziellen Lacktechniken auf zeitgenössische Formen übertragen. Mit rund 20 einzigartigen, teilweise monumentalen Wand- und Bodenarbeiten, die zwischen 1994 und 2018 entstanden sind, wird in der Ausstellung „Nobuyuki Tanaka – Urformen“ im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern das eindrucksvolle Œuvre eines der wichtigsten zeitgenössischen Lackkünstler Japans vorgestellt.  Einmalig und erstmalig in Deutschland. Als herausragender Repräsentant und Wegbereiter des Gebrauchs von Lack in der Gegenwartskunst verwendet Tanaka das Material meist in poliertem Tiefschwarz, zum Teil auch in intensivem Rot, als mehrschichtigen Überzug für seine großformatigen Skulpturen. So entstehen abstrakte Werke mit lebendig geschwungenen, meist glänzenden Oberflächen von großer Ausstrahlungskraft und Tiefe. Eine besondere Ästhetik geht von ihnen aus. Dabei ist das Licht ein wichtiger Teil der Arbeiten, da sich die Wirkung ihrer Oberflächen mit wechselnden Lichtverhältnissen facettenreich verändert. 

www.mpk.de


Minayama Ôki Menuki mit dem Motiv Narihiras Reise gen Osten / signiert Ô – ki, Interpretation: Gold mit okigane-Vergoldung 

und in katachibori, Zeit: späte Edo-Periode



Sich mit Händen und Füßen verständigen müssen, weil man die Sprache nicht spricht, wer kennt das nicht? Zum Glück haben einige Gesten als nonverbale Kommunikation und Ausdruck von Emotionen transkulturell die gleiche Bedeutung. Achtung: Manche auch nicht! Zu ihrem 20. Jubiläum widmet die Ludwiggalerie in Oberhausen ab dem 23. September 2018 dem Thema eine Ausstellung: „Die Geste – Kunst zwischen Jubel, Dank und Nachdenklichkeit. Meisterwerke aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig von der Antike über Albrecht Dürer bis Roy Lichtenstein.“ Die Werke aus der Sammlung werden durch internationale Leihgaben ergänzt. Die Bandbreite der Exponate reicht von der Antike bis heute, von präkolumbianischer Kunst bis zum europäischen Mittelalter und noch sehr viel weiter. So treten die Darstellungen der Gesten in einen (nonverbalen) Dialog. Dies hätte dem Sammler-Ehepaar sicher gefallen, denn für  sie waren diese immer ein zentrales Thema. Hierbei werden Gemeinsam- und Gegensätzlichkeiten, bedingt durch Zeit und Raum, sichtbar. Gezeigt werden unter anderem Werke von Pieter Brueghel, Albrecht Dürer, Karl Otto Götz, Roy Lichtenstein und Su Xinping. Die Ausstellung ist bis zum 13. Januar 2019 zu sehen. Im Kleinen Schloss zeigt die Ludwiggalerie parallel noch bis zum 24. Februar 2019 die Ausstellung „Stoffwechsel – Die Ruhrchemie in der Fotografie“ in Kooperation mit dem LVR-Industriemuseum Oberhausen.

www.ludwiggalerie.de

 

Hat man den Wunsch eine original japanische Klinge zu erwerben, stellt sich die Frage nach der besten Vorgehensweise. Im Internetzeitalter ist es natürlich möglich ein Schwert irgendwo auf der Welt zu bestellen. Neben den Schwierigkeiten bei der Wareneinfuhr und der Möglichkeit auf einen unseriösen Anbieter hereinzufallen, ist es fraglich, ob die Klinge das hält was die Bilder im Internet versprechen. Die schlechte Erfahrung mancher Käufer sollte vorsichtig stimmen. Der Kauf vom privaten Sammler bringt oftmals ebenfalls nicht das gewünschte Ergebnis, da dieser seine Sammlung verbessern möchte und natürlich erst einmal das verkauft, was er nicht mehr so mag. Schließlich bleibt der Händler als seriöser Fachmann. Hier sollte man auf eine gute Beratung achten, die anhand von erstklassigen Klingen erfolgt. Denn Qualität ist alleine durch Ansehen und Erklärung zu erkennen. Nicht umsonst erwerben Sammler in Japan ihre Schwerter ausschließlich beim Händler ihres Vertrauens. Der intensive Umgang mit japanischen Schwertern und Schwertzierraten seit nunmehr 20 Jahren, Schulungen in Japan, die aktive Mitarbeit in der NBTHK und weitere Aktivitäten machen die hoch spezialisierte Japanische Schwert Galerie in Bad Neuenahr und ihren Inhaber Karl Peuker zu einem seriösen Ort für alle, die etwas Besonderes suchen. Sieht man sich die Preise für ein hochwertiges Schwert an, das kann schon mal bis 300.000 Euro und mehr sein, dann weiß man, dass es hier um Museumsqualität geht. 

www.japanische-schwert-galerie.de

 

Die Galerie von Miller wurde von Maritta von Miller 1989 eröffnet, nachdem sie seit Anfang der 60er Jahre Afrikanische und Ozeanische Kunst sammelte. Ihr Lebensgefährte, Dr. Paul Kummert, ein wahrer Experte auf diesem Gebiet, hatte sie dazu inspiriert. 1999 eröffnete sie im Münchner Lehel eine weitere Galerie, unter der Leitung von Michael von Miller, ihrem Sohn. Die formal reduzierte Bildsprache in der Kunst indigener Völker fasziniert das Auge der westlichen Künstler und Sammler. Nach wie vor geben sie hohe Summen für dieses Sammelgebiet aus. Das zeigen die Auktionsergebnisse im ersten Halbjahr und ein außergewöhnliches Geschenk an den französischen Staat. Archive und Museen wurden in der westlichen Welt erfunden; ebenso verhält es sich mit der Bezeichnung Tribal Art beziehungsweise „Stammeskunst“. Der Begriff ist Ende des 19. Jahrhunderts entstanden, als materielle Kultur aus überseeischen Gebieten in größerem Ausmaß nach Europa kam – und in geistige Schubladen gesteckt wurde. Gesammelt und archiviert werden Artefakte aus Afrika, Ozeanien und den Amerikas, seit Expeditionen aus Europa aufbrachen, um die Welt zu erforschen, Horizonte zu erweitern und die „Wilden“ zu zivilisieren. Die ersten Begegnungen mit der Fremde waren in aller Regel konfliktreich. Und doch hat an dieser Stelle auch der interkulturelle Austausch begonnen – und mit ihm die frühe Neuzeit. Von Miller zeigt nun in der aktuellen Ausstellung unter dem Titel „Impulsive Dynamik“ seltene Masken, Wächter aber auch handwerklich ausgefallene Alltagsgegenstände. 

www.galerievonmiller.de